Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Schön zeitlos
Wilhelm Wagenfeld wird Ehrenbürger von Weißwasser. Wie aktuell sein Schaffen ist, zeigt das Glasmuseum.

VON THOMAS STAUDT
 


Er war schon Designer als es den Begriff noch gar nicht gab: Wilhelm Wagenfeld. In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts bewahrte er mit seinen Entwürfen die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) vor dem Ruin. Sein Erbe hatte in der Stadt nicht immer den Stellenwert, den es heute besitzt, aber es ist auch nie wirklich in Vergessenheit geraten. Weit nach seinem Wirken für die VLG benannte Weißwasser eine Straße nach ihm. Das Glasmuseum hütet heute, neben anderen Wagenfeld-Devotionalien, einen umfangreichen Schatz seiner ausgeführten Entwürfe. Nun steht die nächste Ehrung für den Design-Pionier an: An diesem Freitag jährt sich sein Geburtstag zum 116. Mal. Aus diesem Anlass erhält er posthum die Ehrenbürgerwürde der Stadt.

Schlussakt der Zeremonie, an der auch Tochter Meike Noll-Wagenfeld teilnimmt, ist die Eröffnung einer Sonderausstellung. Sie zeigt vor allem Neuerwerbungen. „Wir haben in den letzten Jahren rund 40 Stücke ankaufen können“, sagt Museumsleiterin Elvira Rauch, für die die Beschäftigung mit Wagenfeld auch privat längst Steckenpferd und Hobby geworden ist. Unter den Stücken sind zwei Teller von Ludwig Gies und Charles Crodel, zwei einer Reihe namhafter Künstler, mit denen Wagenfeld während seiner Weißwasseraner Zeit zusammenarbeitete. Gies wurde später als Schöpfer des Bundesadlers auch einem breiteren Publikum bekannt. Einzigartig sind die originalen Holzformen, die für die industrielle Produktion von Wagenfelds Glasgegenständen verwendet wurden. Die ständige Ausstellung im Obergeschoss des Glasmuseums zeigt zwei von insgesamt rund 25 erhaltenen Formen. Einige weitere Stücke sind nun in die Sonderausstellung integriert. Ursprünglich müssen Hunderte solcher Formen existiert haben. Wie viele Entwürfe Wagenfelds bei den VLG genau zur Ausführung kamen, ist nicht bekannt.

Ganz neu im Museum ist ein Auftragsbuch der Tischlerei Nickel aus Lugknitz/Leknica. In seiner Zeit in Weißwasser vergab Wagenfeld eine ganze Reihe von Aufträgen an Nickel. Das Buch enthält daneben auch handschriftliche Belege des Designers. Drei Vitrinen belegen zudem die Aktualität von Wagenfelds Entwürfen. Viele werden heute noch produziert. Bei der Zwiesel Kristallglas AG werden ein Teeservice und der sogenannte Eierkoch hergestellt, eine kleine Auflaufform aus Jenaer Glas. Von WMF kommt das legendäre Salz-und-Pfeffer-Tischset „Max und Moritz“. Anfang der 50er entworfen, ist es für knapp 20 Euro noch in fast jedem Fachgeschäft erhältlich. Etwas kostspieliger sind die Editionen der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Die Vasen (Entwurf: 1934) gibt es ab 40 Euro.

Wilhelm Wagenfeld wird 1900 in Bremen geboren. 1923 geht er ans Bauhaus nach Weimar und kreiert dort unter anderem die Tischlampe WG24 mit dem halbkugelförmigen Schirm – aus Glas. Auch als Wagenfeld- oder Bauhaus--Lampe bekannt,. bildet sie den Inbegriff von Wagenfelds Schaffen und zählt zu den Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts. Ab 1935 ist Wagenfeld dann einige Jahre für die VLG tätig. Er krempelt nicht nur die Produktpalette des Unternehmens um, sondern auch das Marketing. So entwirft die renommierte Innenarchitektin Lily Reich einen Messestand für die VLG. Wagenfeld erreicht, dass der Stand nicht nur während der Leipziger Grassi-Messe, sondern dauerhaft zu sehen ist, neben der ständigen Ausstellung des Museums. Der Leipziger Restaurator und Wagenfeld-Kenner, Justus A. Binroth hat den Stand vor einigen Jahren nach alten Vorlagen rekonstruiert. Er ist nun wieder in der ständigen Ausstellung des Museums zu erleben. Nach seiner Weißwasseraner Zeit erhält Wagenfeld eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Später geht er nach Stuttgart und gründet die Werkstatt Wagenfeld. 1990 stirbt er in Stuttgart im Alter von 90 Jahren.

Wie ernst es der Stadt Weißwasser mit der Ehrenbürgerwürde für Wilhelm Wagenfeld ist, kann man an der Tatsache ermessen, dass die Ehrung bisher nur einem Bürger zuteil wurde: Joseph Schweig. Der Industrielle hat nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der Region um 1900 maßgeblich geprägt, sondern wichtige Grundsteine für die Stadtwerdung gelegt.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 15.04.2016


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
15.04.2016


 

Jochen Exner (l.) und Horst Fasold vom Förderverein des Glasmuseums Weißwasser beim Aufbau der Wagenfeld-Ausstellung. Sie ist bis November zu sehen. Der Verein feiert am Sonnabend das 20-jährige Bestehen des Museums.
Foto: A. Schulze