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Das friedliche Kriegerdenkmal
Enthüllung des Glasmacherbrunnens in Weißwasser jährt sich am 16. Juni

Von Daniel Preikschat

 



Wer es nicht schon weiß oder erst bei näherem Hinsehen der Inschrift entnimmt, käme kaum darauf, dass es sich bei dem Glasmacherbrunnen vor dem Bahnhof in Weißwasser um ein Kriegerdenkmal handelt. Die Gestaltung des Bauwerks aus dem Jahr 1922 war ein Verstoß gegen damals geltende Konventionen.

Die Sympathie für den Brunnen ist bei Ortshistoriker Werner Schubert deutlich herauszuhören. Kriegerdenkmale, schreibt er der RUNDSCHAU, das seien in der Regel kaiserliche Adler mit der Weltkugel in den Fängen gewesen, germanische Helden, die ihr Schwert vor sich aufgepflanzt haben, oder uniformierte Kämpfer mit schussbereiten Gewehren. Ausdruck eben der aggressiven wilhelminischen Weltpolitik damals. "Tote Soldaten sind immer Helden", fasst Schubert zusammen, was solche Denkmale ausdrücken wollten. Eine Lüge, die in den Köpfen gewaltbereiter Rechtsextremer noch immer ihren Platz habe.

Welch anderes Bild indes bot sich den Bürgern der Stadt, als der Vorsitzende des hiesigen Militärvereins am 16. Juni 1922 das Kriegerdenkmal für Weißwasser enthüllte: ein Brunnen mit einer vier Meter hohen Säule, darauf drei fast lebensgroße Glasmacher, die Kugeln blasen. Die Denkmalstifter mit dem Glasindustriellen Joseph Schweig an ihrer Spitze, so Schubert, hatten eine ganz unübliche Form gewählt. Den Brunnen als Symbol des Lebens, die Säule, seit der Antike Zeichen der Macht. Daneben wurde der ortstypische Berufsstand gewürdigt. Auf der Inschrift hatte nicht nur das Wort "Heldenmut" seinen Platz. Es ist auch von der "Not" der im Weltkrieg 1914 bis 1918 Gefallenen die Rede. "Hier wurde nicht versucht, kommende Generationen auf den gleichen Irrweg zu führen", so Schuberts Interpretation. Es werde tatsächlich über die Verstorbenen getrauert, nicht darüber, dass sich Weltherrschaftspläne zerschlagen hatten.

Einzigartiges Wahrzeichen

Für Werner Schubert steht fest: "Bürgermeister Otto Lange nahm damals ein Kriegerdenkmal in die Obhut der Gemeinde, das in seiner Einzigartigkeit mit Recht als bedeutendes Wahrzeichen von Weißwasser betrachtet wird." Und das zumindest in Denkmalschützerkreisen deutschlandweit. In der Stadt wurde das Denkmal in den ersten Jahren nach seiner Enthüllung denn auch "Erinnerungsbrunnen" genannt, nicht Kriegerdenkmal.

Von der Kanone zum Brunnen

Es habe, so Schubert weiter, konservative Kritiker des Mahnmals gegeben, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Als sich Joseph Schweig und sein Militärverein radikal von der militaristischen Tradition trennten, genossen sie dabei auch die Unterstützung der Bevölkerung. Davon zeugten damals die vielen Spenden auch kleinster Beträge für das Bauwerk. So wurden in den Neuesten Nachrichten schon eineinhalb Jahre vor der Enthüllung fortlaufend die Namen der vielen Kleinspender veröffentlicht. Der einleitende Satz lautete immer: "Für die Denkmalspende zur Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Krieger in unserem Orte …"

Wo 1921 bis 1922 der Brunnen erbaut wurde, hatte der Militärverein im August 1916 allerdings noch eine belgische Festungskanone platziert. Ein Geschenk des fünften deutschen Armeekorps, wie Ortschronist Lutz Stucka ergänzt. Anfangs gern gesehen und geschmückt von den Weißwasseranern, wurde die Kanone zunehmend zum Hass-Objekt. 1918 hatte die Stadt 432 Kriegsopfer zu beklagen, so Stucka. Die Kanone wurde demoliert und musste entsorgt werden.

Der Verein habe sich den trauernden Angehörigen verpflichtet gefühlt und ein typisch Weißwasseraner Kriegerdenkmal erdacht, so Stucka weiter. Eines, das den Blick Trost spendend in die Zukunft lenkt, darauf, dass Weißwasser bedeutender Glasindustrie-Standort war. Der Bahnhofsvorplatz war ein idealer Ort dafür, weil er den Ursprung der Glasindustrie-Stadt markierte.

Ein Ort aber auch, der sich zu DDR-Zeiten nicht mehr als geeignet erwies. Nun in einer Energieregion gelegen, nahe an Tagebau und Kraftwerk, schnellte die Einwohnerzahl der Stadt in die Höhe. Am Bahnhof entstand ein Busbahnhof, der für den Brunnen keinen Platz mehr ließ. Erst im Sommer 2002 stand der Glasmacherbrunnen wieder an seinem Platz, als Nachbildung des Originals. Initiator war nicht mehr ein Militärverein, sondern der Förderverein des Glasmuseums.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 13.06.2013


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 15.06.2013


 

Das friedliche Kriegerdenkmal Mit Post, ehemaligem Wasserturm und Bahnhofsgebäude markiert das Mahnmal heute für Zugreisende den Eingang in die Altstadt.
Foto: D. Preikschat
Das friedliche Kriegerdenkmal. 1921 und 1922 wurde der Brunnen auf dem Bahnhofsvorplatz erbaut. Neugierige besuchten gern die Baustelle.
Foto: Archiv Glasmuseum