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2019 besuchen Touristen den Neufert-Bau
Der Förderverein aus Weißwasser hat jetzt das Sagen im Haus und plant verschiedene Bauarbeiten parallel. Wie immer hängt´s am Geld.

Von Thomas Staudt


Vor dem Neufert-Bau steht jetzt ein Container. In Großbuchstaben ist darauf das Wort „Leere“ zu lesen. Es wirkt wie ein Kommentar zu dem Objekt, das seit Jahren ungenutzt dem Verfall preisgegeben ist. Nun soll aus dem Gebäude, das nicht wenige Weißwasseraner für einen Schandfleck halten, ein Touristenmagnet werden. Grund zur Hoffnung, dass sich überhaupt jemand von auswärts für die Ruine interessiert, bietet der Schöpfer des schlichten Lagergebäudes. Ernst Neufert studierte am Bauhaus in Weimar und kam Mitte der 30er Jahre auf Einladung von Designer Wilhelm Wagenfeld als Werksarchitekt für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG) in die Stadt.

Heute gilt Neufert als Pionier des industriellen Bauens. Mit dem Hype um das Bauhaus und wegen des bevorstehenden Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ 2019 kommt dem vergleichsweise unscheinbaren Bau an der Bahnlinie, die Weißwasser zerschneidet, eine besondere Bedeutung für die Stadt zu.

Beim Förderverein, der sich seit Ende 2014 für den Erhalt des Gebäudes einsetzt, hat man das erkannt. Die knapp zehn Mitglieder, darunter Architektin Anne Petrick, der ehemalige Kulturreferent im Rathaus, Karl-Heinz Melcher, und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, bemühen sich seit längerem um den Erwerb des Baus. Nun ist ihnen ein Teilerfolg gelungen. Der Verein konnte vor kurzem einen Erbbaurechtsvertrag mit dem Eigentümer, einem Privatier aus Potsdam, schließen. Damit hat der Verein für 99 Jahre das Recht, das ehemalige Lager nicht nur zu nutzen, sondern auch bauliche Veränderungen vorzunehmen. Als nächstes sollen nun die Tragfähigkeit des Stahlgerüsts und der Decken geprüft werden.

Sobald diese Fragen geklärt sind, wird es um Nutzungskonzepte gehen. Eine besondere Herausforderung, vor allem, weil die Decken niedrig sind. Ob und welche Veränderungen möglich sind, soll gemeinsam mit der Denkmalbehörde erörtert werden. Ein Termin sei anberaumt, so Anne Petrick. Schon jetzt ist klar, dass ungenutzte und ruinöse Anbauten – sie stehen nicht unter Denkmalschutz – abgerissen werden. Das gilt nicht für die Verladehalle an der Schmiedestraße. Sie gehört zum Originalbestand von 1936, steht zudem in den Denkmallisten und wird überdies aktuell genutzt.

Kommentar: Tourismus als Chance

„Wir setzen alles daran, um verschiedene Veränderungen parallel möglich zu machen“, sagt Anne Petrick. Keine einfache Aufgabe angesichts des Umstands, dass das Dach undicht ist und der Verein nur in sehr überschaubarem Umfang über Eigenmittel verfügt. Unterstützung kommt von der Stadt und der Sächsischen Aufbaubank (SAB). Abstimmungen mit der Bank sind bereits gelaufen. Die erforderlichen Eigenmittel im Rahmen des Förderprogramms Efre sind im Haushalt der Stadt fest verankert. Mittlerweile sehe es für Weißwasser finanziell nicht mehr ganz so düster aus wie noch am Jahresanfang, meint Pötzsch. „Wir sind sicher, dass wir die nächsten Schritte einleiten können.“

Im Klartext: Planung 2017 und erste bauliche Veränderungen 2018. Geht der Plan auf, steht einer öffentlichen Präsentation des Neufert-Baus im Bauhaus-Jubiläumsjahr nichts mehr Weg. Bis dahin soll es mindestens einen touristischen Informationspunkt im Gebäude geben, der Besuchern alles über den Architekten, die Moderne, aber auch über den Unesco-Geopark Muskauer Faltenbogen nahebringt. Trotz der Fortschritte ist man beim Förderverein nicht uneingeschränkt zufrieden. Torsten Pötzsch findet, man hätte früher und damit insgesamt mehr erreichen können, hätten die Denkmalbehörden mehr Druck ausgeübt.

Bleibt die Frage, was Weißwasser über die Kosten hinaus von der Denkmalsrettung hat? Die einfache Antwort lautet: Gäste. „Wir wollen den Neufert-Bau in die kulturhistorische Vermarktung einbinden“, erklärt Torsten Pötzsch. Weißwasser ist bereits ein Punkt auf der „Architektour“ durch Orte der klassischen Moderne im deutsch-tschechischen Grenzraum. Ausgangspunkt des Projektes „Topographie der Bauten der Moderne“ (Topomomo) ist das von Hans Scharoun 1930 errichtete Haus Schminke in Löbau. Auch die Philharmonie in Berlin ist von ihm. Gemeinsam mit einem rundumerneuerten Glasmuseum und einem Fokus auf dem Designer Wilhelm Wagenfeld ließe sich Weißwasser als wichtige Station für Kulturtouristen in der Lausitz verorten, so der Plan. Das ist Zukunftsmusik. Aber eine klangvolle.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 16.09.2016


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Aktualisierung:
16.09.2016


 

Information statt Leere: Der Neufert-Bau soll künftig über Orte der klassischen Moderne Auskunft geben.
Foto: J. Rehle