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Bafa-Neubau Weißwasser:
Peter Altmaier: „Weißwassers beste Jahre kommen erst“
Die Bafa soll einen Neubau an der Gelsdorfhütte in Weißwasser für 12,5 Millionen Euro erhalten. Bundesminister Peter Altmaier und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) haben dafür am Donnerstag die Sieger eines studentischen Wettbewerbs gekürt.

 

Von CHRISTIAN KÖHLER


Ende Mai hat der Stadtrat in Weißwasser zugestimmt, dass Weißwasser Eigentümer des Geländes der Gelsdorfhütte wird. Schon da hat AfD-Stadtrat Roberto Kuhnert gewettert, die Stadt verprasse Geld für „Schandflecke der Stadt“. Am Donnerstag beim Besuch von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (beide CDU) stehen Mitglieder der AfD vor den Stadtwerken und wollen Flagge gegen die Bundespolitik zeigen.

Neubau in Weißwasser und Auszeichnung der Studenten

Dabei sind sowohl Kretschmer als auch Altmaier aus zwei Gründen in die ehrwürdige Glasmacherstadt gekommen: Sie wollen Entwürfe von Architekturstudenten für das Areal um die Gelsdorfhütte und die Alte Ziegelei prämieren. Und: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) soll ein neues Gebäude neben der Gelsdorfhütte für rund 12,5 Millionen Euro erhalten. In der Summe enthalten ist neben dem Neubau auch die die Beseitigung der Altlasten, die sich neben und unter dem alten Glaswerk befinden. „Ich hoffe, dass das Industriedenkmal erhalten und in das neue Gebäude integriert wird“, sagt Altmaier schon bei der Ankunft in Weißwasser. „Der Neubau des Bafa in Weißwasser schafft nicht nur beste Arbeitsbedingungen und hochwertige Arbeitsplätze, sondern wertet innerstädtische Flächen zusätzlich auf“, pflichtet Ministerpräsident Kretschmer dem Bundesminister bei.

Inzwischen arbeiten bei der Bundesbehörde in Weißwasser 176 Mitarbeiter, wie Bafa-Präsident Torsten Safarik berichtet. Die Zahl der Mitarbeiter soll auf über 300 anwachsen. Derzeit verteilen sich die Mitarbeiter auf drei Immobilien der Stadt: Der Sparkasse, dem Grundbuchamt sowie dem Bürogebäude an der Berliner Kreuzung. „Ich werde demnächst den Mietvertrag für die vierte Immobilie unterzeichnen“, so Safarik. Die Rede ist von der einstigen Kita Regenbogen an der Bertolt-Brecht-Straße. Der Verkauf der Kita-Kombination an die BoB Immobiliengesellschaft GmbH in Berlin für 300.000 Euro hat der Stadtrat ebenfalls zugestimmt.
„Es ist das Ziel, dass wir allein aus Effizienzgründen ein Gebäude wollen, in dem alle Mitarbeiter untergebracht sind“, erklärt der Bafa-Präsident. Er stellt klar: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Damit das neue Gebäude samt Nebenbauten sich optimal in die Stadt einfügt, ist bereits Ende 2020 ein studentischer Wettbewerb ausgelobt worden. Die Behörde und die Stadt Weißwasser haben dazu eine Kooperation mit der TU Dresden abgeschlossen. Die Architekturstudenten sind dazu nach Weißwasser gekommen und haben innerhalb einer Semesterarbeit nicht Entwürfe für das Gebäude selbst, sondern auch die städteplanerische Umgebung gefertigt, wie die Prof. Angela Mensing-de Jong und Prof. Michael Vaerst bestätigen.

Bafa-Campus und neues Stadtquartier in Weißwasser

„Es geht dabei um einen Bafa-Campus für die Behörde sowie für Wissenschaft als auch um die städtebauliche Einbettung eines zukunftsorientierten Gebietes in die Stadt, was Modellcharakter für andere Städte haben soll“, so die Professorin gegenüber der Rundschau. Insgesamt soll eine Nutzfläche von 10.000 Quadratmetern auf dem gut 38.000 Quadratmeter großen Gebiet geschaffen werden. „Ich bin stolz auf die studentischen Leistungen, denn das hätten auch Architekturbüros nicht besser gemacht“, sagt Miachel Vaerst anerkennend.
Carlotta Ickert und Paul Gucinski haben den Siegerentwurf aus städtebaulicher Sicht vorgelegt. „Wir waren damals bei Regen das erste Mal hier“, sagt die Studentin im 10. Semester, „und wir haben da schon das Engegagement der Leute vor Ort gespürt.“ Beide haben nun versucht, das Quartier innovativ zu planen, „um so wenig wie möglich Baumaterial zu verwenden“, wie Paul Gucinski erklärt. Ziel sei es, zum Teil mit bereits verwendetem Baumaterial zu arbeiten, um eine Kreislaufwirtschaft in Gang zu bringen, die nachhaltig ist. „Das könnte in einem Reallabor vor Ort untersucht werden“, so der Student.
Paula Noack wiederum hat den Siegerentwurf für das Bafa-Gebäude erarbeitet. „Ich habe mich mit der Glasgeschichte der Stadt beschäftigt und mich stark an dem Kubus-Geschirr von Wilhelm Wagenfeld orientiert, was sich im Entwurf widerspigelt. Ich hoffe, dass sich die Stadt damit identifizieren kann“, so Paula Noack.

Lob und die Frage der Erreichbarkeit von Weißwasser

Altmaier und Kretschmer sind unterdessen voll des Lobes für den Einsatz der Stadt und des Kreises beim Aufbau der Behörde. Kosten und Mühen sind auch beim Empfang am Donnerstag nicht gescheut worden. Ein großes Zelt ist für gut anderthalb Stunden aufgestellt worden, alles genau geplant worden. „Wir spüren, dass die Ankunft der Bafa eine Dynamik in die Stadt gebracht hat“, so Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Neben der Freude über die Ansiedlung appelliert er nochmals daran, die Kernbetroffenheit der Region vom Kohleausstieg nicht aus dem Auge zu verlieren. „Schaffen Sie keine Leuchttürme, sondern gehen Sie in die Breite und stärken Sie Vorhandenes.“

Dass etwa Straßenbauvorhaben wie die MiLau auf der Kippe stehen, die Verlängerung der B 178n längst bereits vom Tisch ist und gut 80 Prozent der beantragten Strukturmittel in der ersten Vergaberunde außerhalb jenes kernbetroffenen gebietes beantragt sind, davon spricht in Weißwasser am Donnerstag niemand. Vage deutet Ministerpräsident Kretschmer an, dass eine schnelle Zugverbindung von Weißwasser nach Berlin geschaffen werden soll. „Wir wollen das heute noch nicht verkünden, aber es sind Anker eingeschlagen und die Zuversicht in der Stadt sollten wir heute mitnehmen“, so Kretschmer. Gemeinsam mit Peter Altmaier bricht er anschließend auf, um eine 42 Millionen Euro Investition für das Wasserstoffzentrum in Görlitz zu verkünden.

Volkshaus Weißwasser ist Thema

Beim Besuch des Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier (CDU) in Weißwasser hat Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ein Exposé des Volkshauses überreicht. Das ehemalige Kulturhaus der Stadt hat nach einer Brandstiftung in diesem Jahr in Flammen gestanden. Auch Thomas Jurk (SPD) hat das Thema angesprochen. „Ich denke, da muss doch etwas möglich sein“, sagt er in Richtung Altmaier. Die Stadt selbst ist derzeit dabei, die Schadenssumme zu ermitteln und die Sicherung zu planen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 17.06.2021


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Aktualisierung: 21.06
.2021


Die Gelsdorfhütte in Weißwasser als älteste Glashütte der Stadt soll im Zuge des Bafa-Neubaus erhalten bleiben.
© Foto: Ch. Köhler
Carlotta Ickert und Paul Gucinski haben den Siegerentwurf im Bereich Städtebau entworfen.
Bafa-Leiterin in Weißwasser Ina Bartmann, Peter Altmaier und Michael Kretschmer im Gespräch.
Prof. Angela Mensing-de Jong von der TU Dresden erklärt den Siegerentwurf für die Gestaltung des Gesldorfhütten-Areals.
Prof. Michael Vaerst erklärt den Siegerentwurf im Hochbau. Das neue Bafa-Gebäude, entworfen von Paula Noack, orientiert sich an Glasentwürfen von Wilhelm Wagenfeld.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (beide CDU) stehen in Weißwasser vor der Gelsdorfhütte.
Die Gelsdorfhütte in Weißwasser vor den Bränden in diesem Jahr. Sie soll gesichert und wieder aufgebaut werden.
TU-Studentin Paula Noack erklärt ihren Entwurf, für den sie in Weißwasser ausgezeichnet wurde.
Im Hebrst 2020 sind die Studenten in Weißwasser. Bafa-Präsident Thorsten Safarik erklärt, was sich die Behörde in der Stadt vorstellt.
Bafa-Präsident Thorsten Safarik hält die Begrüßungsrede.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) berichtet vom Neubau seiner Behörde in Weißwasser.