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Weißwasser richtet Technikum ein
Zukunftstechnologien sollen die Stadt voranbringen. Die Fachkräfte dafür werden in einer Schule ausgebildet.

Von Thomas Staudt


Die Idee klingt viel versprechend: Neue Technologien sollen der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung im Raum Weißwasser einen kräftigen Schub verleihen. Die Stadt könnte davon nicht nur durch die Belebung des Arbeitsmarkts profitieren, sondern auch durch die Einrichtung einer Forschungs- und Ausbildungsstätte. Die soll Fachleute ausbilden – und zwar genau solche, wie sie in der Bergbauregion benötigt werden.

Derzeit schmiedet die Lausitzer Arbeitsgemeinschaft für ingenieurtechnische Forschung und Entwicklung (Lerda) gemeinsam mit der Stadt und dem Energiekonzern Vattenfall Pläne für ein neues Institut. Das „Technikum“ soll das Personal für neue, zukunftsweisende Technologien in der Region ausbilden – in der Energiewirtschaft.

Braunkohle ist der Motor

Ideen existieren bereits, doch noch ist offen, welche Dimension die Schule haben wird, oder welche Forschungsrichtungen verfolgt werden. Ausgangspunkt sind heimische Resourcen. Dabei ist in erster Linie Biomasse aus Algen im Gespräch. Für die Produktion ist Hitze notwendig, die die Abwärme von Braunkohlekraftwerken liefern kann. In Senftenberg betreibt Vattenfall bereits eine Versuchsanlage. Die Nutzung der Algen lässt Spielräume offen. Die Erzeugung von Bioenergie, Treibstoffen und Chemikalien ist denkbar.

Eine andere Möglichkeit ist die Vergasung von Holz zur Energiegewinnung. Der nachwachsende Rohstoff ist in den umliegenden Wäldern reichlich vorhanden. Auch hier gibt es bereits Ansätze. Ein erster Versuch mit einer Vier-Megawatt-Anlage in Kooperation mit den Stadtwerken wurde erst kurz vor dem Projektstart abgebrochen. Aber wenn sich der Kupferbergbau in der Region etabliert, eröffnen sich auch für das Technikum bisher ungeahnte Möglichkeiten. Derzeit laufen Messungen und Probebohrungen durch das deutsche Unternehmen Kupferschiefer Lausitz und durch den polnischen Bergbaukonzern KGHM.

Als Ausbildungsträger des Technikums sei laut Oberbürgermeister Torsten Pötzsch die Bergakademie Freiberg denkbar, eine Art Außenstelle sei nicht ausgeschlossen. In eine andere Richtung gehen die Bemühungen des Lerda-Vorsitzenden und FDP-Stadtrats Jörg-Manfred Schönsee. Er hat bereits Kontakt mit einer Dresdner Hochschule aufgenommen. Vertreter von dort haben sich die Situation vor Ort angesehen. Die seit 2008 leer stehende Glasfachschule wäre zwar ein idealer Standort für das Institut. Doch der Komplex gehört dem Frankfurter Investor Peter Barwig. Er beabsichtigt die Immobilie zu einer Einrichtung für Demenzkranke auszubauen. Bisher erfolglos.

Glasfachschule ist zu groß

Außerdem wäre die Glasfachschule räumlich wohl auch eine Nummer zu groß. Laut Schönsee würden dem Technikum fürs Erste eine große Halle und vier Unterrichtsräume genügen. Möglichkeiten dafür sieht er in verschiedenen leerstehenden Gebäuden der Stadt. Bei der Frage nach dem Zeitpunkt der Umsetzung bleibt er gelassen: „Wir wollen keine Facharbeiter ausbilden, die dann keinen Arbeitsplatz finden. Wenn es soweit ist, greifen wir zu.“ Die Umsetzung hängt von der Finanzierung ab. Dabei ist Vattenfall gefragt. Das Technikum istaber zumindest Bestandteil des Vattenfall-Vertrags, der die Folgen des Tagebaus mildern soll.

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AUF EIN WORT:

Ein Zukunftsinstitut ist dringend nötig

Von Thomas Staudt über die Pläne zur Einrichtung eines Technikums in Weißwasser

Weißwasser soll eine Ausbildungs- und Forschungsstätte für Technologien erhalten, deren Ansiedlung einen wirtschaftlichen Strukturwandel in der Region einleiten soll. So will es der Vattenfall-Vertrag. Für die Ausbildung von qualifizierten Arbeitskräften ist das Technikum eine unbedingte Voraussetzung. Die Einrichtung ist aber auch aus einem anderen Grund dringend erforderlich. Weißwasser will sich mittel- oder langfristig zu einem Mittelzentrum entwickeln. Ohne eine Ausbildungsstätte mit überregionaler Ausstrahlung sind alle Bemühungen in dieser Richtung nur die Hälfte wert. Die Stadt kann bereits mit dem guten Ruf des Beruflichen Schulzentrums Boxberg-Weißwasser wuchern. Doch das Technikum wäre das berühmte Tüpfelchen auf dem „i“. Ein Institut dieses Formats könnte zudem die Tradition der ehemaligen Glasfachschule in veränderter Form weiterführen. Nun ist es an der Stadt und Vattenfall, die Pläne Gestalt werden zu lassen.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 14. 07.2011ws290411.htm


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 13.072011


 

Wolfgang Hoyer war jahrelang Lehrer an der Glasfachschule Weißwasser. Die Pläne zur Wiederbelebung des Gebäudes durch die Einrichtung eines Technikums freuen ihn. Noch ist allerdings völlig offen, wo die Ausbildungsstätte einziehen wird.
Foto: A. Schulze