Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich


Chance im Dickicht der Moderne

Von Christian Köhler

 



Der Weißwasseraner Stadtrat hat das Institut für Neue Industriekultur (Inik) mit einem Forschungsprojekt beauftragt. Dabei geht es aber nicht nur um den Neufert-Bau.

In Weißwasser gibt es zahlreiche Bauten der Moderne: das Volkshaus, den Neufert-Bau oder die Gelsdorfhütte. Was die Gebäude gemein haben, ist deren Einsturzgefahr. Was also tun, um die Bauten zunächst erst einmal zu erhalten? Professor Holger Schmidt, Vorsitzender des Trägervereins Neufert-Bau und Dozent an der TU Kaiserslautern, hofft auf bundesweite Aufmerksamkeit für die moderne Architektur in Weißwasser. Mit dem Forschungsprojekt, das der Stadtrat nun – bei fünf Enthaltungen – bewilligte, ist diese Weißwasser wohl gewiss.

Denn für insgesamt 46 000 Euro beauftragte der Stadtrat das Institut für Neue Industriekultur (Inik) sich an dem bundesweiten Forschungsprojekt "Baukultur und Tourismus" zu beteiligen. Das wiederum wurde durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ausgerufen. "Aus 72 Bewerbungen bundesweit erhielt die Modellregion Lausitzer Neiße als eine von acht Regionen der Republik den Zuschlag", erläuterte Schmidt. Und Weißwasser ist Teil dieser Region.

"Was erwarten wir uns denn davon?", wollte CDU-Stadtrat Bernhard Waldau vor der Abstimmung wissen. Kathrin Jung (SPD) befürchtete zudem Folgekosten und Belastungen für den städtischen Haushalt. "Es wird keine Folgekosten geben", erwiderte Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Vielmehr gehe es darum, die Bauten der Moderne in der Region für den Tourismus nutzbar zu machen. Immerhin kommen jährlich Tausende Besucher in den Muskauer Pückler-Park, besuchen die Rakotzbrücke oder fahren mit der Waldeisenbahn. "Die Frage, die die Forscher beantworten wollen, ist, wie man die Baukultur im Neißeland mit dem Tourismus verbinden kann", sagt Holger Schmidt.

Er sieht diese Forschung als Chance, denn einerseits kann sich die Lausitz bei anderen Regionen abschauen, wie die ihre Gebäude vermarkten und andererseits: "Man bekommt bundesweite Aufmerksamkeit, was es für tolle Architektur in Weißwasser gibt", sagt Schmidt. Gerade mit Blick auf das Bauhaus-Jahr 2019, wo Architekt Ernst Neufert neben Walter Gropius im Mittelpunkt steht, könnte Weißwasser mit seinem Neufert-Bau eine wichtige Rolle spielen – und Gelder bekommen.

Der Lagerhallenbau wurde während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt errichtet, um die Glasproduktion effizienter zu gestalten. Damit steht der Neufert-Bau für zwei gewichtige Schnittstellen der Stadtgeschichte: Einerseits, so erklärt Professor Schmidt, "zwischen Glasproduktion und Verkauf. Und andererseits zwischen Ernst Neufert als Architekt und Wilhelm Wagenfeld als Glasdesigner." Schmidt gehe es nicht darum, ein weiteres Glasmuseum zu schaffen – "Weißwasser hat bereits ein hervorragendes" –, vielmehr müsse um die Erhaltung der Gebäude gekämpft werden.

Das Problem: Weißwasser kann aus eigener Kraft nicht die finanziellen Mittel aufbringen, um Volkshaus, Neufert-Bau oder Gelsdorfhütte vor dem Einsturz zu bewahren. Niemand weiß, was nach dem Haushaltsstrukturkonzept überhaupt noch an städtischen Ausgaben möglich ist. "Deshalb muss man überlegen, wie Fördergelder akquiriert werden können", erklärt Holger Schmidt. Und mit einem bundesweiten Forschungsprojekt präsentiert sich Weißwasser zunächst einmal mit seinen Bauten der Moderne in der Fachwelt – und schließlich den Fördermittelgebern.

Der Stadtrat Weißwasser hat mit seinem Beschluss dafür einen Grundstein gelegt, auch wenn einige Räte sich skeptisch zeigten. Bis 2018 haben die Forscher der Inik Zeit, die Skepsis beizulegen und Ideen zu präsentieren.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 12.05.2017


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
12.05.2017


 

Der Neufert-Bau in Weißwasser ist ein wichtiger Industriebau der Stadtgeschichte. Wie mit diesem und weiteren Gebäuden der Moderne – etwa das Volkshaus – der Tourismus gefördert werden kann, soll nun erforscht werden. Foto: J. Rehle