Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

 Der hartnäckige Denkmalschützer

Von DANIEL PREIKSCHAT


Sie engagieren sich für ihren Verein, für Kunst oder Sport, das Leben in Dorf und Stadt. Dabei zählen sie nicht die Stunden ihrer ehrenamtlichen Arbeit, von der viele profitieren. Es sind Menschen, Macher im besten Wortsinn, die aber nicht unbedingt viel darüber reden. Sie rückt die RUNDSCHAU mit der Serie „Aller Ehren wert“ in den Fokus. Heute: Günter Segger

Wer durch Günter Seggers Garten geht, kann seine großen Vorlieben gar nicht übersehen. Zum einen ist da Lust zum Bepflanzen und Gestalten von 1500 Quadratmetern Grünfläche, die ebenso liebevoll wie geschmackvoll durchgestylt ist. Zum anderen sind da die kleinen Versatzstücke mit Denkmal-Charakter. In einer kleinen Gartenschmiede liegen betagte Hämmer und Zangen sortiert, die Segger aus dem Trödel hat. Dann ist da der selbst gemauerte Torbogen mit den altertümlich wirkenden Eckfenstern oder die umrankte Stein-Rosette auf einem Baumstamm. Von den Stadtwerken habe Segger die geschenkt bekommen. „Das war die Giebelverzierung vom Luisenbad in Weißwasser.“

Vielleicht holt sich Günter Seeger in seinem Garten die Kraft und Energie, die er im Kampf um die Sanierung und den Erhalt von Denkmälern benötigt. „Dafür braucht es einen langen Atem und viel Hartnäckigkeit“, sagt der 72-jährige, der in seiner ruhigen Art ganz so wirkt, als hätte er beides reichlich zur Verfügung.

Den Lehrling gerettet

Zum Beispiel war da dieser Glasmacher-Lehrling in der Jahnstraße – mit Rissen im Kopf und nur noch einer Hand. Auch seine Pfeife muss er irgendwann verloren haben. Segger sorgte zunächst dafür, dass der Lehrling unter Denkmalschutz gestellt wurde. Schließlich verkörpere er die Glasmacher-Tradition der Stadt Weißwasser. Außerdem war der Lehrling Baujahr 1953 und hatte damit die nötigen Jahre auf dem Buckel, um ein Denkmal zu werden, nämlich mindestens 30. Danach ließ Segger nicht locker, bis er die entscheidenden Leute aus dem Landkreis Görlitz soweit hatte, dass sie die nötigen finanziellen Mittel bewilligten. In Günter Schönherr aus Kunnerwitz einen geeigneten Restaurator zu finden, der den Lehrling wieder perfekt in Form brachte, war dann kein Problem mehr.

Und so könnte Segger von weiteren denkmalschützerischen Rettungstaten berichten. Mitunter könnten restaurierte Schmuckstücke auch nicht wieder an ihren angestemmten Platz zurück. Der Glasmacherbrunnen am Bahnhof etwa musste sechs Meter versetzt werden, um einem Verkehrskreisel Platz zu machen. Eine Sägewerk-Dampfmaschine stand in Weißwasser Jahre lang im Freien und wurde ins Museum in Sagar transportiert. „Da ist sie weit besser aufgehoben.“

Segger und die Denkmal-Kommission von Weißwasser, der er vorsitzt, verfolgen mit wechselnden Partnern gemeinsame Ziele. Die Kriegsgräber auf dem Friedhof in Weißwasser wären niemals in einem so guten Zustand ohne die Hilfe der Kriegsgräberfürsorge. Eine Reservisten-Kameradschaft aus Braunschweig pflegt Kriegsgräber in der Umgebung von Weißwasser. Was wo zu tun ist, sagt ihnen Günter Segger.

Das geduldige Planen und Organisieren kennt der Rentner zur Genüge aus seinem Berufsleben, ebenso den Umgang mit Bauwerken. Wenn auch nicht mit denkmalgeschützten, sondern im Gegenteil mit hochmodernen. Jahrzehnte lang hat er in der Region Kraftwerke mit aufgebaut und Rauchgasentschwefelungsanlagen nachgerüstet. Möglicherweise, sagt er, haben ihn diese Tätigkeiten ganz gut auf das vorbereitet, was er heute ehrenamtlich macht. Nur ist die Vielfalt der Objekte, mit denen er sich heute auseinandersetzen darf, eine ganz andere. Kraftwerke gleichen sich, Denkmäler nicht.

Die große Vielfalt

52 gibt es in Weißwasser. „Darunter sind einige ausgefallene“, sagt Segger. Als es in Weißwasser Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich boomte, entstand eine Innenstadt vom Reißbrett. Stadtvillen wurden gebaut, wo vorher nichts war. Nur um ein angenehmes Stadtbild hinzubekommen. So war zum Beispiel der Standort der Schweigvilla am Krankenhaus in seiner Wirkung genau kalkuliert. Eine Fülle von Industriedenkmälern hat Weißwasser außerdem zu bieten. Was auch nicht jede Stadt im Angebot hat, ist die erhaltene Kunst am Bau aus DDR-Zeiten. Die Holz-Skulpturen werten heute den Boulevard auf, sodass jeder etwas davon hat.

Damit jeder etwas hat von den Denkmälern der Stadt, beteiligen sich Segger und sein Mitstreiter in der Kommission außerdem alljährlich am Tag des offenen Denkmals im September. Dabei ist der Zuspruch ganz unterschiedlich und für Segger unberechenbar. 100 Besucher sahen sich den Wasserturm an, 80 die Waldeisenbahn. Die Gebäude der Bahn hingegen wollten 2010 nur drei oder vier Besucher sehen. „Mit ist die Besucherzahl aber gar nicht so wichtig“, sagt Segger. Wer kommt, soll wirklich interessiert sein und etwas mitnehmen. Darum gehe es.

Der Denkmalschützer verschweigt aber auch nicht, dass ihm seine ehrenamtliche Tätigkeit ein Privileg einbringt. Die Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesamt für Denkmalpflege öffnet ihm einige Türen – zumeist sehr alte. Mitglieder der Denkmal-Kommissionen dürfen sachsenweit in historische Gebäude eintreten, „da kommt man sonst nicht rein.“


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser  vom 13.08.2011ews290411.htm


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 14.08.2011


 

Für die Giebelverzierung des ehemaligen Luisenbads in Weißwasser hat Günter Segger in seinem Garten einen Platz gefunden. 
Foto: D. Preikschat