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Es müsste ein Wunder geschehen

von Jürgen Scholz


Kaum noch Erfolgsaussichten für eine Wiederbelebung der Glashütte in Döbern sieht der vom Insolvenzverwalter eingesetzte Berater Heiner Rubarth. Zum morgigen Samstag würden weitere neun Angestellte gekündigt, so dass lediglich noch 16 Mitarbeiter übrig blieben, die vor allem in Döbern und in Cottbus den Direktverkauf fortsetzen. Danach werde der Betrieb eingestellt und das weitere Vermögen verwertet, so Rubarth. Im Prinzip heißt das: Die erst mit Millionenaufwand sanierte Hütte droht zur Investruine zu werden.

Bereits seit März ruht die Produktion. Selbst der Hoffnungsträger des ehemaligen Vorstands Siegfried Zabel, die von Star-Designer Colani entwickelten Dreh-Gläser, konnten auch für einen kleineren Betrieb nicht mehr die Grundlage bilden, so Rubarth, weil sich keine Abnehmer fanden. Ein Großteil der 30 000 gefertigten Gläser sei noch nicht verkauft. 30 Euro sollte der Händlerpreis betragen, verdeutlicht Rubarth das Problem, mittlerweile wird das Glas im Werksverkauf das Sechserpack für knapp 100 Euro angeboten. Der Bestand von insgesamt 1,5 Millionen Teilen sei in einem Dreivierteljahr lediglich auf eine Million geschrumpft. Es sei zu viel produziert worden, um den Zwölf-Tonnen-Ofen auszulasten, ohne dass es Abnehmer für die Waren gegeben habe. Der Brand habe das Aus nur beschleunigt. Bis Ende des Jahres, eventuell noch ein oder zwei Monate länger werde der Verkauf in Cottbus und Döbern laufen, dann professionelle Verwerter eingeschaltet, so Rubarth. Auf insgesamt 22 Millionen Euro belaufen sich die Forderungen gegenüber dem Unternehmen.

Das der Ofen jemals wieder angeheizt wird, scheint Rubarth unwahrscheinlich. Zwei Firmen mit Branchenkenntnissen seien mit der Suche nach potenziellen Käufern beauftragt worden und hätten keinen Erfolg gehabt. "Hier hilft es auch nichts, wenn jemand mit drei Millionen Euro kommt. Es muss jemand aus der Branche sein, der Zugang zum Markt und ein Konzept hat", erklärt Rubarth. "Sonst ist das Geld weg, bevor die Produktion überhaupt erst wieder in Gang gekommen ist." Interessenten aus der Branche seien angesprochen worden, hätten aber abgewunken. Erst recht, seitdem die Wirtschaftskrise für Verunsicherung sorgt. "Bleikristall ist ein Luxusartikel, da wird zuerst eingespart."

Bis zum Monatsende hat Rubarth von der Gläubigerversammlung noch Zeit bekommen, jemanden zu finden. "Es müsste ein Wunder geschehen", sagt er unumwunden. Er sieht "die Sache im Dezember eher zu Ende gehen".

Und so werde wahrscheinlich der Rest der Belegschaft eher dazu übergehen, alles für das Ende vorzubereiten. Dazu gehört die Beseitigung der restlichen Chemikalien. Das Areal selbst gilt als Altlastenfrei. Dann würden professionelle Verwerter kommen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Forst, vom 14.11.2008


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Aktualisierung: 16.11.2008