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Döberner betreibt die letzte private Schleiferei der Region

VON ANDRE KURTAS


Mit Kennerblick überprüft Peter Adam einen kunstvollen Schliff, den er gerade auf einer Vase hinterlassen und sie damit um ein Vielfaches verschönert hat. Die Schleiferei hat der heute 63-Jährige von der Pike auf gelernt. Heute betreibt der Döberner die letzte private Schleiferei weit und breit.

Das seien noch Zeiten gewesen, als er 18 Jahre alt war und Glasmacher in einer der vielen Döberner Glashütten lernte, erinnert sich Peter Adam. Die Glasindustrie boomte zu damaliger Zeit. Aber das ist lange her. Doch die Erinnerungen bleiben dem Döberner fest im Gedächtnis, so wie die von der ehemaligen „Hedwigshütte 1“. Die ist längst wie all die anderen Standworte abgerissen worden.

Es war im Jahr 1987, als das marode Gebäude, das schon seit vielen Jahren verfallen war, dem Erdboden gleichgemacht wurde. Mit dem Abriss endete auch ein Stück Familiengeschichte, die dann plötzlich ausgelöscht war. Schließlich verdiente in der 1862 gegründeten Hedwigshütte bereits der Urgroßvater von Peter Adam seine Brötchen als Werkstellenleiter. Ein kleiner Teil des ehemaligen Gebäudes in dem sich früher die Verpackung befand, steht noch und dient heute als Verkaufsraum in, dem zahlreiche von Peter Adam handgefertigten Glaserzeugnisse in den Regalen stehen.  „Ich habe früher auch als Mundglasbläser gearbeitet und große Kelche angefertigt“, erzählt Adam, der zu damaliger Zeit unter anderem als Brigadier rund 20 Leute unter sich hatte und auch als Schichtleiter in dem 1968 gegründeten Glaswerk in Döbern tätig war.

Später sei er dann, wie zu DDR-Zeiten üblich, zum Meisterstudium delegiert worden. „Das Studium absolvierte ich drei Jahre lang an der damaligen Glasfachschule in Weißwasser und schloss es 1981 erfolgreich ab“, berichtet Adam stolz. Bis zur politischen Wende arbeitete Adam dann im Betrieb und führte wie viele seiner Kollegen die in Döbern im Jahre 1867 gegründete Glasmachertradition fort.

Um die Jahrhundertwende arbeiteten damals sechzehn Glasöfen in Döbern. Kundige Arbeiter hatten damals mit der Pfeife Glas geblasen, mit der sogenannten Pitsche Vasenböden geformt, mittels Drechselstäben harthölzerne Formen ausgeschabt. Sie schliffen Reifen, Böcke, Knopfsterne und Stäbe in das Glas. An die Geschichten kann sich Adam noch erinnern.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde zunächst die Glashütte „Fettke und Ziegler“ enteignet und zum volkseigenen Betrieb umstrukturiert. Drei weitere Glashütten und zwölf Schleifereien wurden erst in den Jahren 1952 bis 1955 an den volkseigenen (VEB) Betrieb Döbern angegliedert. Wie Peter Adam berichtet, wurde auch die Hedwigshütte im Jahr 1954 verstaatlicht und arbeitete wie die anderen Glashütten als Betriebsteil.

Natürlich träumte Peter Adam, wie viele andere Glasmacher und Glasschleifer schon zu DDR Zeiten davon, sich selbständig zu machen. Die Leute hätten ihm mit Sicherheit die Bude eingerannt, „schließlich war das Lausitzer Glas damals nicht nur in der DDR, sondern in der ganzen Welt heiß begehrt“, sagt er. Doch leider wurde der Traum des Döberners erst nach der Wende wahr. „Es war im Jahr 1990 als ich die Firma ,Adam-Kristall' gründete und damals bis zu dreizehn Angestellte beschäftigte“, erinnert sich der Glasfachmann.

Unternehmer komme von „etwas unternehmen“, betont Adam. Inzwischen hatte er sich längst auf Kelchglasserien spezialisiert. Die Produktpalette reicht von kleinen Schnaps- und Likörgläsern bis zum Riesenkelch. Aber auch Bowlegläser, Vasen, Schalen oder andere Gefäße erhalten von Peter Adam den exakten Schliff. „Nach wie vor wird bei mir noch jedes Glas von Hand geschliffen“, berichtet der Döberner stolz, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Firmenjubiläum feiern kann.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Forst, vom 11.03.2010


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Aktualisierung:
16.03.2010


 

Mit Fingerspitzengefühl zaubert Peter Adam den richtigen Schliff auf das Glas
Foto: A. Kurtas