Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Mehr Fläche fürs Glasmuseum
Die exklusive Weißwasseraner Sammlung soll in die Glasfabrik Telux einziehen. Nur wann, ist die Frage.

Von Thomas Staudt


Das Glasmuseum platzt aus allen Nähten. Rund 60 000 Stücke umfasst die Sammlung, aber nicht mal ein Drittel davon kann im gegenwärtigen Domizil in der Fabrikantenvilla in der Forster Straße gezeigt werden. Das ist nicht nur für die Besucher unbefriedigend, sondern auch für die Macher des Museums, die Mitglieder des Fördervereins und Leiterin Elvira Rauch. Nun ist eine Lösung in Sicht. Das Museum soll in die ehemalige Glasfabrik Telux in der Straße der Einheit einziehen.

Einer der prominentesten Unterstützer des Projekts ist Oberbürgermeister Torsten Pötzsch. Er findet die Idee schon allein deshalb sehr gut, weil die Fabrikräume nicht nur ausreichend Platz für die Sammlung bieten, sondern auch weil zusätzlich zu den Stücken aus Weißwasseraner Produktion Maschinen und Werkzeuge anschaulich präsentiert werden könnten. Das Museum würde damit spielend den Sprung von der „Glasausstellung“ zum Industriemuseum schaffen. Eine Aufwertung, mit der dem Museum auf einen Schlag eine völlig andere Bedeutung im gesamten Landkreis Görlitz zukäme und vermutlich auch darüber hinaus.

Vorgesehen ist, das Areal und die Räumlichkeiten in der Telux zu nutzen, die unmittelbar vor der ehemaligen Formwerkstatt liegen. Neben Vitrinen mit Gläsern könnte mit einer Schauanlage demonstriert werden, wie Glas gemischt, erhitzt, verarbeitet und am Ende zu Alltags-, Design- oder Kunstgegenständen wird. „Das ist genau das, was die Besucher sehen wollen“, findet Museumsleiterin Elvira Rauch.

Ein behindertengerechter Zugang soll durch einen Fahrstuhl gewährleistet sein, den das Museum gemeinsam mit dem Verein Mobile Jugendarbeit – Orte der Soziokultur nutzen soll. Der Umzug vom ehemaligen Alternativen Jugendzentrum AJZ Garage in der Berliner Straße läuft gerade. Was zu sehen sein wird, wie die Schauräume angeordnet sind oder welche Rolle die Glasfabrik Telux spielt, die noch einiges an Originalausstattung birgt, bringt ein Konzept auf den Punkt. Nach der erfolgreichen Ausschreibung sind die Arbeiten dazu gerade angelaufen.

Bisher logiert das Museum in der sogenannten Gelsdorf-Villa, dem 1924/25 erbauten Haus des Glasfabrikanten Wilhelm Gelsdorf. Für die Einrichtung des Museums wurde die Villa eigens saniert und umgebaut. Die Konzeption übernahm der 1993 gegründete Förderverein. Etwas über ein Jahr später konnten die ersten Ausstellungsstücke zum Thema Lausitzer Glas des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert werden, bevor das Museum am 3. Juni 1996 offiziell eröffnet wurde.

Auch das neue Domizil ist eng mit der Geschichte der Glasherstellung verbunden. Die Tradition der heutigen Glasfabrik Telux reicht bis 1899 zurück. Die Glashütte des Unternehmers Joseph Schweig wird später, nach der Gründung der Firma Osram in Berlin, zu einem der Stammwerke des Glüh- und Bogenlichtlampenherstellers. 1948 wird daraus das VEB Spezialglaswerk Einheit. Nach der Wende privatisiert, ging die industrielle Produktion von technischen Spezialgläsern Schritt für Schritt zurück, bis 2013 der letzte Schmelzofen ausging. Bereits seit 1998 beherbergt die Telux in Teilen der Räumlichkeiten Büros des Arbeitsamtes, heute Jobcenter.

Bis zum – möglichen – Umzug des Glasmuseums gilt es, noch einige Hürden zu überwinden. „Wir müssen auf alle Fälle mit der Telux über den Mietpreis sprechen“, fällt Torsten Pötzsch dazu ein, „außerdem brauchen wir die Unterstützung des Kulturraums.“

In beiden Fällen geht es ums Geld. Denn ohne Förder- und Drittmittel wird das Projekt für die Stadt kaum zu stemmen sein. Davon, wie teuer das neue Museum Weißwasser kommt, wird auch die Zustimmung des Stadtrats abhängen. Kein leichtes Unterfangen. Weißwasser feilt derzeit an einem Sparkonzept. Wegen schwindender Rücklagen und knapper Kassen wurde bereits die Sanierung des Bahnhofs auf die Zeit nach 2020 verschoben. Doch bisher sind die Planungen noch ganz am Anfang. Was die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne kosten könnte, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch niemand sagen.

Aber mit jedem Tag wächst die Zahl der Unterstützer, zu denen längst auch die Mitglieder des Fördervereins Glasmuseum gehören. Geht es nach dem Vorsitzenden, Horst Fasold, sollte das neue Museum 2020 schon fertig sein. 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum hundertsten Mal.

Weißwasser könnte sich in die Feierlichkeiten mit dem „Bauhäusler“ Wilhelm Wagenfeld, der in den 30er und 40er Jahren als Glasdesigner in der Stadt wirkte, und dem neuen Museum problemlos einklinken. „Wir wollen das Projekt in den nächsten beiden Jahren auf alle Fälle vorbereiten“, so Torsten Pötzsch. Ob dann 2019 der Startschuss dafür fällt, ist offen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 17.1.2017


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
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Aktualisierung:
17.01.2017


 

Probt schon mal symbolisch den Umzug: Silvio Schenk, Mitarbeiter im Glasmuseum. Doch noch ist der Umzug des Glasmuseums in die Telux noch längst nicht beschlossen.
Foto: J. Rehle