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Neuer Film über Joseph Tudyka

Von Sabine Larbig


Ab Oktober steht in Schule, Archiv sowie Bibliothek der Stadt Weißwasser ein neues Geschichtsdokument: Der Glasmacher Tudyka und sein Einsatz für die Juden.
Gestern präsentierten die Landau-Gymnasiasten Marcel Proske und Marius Frommelt erstmals ihren Film über den Weißwasseraner Glasmacher Joseph Tudyka (verstorben 1976), der 1945 der Jüdin Edith Sonnenberg das Leben rettete. Sein Beispiel nahmen die Schüler zum Anlass, im Geschichtsleistungskurs einen elfminütigen Filmbeitrag zum Thema Zivilcourage zu drehen. Neben Umfragen unter Weißwasseranern ließen sie Interviews mit Zeitzeugen einfließen.

Sorge um die Pünktlichkeit

Entstanden ist filmische Ortsgeschichte, die Schulen, Archiven im In- und Ausland sowie interessierten Bürgern ab Herbst 2010 zur Verfügung stehen soll. „Leider ließen sich bei der Umfrage, ob man sein Leben auch für eine fremde Person riskieren würde, nur die wenigsten Leute filmen“, erzählt Marius Frommelt. „Organisator“ Marcel Proske wiederum hatte wegen dieser und anderer Probleme oft Angst, dass der Film nicht pünktlich fertig wird.

Letztlich klappte alles: Auch dank organisatorisch-technischer Hilfe von tito cultura, Sven Mücksch (Schnitt) und Radio-WSW-Sprechern. „Vor allem wird die Belegarbeit nicht, wie andere gute Schülerarbeiten, im Lehrerschrank enden“, freut sich Silvia Beisert, Geschichtslehrerin am Landau-Gymnasium und Projektbetreuerin. Durch die seit Jahren enge Zusammenarbeit mit dem Verein „Zukunft gestalten – ohne zu vergessen“, so Beisert weiter, sei sogar Unterstützung durch die sächsische Jugendstiftung und Stiftung demokratische Jugend Berlin möglich geworden. „Wir als Verein haben dort den Antrag gestellt, im Rahmen des Zeitensprünge-Projekts die Arbeit zu fördern“, erklärt Vorsitzende Gudrun Albrecht. 30 Film-DVDs sollen zur öffentlichen Nutzung bereitgestellt werden.

„Eine senden wir auch an die israelische Botschaft Berlin und eine an die Holocaust-Gedenkstätte“, so Albrecht. Auch Tudykas Sohn Reiner, der mit Frau Gesine und Sohn Markus in Weißwasser lebt und die Schüler bei der Recherche unterstützte, nahm an der gestrigen Präsentation teil und war sichtlich berührt. Als Junge hatte er viele Wochen der versteckten Jüdin warmes Essen gebracht. Noch immer pflegt er Kontakte zur heute 80-Jährigen, die in Leipzig lebt. „Weder mein Vater noch Edith haben später viel über die einstigen Ereignisse erzählt“, sagt Reiner Tudyka, der jedoch sehr stolz auf seinen Vater ist. Zu Recht: Für seine Tat erhielt Joseph Tudyka im Mai 2007 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem posthum den Titel „Gerechter unter den Völkern“.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 13.01.2010


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Aktualisierung:
13.01.2010


 

Marius Frommelt (li) und Marcel Proske haben einen Film über Zivilcourage und Joseph Tudyka gedreht – gestern haben sie ihn erstmals der Öffentlichkeit und Tudykas Sohn Reiner (re.) präsentiert. Foto: Gunnar Schulze