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Ohne Wir-Gefühl geht Zukunftsvision nicht auf
Weißwasseraner werden bei Einwohnerversammlung über Ideen für die weitere Stadtentwicklung informiert
Horst Fasold und Elvira Rauch appellierten: Stadtentwicklung geht nicht ohne Glasmuseum

VON Gabi Nitsche
 


Einen informativen Rundumschlag zum Thema "Stadtentwicklung" haben die etwa 50 Weißwasseraner bei der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend erhalten. Auch die Möglichkeit, sich mit Fragen direkt an Oberbürgermeister und Co. aus dem Rathaus zu wenden, wurde angenommen.

"Ich hätte es besser gefunden, vorher die Bürger einzubeziehen", sagt Petra Greiner. Ihr geht es um die 43 Sparmaßnahmen, die von Verwaltung und Stadtrat aufgestellt und letztlich von den Räten dann doch nicht beschlossen wurden. Nun finden sich diese jedoch im Haushaltsentwurf wieder. "Dass das Sparkonzept abgelehnt wird, damit hatte niemand gerechnet", erklärt Rico Jung, der das Referat Finanzen im Rathaus leitet, der Weißwasseranerin. Man hätte die Bürger fragen sollen, ob sie lieber nachts auf Straßenbeleuchtung verzichten wollen oder höhere Kita-Beiträge bezahlen würden, so Petra Greiner.

Warum steigende Kosten?

Sie hatte sich etliche Fragen notiert, die sie unbedingt loswerden wollte. Auch die nach den steigenden Personalausgaben. Rico Jung erinnert an Personalreduzierungen und dass die Hirarchien in der Verwaltung vereinfacht wurden, dadurch Geld gespart wurde. Aber an Tariferhöhungen komme die Stadt auch nicht vorbei, nennt Jung einen Grund. Ehemann Frank Greiner stellt Thorsten Rennhak zur Rede, will wissen, was Wirtschaftsförderung bedeutet. Denn von Erfolgsmeldungen hinsichtlich Ansiedlungen und neuen Arbeitsplätzen sei nichts zu hören. "Manchmal sitze ich den ganzen Tag am Telefon, knüpfe Kontakte, vermittele zwischen Interessenten, bin Ansprechpartner für Gewerbetreibende", erklärt Rennhak. "Ist das mit den Chinesen denn im alten toom-Markt noch aktuell?" Eigentlich sollte 2016 dort doch die Produktion beginnen. Rennhak bejaht es, das Genehmigungsverfahren laufe noch. Ob denn derzeit etwas Konkretes auf seinem Tisch liege, will Greiner wissen. "Angebote für produzierendes Gewerbe? Nein. Anfragen für Photovoltaik immer. Aber dafür ist uns das Industriegebiet zu schade. Es geht uns um Arbeitsplätze." Auf dem Bärenhütten-Gelände tue sich auch nichts, so der Einwohner. "Die Stadt ist nicht der Eigentümer. Ich kann immer nur vermitteln zwischen Interessenten und dem Besitzer", erwidert Thorsten Rennhak.

Auch an den anderen Tischen in der alten Telux-Formwerkstatt lassen sich Weißwasseraner ihre Fragen beantworten. Die Zeit bis zur eigentlichen Einwohnerversammlung vergeht wie im Fluge.

2015 im Überblick

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ruft noch einmal das Jahr 2015 ins Gedächtnis anhand von Fotos. Es ist demnach viel passiert. Es begann mit dem neuen Anbau der Froboeß-Grundschule, der Skaterbahn im Oberlausitzer Sportpark, Messeauftritten, reicht über OB-Besuche in Firmen, Aufräumaktionen, Vereinsjubiläen, der Ankunft von Flüchtlingen und Informationsveranstaltungen zu Förderprogrammen über Polizei-Themen, Kulturelles wie Altstadtfrühling, Traumzauberweihnacht und so weiter bis hin zu gemeinsamen Aktionen der Bürgermeister im Lausitzer Revier bezüglich des vom Bund vorgesehenen Kohleausstiegs. "Bis heute haben wir von der Bundesregierung keine Antwort auf unseren Offenen Brief", kritisiert Pötzsch.

Eins sei ihm wichtig: Es hänge nicht nur alles am Geld. Es gehe auch darum, junge Leute zu fordern und sie in Aufgaben einzubinden. "Junge Leute sind unser großer Schatz, den wir bewahren müssen", forderte Pötzsch.

Zukunft – geht nur mit allen

Das "Kursbuch" in Richtung Zukunft liegt vor. Über 40 Stadtexperten, Schüler und Wissenschaftler haben daran getüftelt, Ideen und Visionen eingebracht für das Weißwasser von 2035: eine lebendige Kleinstadt. Doch die Ziellinie werde nur erreicht, wenn sich die Bürger als "Wir" verstehen, machte Wissenschaftler Gregor Schneider klar. Und das Wir-Gefühl beginne bei aktuellen Projekten.

Weißwasser mit dem Umland

Die Kulturregion nach vorn bringen, die Vielzahl von Angeboten in Weißwasser und im Umland zu vernetzen – das hat sich der Verein "Garage – Orte der Soziokultur" auf die Fahnen geschrieben. Laut Christian Klämbt darf Kultur nicht nur auf Dinge wie Musik, Tanz, Stadtfest bezogen werden. Es gehe genauso um Tourismus, darum, sich gemeinsam zu unterstützen. Im Sommer soll der erste Versuch starten: Ein Kinderferienpass mit konkreten und mit Datum versehenen Angeboten für verschiedene Einrichtungen in der Stadt und im Umland ist in Arbeit. "Lassen Sie sich überraschen, Sie werden begeistert sein", so Klämbt an die Besucher. Der Pass soll nicht mehr als 20 Euro kosten. Außerdem werde mit Schülern ein Kinder-Stadtführer entwickelt, nannte Klämbt ein weiteres Beispiel. Um Ideen wie diese umzusetzen, brauche es ebenso Partner in der Wirtschaft. Aufhorchen ließ Klämbt, als er ankündigte, der Verein wolle die Telux neu beleben. "Wir verlegen den Vereinsstandort hierher." "Und was wird aus der Idee mit dem Mehrgenerationshaus in der ehemaligen Turnhalle an der Heinrich-Hertz-Straße?", fragte Maria Ruttmar. Der Umbau wäre extrem teuer. Gemeinsam mit dem Sozialen Netzwerk Lausitz (SNL) bewerbe sich der Verein um Bundesmittel für ein Mehrgenerationsprojekt. "Dabei wollen wir uns nicht an ein Haus binden, sondern uns von Inhalten leiten lassen", erklärte Klämbt. Maria Ruttmar bat darum: "Auch wenn etwas nicht klappt, sollte es kommuniziert werden."

Wie regionales Miteinander klappt, zeige laut Manuela Thomas vom SNL das Projekt der Lausitzer Sozialpaten. Einzelpersonen, Vereine und Firmen profitieren und helfen einander mit ihren speziellen Fähigkeiten.

Horst Fasold und Elvira Rauch appellierten: Stadtentwicklung geht nicht ohne Glasmuseum. Petra Greiners Idee, das Museum nicht Sparzwängen zu opfern, sondern in der Zukunft um andere regionale Industriezweige zu erweitern, kam super an und sollte nicht daran scheitern, dass das jetzige Museumsgebäude dafür zu klein ist. Laut Moderator Holger Schmidt, Professor für Stadtentwicklung an der Uni Kaiserslautern, passe das bestens ins Zukunftskonzept Weißwassers für die nächsten zwanzig Jahre.

Zum Thema:
Christian Hoffmann, Vorsitzender der Regionalgruppe des Naturschutzbundes in Weißwasser, und dessen Mitstreiter wollen das Gärtnern in die Stadt zurückholen. Wie das funktionieren könnte, stellte der Weißwasseraner am Donnerstagabend vor. Weißwasser habe eine Menge Brachflächen, auf denen Müll und Unrat abgeladen wird. Das sei nicht schön. Der bessere Weg sei grün. "Wir brauchen eine breite Plattform und viele Menschen, die mitmachen", zum Beispiel beim Projekt Patenbäume. Kornelia Jenßen fühlte sich sofort angesprochen. "Eine super Idee. Ich möchte unbedingt einen Baum für meine Enkeltochter pflanzen. Ich kann es kaum erwarten." Im Anschluss an die Versammlung meldete sie sich an. Wer noch Interesse am Mittun hat, kann sich an Christian Hoffmann, Telefon 03576 544369, wenden.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 16.04.2016


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Aktualisierung:
16.04.2016