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Solar-Krise erreicht Tschernitz
Kurzarbeit für 250 Angestellte der Glasmanufaktur Brandenburg / Aufträge brechen weg

VON René Wappler
 


Ein trauriger Tag für die 250 Mitarbeiter der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz: Geschäftsführer Volker Henzel hat ihnen am gestrigen Mittwoch erklärt, dass das Unternehmen voraussichtlich für mehrere Monate 50 Prozent Kurzarbeit einführen wird. Hintergrund: der wachsende Druck aus Fernost.

Sowohl Geschäftsführer Volker Henzel als auch die Angestellten des Unternehmens würden diesen Tag wohl lieber aus ihrem Gedächtnis streichen. Zwei Mitarbeiter-Versammlungen berief der Chef am gestrigen Mittwoch ein. Der Kern seiner Botschaft: Die Firma müsse sich an die Umsatzeinbrüche der vergangenen Monate anpassen, weshalb die Kurzarbeit umumgänglich sei. Ab 24. Oktober – und voraussichtlich für sechs Monate.

Angedeutet hatten sich die Probleme bereits im März. Damals musste Volker Henzel eine zunächst geplante Erweiterung des Betriebes auf ungewisse Zeit vertagen, da auf der Glasmanufaktur nach seinen Worten gleich von mehreren Seiten Druck lastete: zum einen die billige Konkurrenz aus Asien, zum anderen die unregelmäßigen Bestellungen der Kunden.

Dieses Problem hat sich mittlerweile deutlich verschärft, wie der Geschäftsführer nun anmerkt. "Wir sind im Jahr 2007 mit viel Zuversicht angetreten, um gerolltes Glas für die Fotovoltaikindustrie herzustellen", sagt Volker Henzel. "Vor allem in den Jahren 2010 und 2011 lief das Geschäft auch sehr gut – aber inzwischen hat eine große Zahl unserer Kunden ihre Bestellungen drastisch nach unten korrigiert." Für die Glasmanufaktur bedeutet das: Sie muss sich den neuen Bedingungen anpassen und ihre Produktion drosseln.

Kritik an der Regierung

Zwar hofft Volker Henzel, dass die Krise bereits im nächsten Frühjahr überstanden sein könnte. Doch lediglich aus eigener Kraft, dies gesteht er unumwunden ein, könne das Unternehmen aus Tschernitz nicht genesen. Vielmehr müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass die Solarbranche dem Standort Deutschland nicht den Rücken kehrt. "Es ist nicht so, dass ich Verantwortung wegschieben will", sagt der Geschäftsführer. "Doch mir wäre es lieber, wenn die Bundesregierung Maßnahmen getroffen hätte, die den Zubau chinesischer Module in unserem Land bremsen, die zu Dumping-Bedingungen hergestellt und verkauft werden." Weder regional noch auf Bundesebene oder gar europaweit gebe es derzeit entsprechende Hilfe für die einheimische Industrie. "Die Modulbranche wackelt momentan ziemlich heftig", stellt Volker Henzel fest.

Mit seiner Kritik steht er keineswegs allein. Der US-amerikanische Konzern First Solar schließt seine Werke in Frankfurt/Oder zum Ende dieses Jahres mit der Begründung, die Produktion sei aufgrund der gravierenden Verschlechterung der Marktbedingungen in Europa wirtschaftlich nicht mehr nachhaltig. Betroffen von diesem Beschluss sind 1200 Beschäftigte.

Auch das Oldenburger Solarunternehmen Aleo Solar mit einem Stammwerk in Prenzlau will seine spanische Niederlassung zum Jahresende schließen. Der Markt im südeuropäischen Land sei zum Erliegen gekommen, heißt es aus dem Unternehmen. In Prenzlau wurde – ähnlich wie in Tschernitz – in dieser Woche vorübergehend Kurzarbeit eingeführt.

Chef bleibt zuversichtlich

Für die Glasmanufaktur in Tschernitz steht ein Aus derzeit nicht zur Debatte, wie Geschäftsführer Volker Henzel betont. "Die Kurzarbeit ist keineswegs der Anfang vom Ende", sagt er. "Vielmehr wollen wir so mögliche existenzbedrohende Konsequenzen ausschließen, so früh es nur geht." Beantragt ist die Kurzarbeit offiziell bis Ende März des kommenden Jahres.

Neben den 250 Angestellten in Tschernitz sehen sich 100 Mitarbeiter des Dienstleisters "Persona" aus Cottbus mit den Folgen der Krise konfrontiert, die ebenfalls für die Manufaktur im Einsatz sind. Nach wie vor zeigt sich Volker Henzel zuversichtlich: "Es kann passieren, dass wir die Produktion schnell wieder hochfahren", erklärt er. "Dafür sollten sich unsere Leute bereithalten."


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 11.10.2012


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Aktualisierung:
15.10.2012


 

Die glänzenden Zeiten sind vorerst vorbei. Die Mitarbeiter der Glasmanufaktur Brandenburg - hier ein Bild vom September 2009 - gehen in Kurzarbeit
Foto: Archivfoto dpa