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Millionen-Investition Glaswerk Bernsdorf nimmt neue Schmelzwanne in Betrieb

Die Generalreparatur ist erledigt. Mehr als 20 Millionen Euro hat das Unternehmen O-I ins Glaswerk Bernsdorf investiert - darunter unter anderem in eine neue Schmelzwanne, die jetzt in Betrieb ist.
14. April 2020, 15:32 Uhr•Bernsdorf
Von Rita Seyfert
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Thomas Twarok, Werkleiter von O-I in Bernsdorf, ist stolz auf den neuen „Ofen“, wie er das Herzstück des Werkes fast schon liebevoll bezeichnet. © Foto: Rita Seyfert
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Durchschnittlich 400000 Glasflaschen laufen im O-I-Werk in Bernsdorf täglich vom Band. Der Hauptauftraggeber ist derzeit Jägermeister. © Foto: Rita Seyfert
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Oliver Gebauer, Springer in der Sortierung und Schicht-Logistik, inspiziert jede einzelne Flasche. Meist läuft der Ventilator. © Foto: Rita Seyfert
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Für Schichtmeister Torsten Schuppang und seine hundert Kollegen ist die Arbeit nach der Modernisierung ergonomischer geworden. © Foto: Rita Seyfert
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Etwa 150 Millionen Glasflaschen werden in Bernsdorf produziert, hauptsächlich in der Farbe grün. © Foto: Rita Seyfert
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O-I-Chef Thomas Twarok hat die Organisation der Einweihungsfeier für die neue Schmelzwanne wegen Corona erst einmal auf Eis gelegt. © Foto: Rita Seyfert

Tieforange glüht der Feuerschlund der neuen Schmelzwanne vom Glaswerk in Bernsdorf. Im Herzstück der Anlage herrschen etwa 1550 Grad Celsius. Die Umgebungstemperatur erinnert an eine Trockensauna. Rund um die Uhr werden hier Glasscherben mit anderen Rohstoffen wie Sand, Kalk und Soda eingeschmolzen.

Wie zähes Magma tropft das heiße Glas durchschnittlich 400000 Mal pro Tag in die Flaschenform der Maschinen und dann aufs Fließband. Bis zu 150 Millionen Glasflaschen werden hier jährlich produziert, und zwar ununterbrochen 24 Stunden täglich, an sieben Tagen pro Woche. Thomas Twarok, Werkleiter O-I Bernsdorf: „Klar, dass dieser Prozess den Ofen aus feuerfestem Material stark beansprucht“, sagt er.

Von November 2019 bis Mitte März 2020 wurde die Schmelzwanne daher generalüberholt und komplett erneuert. Heißt, die Maschinen wurden angehalten und die Schmelzwanne entkernt, abgerissen und neu aufgebaut.
20 Millionen Euro in den Standort Bernsdorf investiert

Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, hat der amerikanische Konzern Owens-Illinois (O-I) insgesamt mehr als 20 Millionen Euro in den sächsischen Standort investiert. Das Ziel war es, der weltweit hohen Nachfrage nach dem nachhaltigen Verpackungsmedium Glas auch zukünftig gerecht zu werden und Arbeitsplätze zu sichern.

„Alle 100 Mitarbeiter halfen mit“, erzählt Werkleiter Twarok. Zusammen mit dem Werksteam waren mehr als 300 Personen internationaler und lokaler Firmen an diesem Projekt beteiligt. Der herausfordernde Zeitplan ließ sich nur mit vereinten Kräften meistern.

Für die Baumaßnahmen musste die Schmelzwanne in nur wenigen Tagen auskühlen. Am 21. November vergangenen Jahres wurde der „Stöpsel“ gezogen. Allmählich floss das heiße Glas ab. Nach dem Abriss der Wanne fanden zunächst umfassende Umbauarbeiten an den tragenden Elementen und dem Umfeld statt, bevor der Wiederaufbau erfolgte.
Alte Schmelzwanne im Glaswerk Bernsdorf komplett ausgetauscht

Die Schmelzwanne wurde komplett ausgetauscht, das Gemengehaus umgebaut, eine Glasmaschine wurde rundum erneuert, eine zweite komplett neu installiert. Die Inspektionsmaschinen wurden zur Verbesserung der Qualitätssicherung aufgerüstet und die Produktionsmaschinen erneuert. Dadurch konnten die Arbeitsabläufe ergonomischer gestaltet und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter nachhaltig verbessert werden.

Millioneninvestition O-I-Glaswerk Bernsdorf bekommt neue Schmelzwanne

Bernsdorf

Auch die Maschinen und Anlagen gewannen an Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Dank der neuen Anlagen wurde eine höhere Stabilität in der Produktion erreicht. „Wir haben weniger Ausfälle und Reparaturen.“ Mehr noch: Auch die Produktpalette ist facettenreicher geworden. „Wir sind jetzt flexibler aufgestellt“, so Werkleiter Twarok.

Bereits Ende Februar begann das Team mit dem „Antempern“. Heißt, der Ofen wurde wieder angemacht. Bereits eine Woche später hatte die Wanne wieder die erforderliche Temperatur zum Glasschmelzen erreicht. Simultan wurden die Funktionsfähigkeit der Glasmaschinen getestet und Schulungen durchgeführt.

„In intensiven Trainings haben unsere Mitarbeiter die neuen Anlagen kennengelernt“, berichtet Werkleiter Twarok. Neben Innenhausschulungen nahmen die Mitarbeiter auch an externen Lehrgängen teil, unter anderem in den Glaswerken in Rinteln im Weserbergland oder in Maastricht in den Niederlanden. Nach der mehrmonatigen Renovierungsphase wurde der Regelbetrieb Mitte März wieder aufgenommen.
Eröffnungsfeier wegen Corona verschoben

Nur die Einweihungsfeier muss derzeit noch warten; wegen Covid-19 wurde die Organisation der offiziellen Eröffnungsparty vorerst ausgesetzt. Unter anderem sind Werksrundgänge für die Mitarbeiter und deren Familien geplant. „Wir wollen uns auf jeden Fall noch bei allen Fremdfirmen und unseren eigenen Mitarbeitern bedanken“, betont Werkleiter Thomas Twarok. Alle hätten in den zurückliegenden Monaten außergewöhnliches geleistet.

In der aktuellen Corona-Situation finden auch im O-I Glaswerk in Bernsdorf täglich Krisensitzungen statt. Unter anderem wurden die Hygiene-Regeln verschärft. Bislang sei aber niemand positiv getestet worden. Allerdings sei die Ausfallquote wegen der Kinderbetreuung derzeit höher als sonst.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 01.03.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
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Aktualisierung: 05.03..2020


Das Champagnerglas der Kelchglasserie Highlight: Hebt man das Glas an, leuchtet der Stiel.
© Th. Schmidt
 
 
 
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