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Der Zustand ist wirklich erschütternd
Mehr als 160 Weißwasseraner sehen sich zum Tag des offenen Denkmals in der ehemaligen Glasfachschule um

VON Christian Köhler


Zum Tag des offenen Denkmals sind am Sonntag die Türen der ehemaligen Glasfachschule in Weißwasser geöffnet worden. Mehr als 160 Interessenten haben sich in dem Gebäude umgesehen. Viele waren von dessen Zustand entsetzt.

"Die Schule ist in einem desaströsen Zustand", konstatierte der letzte Leiter der ehemaligen Glasfachschule in Weißwasser Gotthard Bläsche. Er hatte seine Lehrtätigkeit in Weißwasser schon 1974 begonnen und findet es sehr schade, dass die Gebäude nicht mehr für die Bildung genutzt werden. Dem können sich ehemalige Mitarbeiter an der Einrichtung wie Karin Garreis, Christina Harwardt oder Isolde Hänsch nur anschließen. "Es ist traurig und deprimierend, hier durch die Räume zu laufen und sie in einem so schlechten Zustand vorzufinden", muss Karin Garreis einräumen. Von 1976 bis 1996 hatte sie die Bibliotheksräume und den Lesesaal im dritten Obergeschoss des Hauses verwaltet. Am Sonntag konnten die Besucher nicht einmal mehr in diese Etage gelangen, obwohl Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Räume, Gänge und Internatswohnungen einigermaßen gereinigt hatten.

"Es ist eines unserer größten Probleme", erläuterte der Vorsitzende der Denkmalkommission in Weißwasser Karl-Heinz Melcher den Besuchern, "die Schule vor Vandalismus ausreichend zu schützen." Seit 2013, als die Stadt das Gelände für 150 000 Euro zurückkaufte, seien zahlreiche Sicherungsmaßnahmen erfolgt. Beispielsweise wurden das Dach wieder repariert oder einige Kronleuchter in Sicherheit gebracht. Allerdings seien sämtliche Kupferrohre aus den Häusern entwendet, Scheiben eingeschlagen und Räume verwüstet worden. Man könne nur hoffen, dass der ehemaligen Schule wieder eine Nutzung zukommt, hieß es von vielen.

Die unter Denkmalschutz stehende Schule ist 1954 der Öffentlichkeit übergeben worden. "Damals hatte die DDR etwa 3,15 Millionen DDR-Mark investiert", berichtete Karl-Heinz Melcher. 1957 erhielt die Schule den Rang einer Ingenieurfachschule für Glastechnik. Als 1976 die Wohnblöcke an der Rosa-Luxemburg-Straße und am Boulevard entstanden, wurde ein Teil des Geländes dafür abgetrennt. Ab 1990 kam als Studiengang die Automatisierungstechnik hinzu, bevor 1994 die Schule zum Berufsschulzentrum (BSZ) umfunktioniert wurde. 2005 verkaufte der Freistaat Sachsen das Gelände samt Lehrgebäude an einen privaten Investor, der sich nach den Erinnerungen von Gotthard Bläsche ein goldenes Näschen an den Mieteinnahmen durch den Landkreis Görlitz verdiente. 2009 wurde die Schule endgültig geschlossen. Das BSZ ist seitdem in der Jahnstraße ansässig.

Hans Schaefer, der seit 1968 hier unterrichtete, zog die Besucher durch seine Erinnerungen in den Bann. Der heute 80-Jährige stellt im Gespräch mit ehemaligen Schülern fest: "Auch mir tut es weh zu sehen, wie sehr die Schule in Mitleidenschaft gezogen wurde." Wie die Gebäude künftig genutzt werden, bleibt weiterhin offen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 12.09.2016


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Aktualisierung:
12.09.2016


 

Der Andrang der Bevölkerung zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag an der ehemaligen Glasfachschule in Weißwasser war riesig.
Foto: Ch. Köhler