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Glasmuseum ehrt Bauhaus
Anlässlich 100 Jahre Bauhaus zeigt das Glasmuseum in Weißwasser eine Sonderausstellung.

 VON Dieter Hubatsch
 



Die Kuratoren der Ausstellung, Horst Gramß und Christine Lehmann vom Förderverein des Glasmuseums, hatten es schwer. Trotz Unterstützung einer Arbeitsgruppe fiel ihnen die Entscheidung, welche Stücke des Bauhausschülers Wilhelm Wagenfeld und seines Schülers und Mitarbeiters Friedrich Bundtzen aus der großen Museumssammlung in die Ausstellung sollen, schwer. Es kann ja nur ein Ausschnitt der Arbeit der Gestalter und Produktion der Weißwasseraner Glaswerke gezeigt werden. Dass Wilhelm Wagenfeld nach Weißwasser kam, war Dr. Karl Mey, Aufsichtsratsvorsitzender der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG), zu verdanken. Er gewann ihn 1935 als künstlerischer Leiter der VLG. Wagenfelds Aufgabe war es, das aus ca. 40.000 Einzelartikeln bestehende Produktionssortiment zu reformieren und qualitativ zu verbessern. Es gelang. Wagenfeld revolutionierte die Formen der 1920er Jahre, bereinigte Kelch- und Pressgläser von üblichen Schliffornamenten und fand neue Möglichkeiten, einfache Gefäßformen mit reduzierten Dekoren zu verbinden. Dafür schuf er eine Art künstlerisches Labor und begeisterte die besten Facharbeiter - wie Paul Bittner und Hans Lutzens - von seinen Ideen. Die so von Wagenfeld geschaffene Marke Rautenglas überzeugte durch Einfachheit und Zweckmäßigkeit. »Sein Credo war«, resümiert Kuratorin Christine Lehmann, »schöne, funktionelle und alltägliche Produkte zu fertigen, die erschwinglich und für alle zugänglich sein sollten.« Weitere bekannte Entwicklungen Wagenfelds waren das Kubusgeschirr und die Zitronenpresse, die gelegentlich noch heute in Haushalten zu finden sind wie der Limonadensatz »Warmbrunn« oder die Kelchglasserie »Oberweimar«.

Exponate als Zeitzeugen

Auf der Pariser Weltausstellung 1937 wurden sogar die Vasen »Paris« (bronzegrün) und »München« (stahlblau) mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Somit profilierte sich Wilhelm Wagenfeld in seiner VLG-Zeit zu einem der bekanntesten Glasgestalter des 20. Jahrhunderts, der die Bauhaus-Ideen bis in die Gegenwart vererbte. Denn als 1992 die damalige Geschäftsführerin der Lausitzer Glaswerke GmbH, Eveline Hubatsch, die Witwe Wagenfelds besuchte, erteilte diese den Lausitzer Glaswerken die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Produktion einiger Entwürfe ihres Mannes. Von all dem zeugen Exponate der Sonderausstellung, die ebenfalls die Nachkriegsmoderne in der DDR und die 1950 von Friedrich Bundtzen gegründete Werkstatt für Glasgestaltung repräsentiert. Bundtzen führte nach Wagenfelds Weggang den zeitlosen Charakter in der Glasgestaltung fort. »Auch er vertrat die Meinung, dass das einfache, formschöne Glas ohne Schliff oder Malerei auskommt und durch Qualität und funktionale Gestaltung überzeugen muss«, so Christine Lehmann. Ein Beispiel sei die Bowle »Romanze«. Nachdem 1968 der langjährige Mitarbeiter Bundtzens, Manfred Schäfer, die Leitung der Werkstatt für Glasgestaltung übernahm, prägte sein Gestalterkollektiv viele Jahre das Design der Lausitzer Glaswerke. Zum Kollektiv gehörten u.a. Horst Gramß, Georg Richter, Heinz Thiele, Bernd Schmidt und Gerhard Lindner. Mit der maschinellen Fertigung von Gläsern begann 1969 im Kombinat Lausitzer Glas eine neue Ära mit Glasserien wie »Merkur« oder »Vineta«. Letztere fertigt die Stölzle Lausitz GmbH noch heute, wie die Ausstellung zeigt.

Sonderausstellung:
Eröffnung der Ausstellung »Über den Augenblick hinaus - Glasgestaltung von Wagenfeld bis heute« ist am 22. März, 18 Uhr.
Die Ausstellung wird bis zum 18. August gezeigt. Weitere Infos: www.glasmuseum-weisswasser.de


Quelle: Wochenkurier, Ausgabe Weißwasser, vom 16.03.2019


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E-Mail:
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Aktualisierung:
18.03.2019


 

Die Kuratoren der Ausstellung, Horst Gramss und Chrisine Lehmann sowie Horst Fasold vom Förderverein Glasmuseum (v.l.n.r.) bei der Vorbereitung der Ausstellung und Bestückung der Vitrinen