Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Ein Cognacschwenker als Erinnerung
Enkelin von Joseph Schweig mit ihrer Familie aus Israel zu Besuch in Weißwasser

Von MARTINA ALBERT


Ingrid Kluger ist sich ganz sicher: Wenn ihr Vater den Besuch in Weißwasser noch erlebt hätte, wäre er sehr glücklich gewesen. „Die Wertschätzung, die mein Großvater hier erfährt, ist toll“, so die 80-Jährige. Mittwoch und Donnerstag war die Enkelin von Joseph Schweig (1850 - 1923), Glasfabrikant und Ehrenbürger der Stadt, mit einem Teil ihrer Familie auf Einladung des Vereins „Zukunft gestalten ohne zu vergessen“ auf Spurensuche.
„Ich freue mich so, dass es Menschen wie Sie gibt“, richtet Ingrid Kluger beim Empfang in den Vereinsräumen ein Riesenlob an die Mitglieder des Zukunfts-Vereins. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Leute mit der Vergangenheit beschäftigen – zumal dann, wenn sie teilweise so unangenehm ist.“

Auch Ingrid Kluger selbst musste mit ihren Eltern als Kind aus Nazideutschland fliehen. Das erste Mal gingen sie 1933 von Berlin für anderthalb Jahre nach Paris, kamen dann zurück nach Deutschland und flohen 1937 erneut – diesmal nach England. Doch auch dort war die Aufnahme für die jüdische Familie – vor allem nach Kriegsausbruch – nicht sehr herzlich, Bruder und Vater Bruno wurden sogar für einige Monate in ein Lager eingesperrt, so die 80-Jährige. Erst der Brief einiger Fabrikanten, für die ihr Vater als Spiegelfachmann gearbeitet hatte, führte zur Freilassung. 1949 wanderte die Familie nach Israel aus.

Aus Haifa ist die Israelin nun mit Sohn, Tochter, Enkel und Cousin zum ersten Mal in ihrem Leben nach Weißwasser gekommen. Der Ort, an dem ihr Großvater so viel bewirkt und vor allem der Glasindustrie zur Blüte verholfen hat. Nicht umsonst galt der jüdische Unternehmer zu seiner Zeit auch als Begründer der Stadt Weißwasser.

Nachdem der Zukunfts-Verein der Familie die 2008 von den Landau-Gymnasiasten Elisa Schuster und Tanja Keitel gedrehte Dokumentation über das Leben und Wirken Schweigs in Weißwasser geschickt hatte, reifte der Entschluss der Familie, die Stadt zu besuchen. „Sie wissen hier mehr über die Familiengeschichte, als wir selbst“, macht die 80-Jährige vor allem Heimathistoriker Werner Schubert ein großes Kompliment.

Sie habe aus Erzählungen ihres Vaters nur in Erinnerung, dass er sehr stolz auf ihren Großvater gewesen war. „Und ich habe nicht viel nach der Vergangenheit gefragt“, sagt sie. Anders Dina Kellerman, Urenkelin Schweigs und Tochter von Ingrid Kluger. Sie hat gefragt – und Antworten bekommen. „Er hat von seiner Kindheit in Weißwasser erzählt, von den Plätzen, wo er gespielt hat“, erzählt sie. Und an noch etwas konnte er sich erinnern: Dass abends oft Leute zu seinem Vater kamen, um sich zu beraten.

Seit der Wende hatte Dina Kellerman deshalb den Wunsch, zusammen mit ihrer Mutter nach Weißwasser zu kommen. Das dies nun geklappt hat, freut sie sehr: „Hier liegen unsere Wurzeln.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom 16.10. 2009


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
16.10.2009


 

Sichtlich erfreut hat sich Ingrid Kluger über den Cognacschwenker aus einer der Fabriken ihres Großvaters Joseph Schweig (im Hintergrund im Bild) in Weißwasser. Das Glas kann sie als Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Am Donnerstag besuchten die Gäste aus Israel auch das Ehrengrab Joseph Schweigs auf dem Friedhof in Weißwasser – begleitet von Heimathistoriker Werner Schubert (r.) und Günter Segger von der Denkmalskommission (2.v.r.). Auf einer Stadtrundfahrt besichtigten die Gäste viele Orte in Weißwasser, die noch heute an den jüdischen Unternehmer erinnern – darunter auch die Schweig-Villa.
Fotos: M. Arlt