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Warum der Rüssel in die Praline muss
Angelika Ansorg weiht im Glasmuseum Weißwasser neun Frauen in die süßen Geheimnisse ein

VON Torsten Richter-Zippack


Pralinen gelten als Krönung unter den Süßwaren. In den Geschäften lockt eine schier unüberschaubare Vielfalt. Wie die kleinen leckeren Bissen selbst hergestellt werden, hat Angelika Ansorg jetzt neun Frauen im Weißwasseraner Glasmuseum gezeigt.

Warum der Rüssel in die Praline muss

Um es vorwegzunehmen: Wer Heißhunger auf Schokolade beziehungsweise Pralinen hat, sollte sich im Supermarkt um die Ecke eindecken. Denn um die süßen Schätze selbst herzustellen, ist vor allem dreierlei zwingend erforderlich. Nämlich eine ruhige Hand und Geduld. Ebenso Zeit. Vom ersten Arbeitsschritt bis zum Endprodukt können locker anderthalb, nicht selten sogar zwei Stunden vergehen.

Die neun Frauen, die sich an diesem Dezembertag in den Katakomben des Weißwasseraner Glasmuseums versammelt haben, verfügen über Zeit und Geduld. Schließlich wollen sie endlich wissen, wie Pralinen selbst hergestellt werden. Dazu ist Angelika Ansorg da. Die kesse "Pralinenfee vom Strick-Café", wie sie sich selbst bezeichnet, will den Damen das Einmaleins der süßen Künste beibringen. Für Pralinen interessiert sich Ansorg schon immer. Ausgerechnet am Herrentag 2015 habe die Weißwasseranerin ein "Pralinen-Seminar" auf Schloss Krobnitz bei Görlitz besucht. Ihr dort erworbenes Wissen gibt sie nun in diversen "Kurzbesohlungen" im Rahmen der Sonderausstellung "Süße Oberlausitz" im Glasmuseum an alle Interessierten weiter.

Viele Zutaten

Wer Pralinen selbst herstellen will, braucht zunächst eine ganze Anzahl an Zutaten und Fachwerkzeug. Beispielsweise ein spezielles Besteck, ein Messer mit runder Spitze, Kakao, Milch, Zucker, Früchte, wahlweise Alkohol, Kaffeepulver, um nur einige zu nennen. Und ganz wichtig: kleine Hohlkörper aus Schokolade. "Diese kann man ebenfalls selbst machen, aber das wäre zu aufwendig", erklärt Angelika Ansorg. Besser sei es, die künftigen "Pralinenhüllen" zu kaufen. Dann kann es losgehen. Zunächst ist die Ganache an der Reihe. So heißt die leckere Füllung fürs Innere der süßen Bissen. Dort kenne die Vielfalt keine Grenzen. Der Geschmack reiche von Aronia-Beeren bis zu Marzipan-Amaretto. Die Frauen setzen auf eine Baileys-Mischung. Doch wie soll der irische Creamlikör in die Schoko-Hohlform? Angelika Ansorg hat die Lösung bereits parat. Mittels alter Ketchup-Flaschen. "Dazu wird der Flaschenrüssel in die künftige Praline eingeführt. Dann vorsichtig drücken. Nicht zu viel auf einmal", leitet die Mentorin ihre Frauen an. Diese müssen erst das Gefühl für den korrekten Druck entwickeln. Meist quillt der Hohlkörper über, seltener wird zu wenig eingefüllt. Doch mit jeder Praline werden die Frauen sicherer.

"Ich bin von Natur aus etwas ungeduldig", weiß Angela Schulz aus Weißkeißel. "Bei meinen selbst hergestellten Pfefferkuchen ist daher schon mal etwas Wasser in die Schokolade geraten. Die sah dann nicht ganz so gut aus." Doch diesmal beweist Schulz, dass sie doch über eine ruhige Hand verfügt. Ganz allmählich fließt das Gemisch in den Hohlkörper aus Schokolade. Für Brigitte Glowna-Adolph sind handgearbeitete Pralinen Neuland. "Ganz früher haben wir während der Adventszeit Rumkugeln zurechtgeknetet, und zwar aus Butter, Mehl, Zucker und Rum-Aroma. Die durften sogar wir Kinder essen", erinnert sich die 63-Jährige aus Sagar schmunzelnd.

Fürs gute Aussehen

Nach getaner Arbeit muss alles in den Kühlschrank. "Schokolade und Ganache sollen eine Einheit werden", begründet Angelika Ansorg. Anschließend bekommen die Pralinen einen "Deckel". Schließlich dürfe der kostbare Inhalt nicht wieder hinauslaufen. Etwas umständlich mithilfe eines Gefrierbeutels wird das Werk vollbracht. "Zur Not geht's auch mit einem runden Messer", weiß eine der Frauen. Dann folgt noch das Trüffeln. Dazu kommen die Pralinen in warme Schokolade und werden im Anschluss auf einem Gitter gerollt. Dadurch entstehen Schokofäden, die dem Ganzen nicht nur einen besonders leckeren Geschmack, sondern auch ein prächtiges Aussehen verleihen. Anschließend folgt der wohl wichtigste Augenblick des Tages. Nämlich die Verkostung. Einhellige Meinung der Frauen: "Hm, ist das lecker." "Wehe, wenn dies Ehepartner oder Kinder mitbekommen", weiß Angelika Ansorg aus Erfahrung. Dann helfe nur noch eines: "Kühlschrank abschließen".
 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 14.12.2015


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 16.12.2015


 

Ganz vorsichtig befüllen die Frauen die Schoko-Hohlkörper. Angelika Ansorg (r.) passt auf, dass es richtig gemacht wird.
Foto: T. Richter-Zippack