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Bauhausstadt Weißwasser könnte von sich reden machen
Ein Theaterprojekt setzt sich mit dem Stadtgebrauch von heute auseinander.

VON REGINA WEISS

 


Wilhelm Wagenfeld und Ernst Neufert, die in Weißwasser auf ihren Arbeitsfeldern sichtbare Spuren hinterlassen haben, kommen zurück in die Stadt. Am 3. Oktober wird es soweit sein. Wie soll das gehen, wird sich jetzt mancher fragen, sind doch die beiden Bauhaus-Schüler seit 1990 beziehungsweise 1986 tot. Schauspieler werden sie wieder zum Leben erwecken.

Diese Performance ist Teil des neuen Projektes "Modellfall Weißwasser oder das Maß aller Dinge", das nun mit der Vorstellung des Vorhabens im Haupt- und Sozialausschuss von Weißwasser am Montagnachmittag gestartet ist. Neufert-Bau-Verein und der Förderverein des Glasmuseums haben den Projektantrag im vergangenen Jahr erarbeitet, um sich bei der Kulturstiftung des Bundes zu bewerben. Diese hatte aus Anlass 100 Jahre Bauhaus 2019 einen Fonds "Bauhaus heute" aufgelegt. Mit dem Zuschlag steht Weißwasser in einer Linie mit Vorhaben in Berlin, Dessau, Weimar, aber auch Paris, New York und Tel Aviv. Schon das ist aus Sicht von Holger Schmidt, Vorsitzender vom Neufert-Verein, schon als erster Erfolg zu betrachten.

Es geht um eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Bauhaus und Stadtgebrauch. Dabei sollen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Weißwasser eine Rolle spielen. Es geht um die dynamische Entwicklung durch die Glasindustrie, das Stadtwachstum als Wohnort für die Arbeiter im Kohle- und Energiebezirk sowie die Abwanderungen in den 1990er - Jahren. Und was kommt nun? Angeknüpft wird dabei an das Experiment der beiden Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld und Ernst Neufert, ein neues Maß zu setzen. "Im besten Fall geht es um die Idee des Bauhauses in Weißwasser von heute und was kann exemplarisch für andere sein", sagt Hendrik Scheel, Bühnenbildner aus Berlin. Damit würde man übrigens wieder an das Wirken von Ernst Neufert anknüpfen, der ein Norm-Freak war. Seine Bauentwurfslehre" ist gerade in der 41. Auflage erschienen und bis heute das Nachschlagewerk für Architekten.

Wenn alles gut läuft, dann sind zwei Juniwochenenden im nächsten Jahr mit einem Theaterparcours gut ausgefüllt. Schon wird im Ausschuss das Wort Stadtfest in den Mund genommen. "Das werden wir nicht organisieren, aber wenn sich Weißwasseraner mit weiteren Ideen andocken wollen - warum nicht", sagt Holger Schmidt. Und er bringt einen bildlichen Vergleich ins Spiel: "Das Floß ist auf den See gestellt, wer aufsteigen will, wir sind total offen." Das unterstreicht auch Christine Lehmann vom Förderverein Glasmuseum und verantwortlich fürs Projektmanagement: "Es steht und fällt mit den Leuten."

Diese werden sowohl bei der jetzt beginnenden und drei Monate dauernden Recherchephase gebraucht, wo man nach Material gräbt, und noch mehr bei den fünf daran anschließenden Werkstätten. Sie widmen sich Tanz/Choreografie, Chor, Film, Installation und Theater. Sie sorgen gemeinsam mit den Bürgern dafür, ob die ganze Stadt im Juni zur Bühne wird. Künstlerisch spielt dann aber nicht nur der Neufett-Bau eine Rolle, sondern es soll der Fokus auch auf Volkshaus. Brache Schnitterbrauerei, Glasfachschule und den alten Glasfabriken liegen.

"Die Bauhausstadt Weißwasser ist ja nicht in jeder Munde. Sie könnte es sein", formuliert Hendrik Scheel einen der Ansprüche, die man mit dem Projekt hat: Möglichst überregional von sich reden machen. Deshalb ist Öffentlichkeitsarbeit wichtig. So wird es einen Internet - Blog geben und einen Dokumentarfilm über den gesamten Projektzeitraum. Außerdem eröffnet bald ein Laden am Marktplatz.

Das Projekt hat einen Kostenumfang von 220 000 Euro. 150000 Euro davon steuert die Kulturstiftung des Bundes bei, der Rest der Freistaat. Der Stadt Weißwasser entstehen keine Kosten.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 12.09.2018


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 12.09.2018


 

Der Neufert-Bau wird während der Zeit des Projektes zum interdisziplinären Labor. Ein LED-Leuchtband auf dem Dach soll den aktuellen Stand der Arbeiten aufzeigen. So ist der Plan
Foto: R. Weiss