Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Denkmalbewahrer Günter Segger verlässt nach 18 Jahren Weißwasser
Trotzkopf mit Macher-Qualitäten

VON Daniel Preikschat



Die Denkmal-Kommission Weißwasser verliert ihren Gründer, Lenker, Motivator. Aus beruflichen Gründen kam Günter Segger 1996 nach Weißwasser, aus persönlichen Gründen verlässt er die Stadt nun wieder. Zurück lässt er eine Reihe von Denkmälern, die es ohne ihn vermutlich nicht mehr geben würde, einen ausgezeichneten Ruf, eine große Lücke.

In der offenen Laube steht zusammengeklappt die Tischtennisplatte. Einen Tag zuvor noch nutzte die Denkmal-Kommission sie als Tisch. Wie so oft in den Sommermonaten der letzten Jahre, wo man sich immer bei Günter Segger zu Hause getroffen hat, um die nächsten Denkmalschutz-Projekte in den Blick zu nehmen. Segger zieht für das Gespräch zwei Gartenstühle ran. Er habe sich sehr gefreut über den kleinen transportablen Computer, den ihm seine Mitstreiter in der Kommission zum Abschied geschenkt haben. Weil er ja nun geht, musste für ihn auch ein Nachfolger gewählt. Karl-Heinz Melcher, bekannt als Referatsleiter im Rathaus.

Melcher und die anderen werden es nicht leicht haben ohne Segger. Seit 2002 war er der Mann, der die Dinge angefangen und auf unaufdringliche Art zu Ende gebracht hat. Bei ihm wurde nicht nur darüber geredet, dass man Glasmacherbrunnen, Schillerbank oder Glasmacherlehrling ja mal wieder herrichten könnte. Nein, die Denkmäler wurden auch wieder hergerichtet. Manchmal gegen den Widerstand der unteren Denkmalschutzbehörde, manchmal gegen den Widerstand des Landesamtes für Denkmalschutz, manchmal auch gegen den Widerstand einiger Weißwasseraner, erzählt Segger. Er sei eben ein "Trotzkopf", das helfe manchmal.

Wahrscheinlich hat auch Weißwassers ehemalige Oberbürgermeisterin Helma Orosz Seggers Macher-Qualitäten erkannt. Damals, als er noch Stadtrat war und ihr gegenüber das Thema Denkmal-Kommission ansprach, soll sie gesagt haben: "Na dann legen sie mal los." Der 74-Jährige erzählt die Episode gern. Vielleicht, weil offensichtlich ist, dass er nach diesem Gespräch tatsächlich losgelegt hat mit seinen Mitstreitern. "Wenn ich etwas mache, dann mache ich das auch richtig."

Studienplatz und Frau gefunden

Jede weitere Episode, die Segger aus seinem Leben erzählt, bestätigt diese Selbsteinschätzung in ihrer doppelten Bedeutung. Eine Rolle dabei spielt der Vater des gebürtigen Emsländers, der ihn offenbar nachhaltig beeindruckt hat. "Ein Linker", der seine sechs Kinder "entsprechend großgezogen" habe. Der an Technik interessierte junge Segger hatte daher später kein Problem damit, dass es ihn in den Osten Deutschlands verschlug. Beim Bruder, der in Weimar studierte, kam er erst mal unter und machte eine Ausbildung bei einem Energieversorger. Armee-Dienst sei für ihn damals nicht infrage gekommen. Das hatte ihm der Vater "eingetrichtert". Dessen Wunsch, dass der Sohn studiert und Ingenieur wird, war für Segger absolut verpflichtend. Nach einer Zwischenstation bei der VEB Warnowwerft Warnemünde fand er den begehrten Studienplatz für Energieanlagenbau dann in Zittau.

Gefunden hat er dort auch seine Frau. Er hatte damals fast das halbe Studium hinter sich, erzählt er. Das "Bergfest" stand bevor, bei dem jeder Student eine Begleiterin haben musste. Der stille Norddeutsche gab sich einen Ruck und sprach bei einem Tanzabend im Volkshaus eine junge Dame aus Rothenburg an.
Auch dieser jungen Dame wegen blieb Segger fortan der Region treu. Er arbeitete in Radebeul, Niesky und Guben, die längste Zeit im Kraftwerk in Boxberg, 25 Jahre lang, meist in leitender Funktion. 1996 zogen die Seggers dann nach Weißwasser, schufen sich in der Waldhausstraße auf 1500 Quadratmeter einen kunstvoll bepflanzen Garten, der schon viele Besucher beeindruckt hat.

Wehmut vor dem Wegzug

Gern hätte Segger in Weißwasser seinen Lebensabend verbracht. Nach dem Tod seiner Frau aber ginge das nicht mehr, sagt er. Die gemeinsam geschaffene Grünanlage, die er allein nicht pflegen kann, ist nur ein Grund. Der neue Garten, den er im Emsland mit seiner Lebensgefährtin haben wird, ist deutlich kleiner.
Segger weiß, dass er in Weißwasser vielen fehlen wird. Je näher der Umzugstag rückt, desto wehmütiger werde er. Am kommenden Montag ist es soweit.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 14.06.2014


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 18.06.2014


 

Trotzkopf mit Macher-Qualitäten.
Den alten Birkenstamm hat Günter Segger aus dem Tagebau in seinen Garten geschafft.
Foto: D. Preikschat