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Heimatgeschichte in Glas gepresst
Pückler-Stiftung zeigt neue Sonderausstellung in Bad Muskau / Bernsdorfer Design für den täglichen Gebrauch

VON REGINA WEISS
 


Produkte des Bernsdorfer Glaswerkes sind ins Neue Schloss Bad Muskau eingezogen. Wer die Ausstellung besucht, wird feststellen, dass so manches gläserne Stück aus dem eigenen Schrank für die Ausstellung getaugt hätte.

Es ist die neueste Sonderausstellung im Neuen Schloss Bad Muskau und dennoch ist es für die meisten Besucher der Eröffnung am Donnerstagabend ein Wiedersehen. Schon nach dem Blick auf die erste Vitrine mit herrlich leuchtenden Vasen wird vor allem unter den Besucherinnen gefachsimpelt, wo ähnliche Stücke in heimischen Küchen-, Wohnzimmerschränken oder auf Dachböden stehen. Die Produkte aus Bernsdorf schafften es schließlich in viele Haushalte und das nicht nur in der DDR. Es wurde fleißig exportiert, europaweit und bis Amerika.

"Design für den täglichen Gebrauch – Ankerglas Bernsdorf/Oberlausitz 1930-1970" lautet der Titel der Ausstellung. Zu verdanken ist sie den beiden Sammlern Siegfried Kohlschmidt (Cottbus) und Richard Anger (Berlin).

Nicht das erste Mal, dass beide dem Lausitzer Glas und seiner Geschichte in Bad Muskau zu Ehren verhelfen. Nach Wilhelm Wagenfeld und dem schönsten Glas der Lausitz kommt nun gepresstes Glas zu Ausstellungsehren. Dieses habe nicht unbedingt den besten Ruf gehabt. "Es galt als das Glas der armen Leute", erinnert Kohlschmidt. Vor allem das Imitieren prächtiger Bleiglasschliffe habe nicht eben zum guten Ruf der Produkte beigetragen. Dennoch seien zahlreiche Serien produziert worden, die sowohl dem Zeitgeschmack als auch dem Streben nach moderner Formgebung entsprachen. Ob Ilse oder Nizza, Capri oder Helga, Gisela oder Potsdam – oft wurden die Serien sehr erfolgreich und in hohen Stückzahlen produziert. An der Entwicklung hatten viele ihren Anteil, unter anderem Richard Süßmuth, Erich Herzog, Hans Popella, Friedrich Bundtzen oder die Werkstatt für Glasgestaltung in Weißwasser. Sie alle lieferten Entwürfe fürs Glas. So mancher davon konnte mit internationalem Design mithalten, erklärt Siegfried Kohlschmidt. Doch sowohl der Markt als auch die Politik/Wirtschaft der DDR erwarteten etwas anderes. Dieser ging es ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch um Devisen.

Ab 1950 war Bernsdorf der innovativsten Pressglashersteller der DDR. Nebenher wurden die Ankerglas-Konservengläser hergestellt. Das wurde dem Pressglas, so Kohlschmidt, schließlich zum Verhängnis. Der Ministerrat beschloss, dass die manuelle Pressglasproduktion 1968 eingestellt wird. Danach ging es mit Behälterglas weiter. Das Werk – 1845 entstand in Bernsdorf die erste Glashütte – gibt es bis heute. Es gehört nun zum US-amerikanischen Konzern O-I Glasspack.

Über 650 Gläser aus den Privatsammlungen von Anger und Kohlschmidt kann der Gast nun in Bad Muskau bewundern. "Wir brauchen das kulturhistorische Wissen über die Heimat dringend, um in der Welt von heute bestehen zu können", unterstreicht Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park. Es sei ein Stück Heimatgeschichte, die nun im Schloss zu sehen sei.

Noch längst seien nicht alle Kapitel der Geschichte über das Lausitzer Glas erzählt, blickt Siegfried Kohlschmidt in die Zukunft. Das Ganze sei so vielfältig, dass ihm der Stoff noch nicht ausgehe. Die Werkstatt für Glasgestaltung in Weißwasser wäre ein solches Kapitel, das es Wert sei, bald einmal aufgeschlagen zu werden. Auch an Exponaten dürfte es da nicht mangeln.

Zum Thema:
Die Ausstellung ist bis zum 12. März in Bad Muskau zu sehen. Bis zum 11. Dezember sowie im Februar hat das Schloss Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. 12. bis 22. Dezember, 24. bis 26. Dezember/31. Dezember sowie Januar ist geschlossen. Der Eintritt zur Ausstellung kostet drei Euro. Darin ist der Turmaufstieg inklusive.
www.muskauer-park.de


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 12.11. 2016


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Aktualisierung:
10.11.2016


 

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Schalensätze von klein bis groß und in den unterschiedlichsten Farben - alles Made in Bernsdorf.
Diese farbenfrohen Vasen wurden bis zum Jahr 1950 in Bernsdorf produziert.
Fotos: Regina Weiß