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Europäischer Strafzoll hilft Tschernitzer Glas-Betrieb
Eigentümer räumt ein: Ohne Anti-Dumping-Beschluss hätte die Manufaktur bereits aufgegeben / Unternehmen stabilisiert sich nach Krise

Von René Wappler



Zwar hat die Glasmanufaktur in Tschernitz die Phase der Kurzarbeit überwunden. Doch die Lage bleibt angespannt. Dies hat Eigentümer Josef Weikinger am Mittwoch während eines Besuchs des CDU-Landesvorsitzenden Michael Schierack im Unternehmen eingeräumt.

Ohne die Anti-Dumping-Zölle der Europäischen Union (EU) hätte sich die Glasmanufaktur in Tschernitz wohl schon vom Markt verabschiedet – was zugleich mit dem Verlust von 280 Arbeitsplätzen für die Spremberger Region einhergegangen wäre. Für den Arbeitsmarkt, dies gibt der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze zu bedenken, wäre ein Ende der Glasmanufaktur ein verheerendes Signal. „Schließlich handelt es sich um einen der größten Arbeitgeber, die sich bei uns angesiedelt haben.“

Empfindlicher Schaden

Im Juni 2013 fasste die EU-Kommission den Beschluss, Zölle auf den Import chinesischer Solarmodule zu erheben. Nach Angaben der Kommission hatten „chinesische Unternehmen Solarpaneele in Europa weit unter ihren normalen Marktpreisen verkauft, unzulässige Subventionen erhalten und Solarpaneelhersteller aus der EU somit empfindlich geschädigt“. Der Eigentümer der Tschernitzer Glasmanufaktur, Josef Weikinger, erläutert dazu: „Die Chinesen haben Fabriken aufgestellt bis zum Abwinken.“ So seien innerhalb von nur zwei Jahren in China 45 Firmen entstanden, die ungefähr der Größe des Unternehmens in Tschernitz entsprechen.

Reaktion auf Umsatzeinbruch

Die Mitarbeiter der Glasmanufaktur spürten den wachsenden Druck direkt: Am 10. Oktober 2012 erklärte ihnen der damalige Geschäftsführer Volker Henzel während einer Betriebsversammlung, die Firma müsse auf die Umsatzeinbrüche reagieren und für mehrere Monate Kurzarbeit einführen. Billige Konkurrenz aus Asien, unregelmäßige Bestellungen der Kunden: Das waren zwei Gründe für diese einschneidende Entscheidung. Inhaber Josef Weikinger sagt heute dazu: „Wenn der Absatz nicht mehr da ist, kann eine Firma so gut sein wie sie will – es wird ihr nicht helfen.“

Dabei hatte die Glasmanufaktur im Jahr 2007 erfolgreich begonnen, wie Josef Weikinger erläutert. Das Geschäft mit gerolltem Glas für die Fotovoltaikindustrie startete vielversprechend, auch in den Jahren 2010 und 2011 setzte sich der Trend fort, „bis die Chinesen in den Markt einstiegen“. Nach der Phase der Kurzarbeit und dem Beschluss der EU-Kommission, Anti-Dumping-Zölle zu erheben, haben sich die Aussichten für das Unternehmen wieder verbessert. „Das bodenlose Fallen des Preises ist damit erst mal unterbrochen“, sagt der Eigentümer. Dabei hebt er ausdrücklich die Arbeit seines „beständigen und erfahrenen Teams“ hervor, die selbst in Krisenzeiten ein „guter Zusammenhalt“ ausgezeichnet habe. Auch von diesen Faktoren könne das Unternehmen profitieren.

Zudem bildet die Glasmanufaktur junge Leute aus, zum Beispiel im Beruf des Mechatronikers. Doch nach Angaben der Geschäftsführung leidet die Firma unter einem Problem, das auch andere Branchen beschäftigt: Es werde immer schwieriger, motivierten Nachwuchs zu finden. Diesen Eindruck bestätigt der CDU-Landesvorsitzende Michael Schierack, der sich am Mittwoch gemeinsam mit anderen Politikern seiner Partei in der Glasmanufaktur umschaute. „Wir hören überall, dass es an jungen Menschen fehlt.“ Ähnlich gehe es der Papierfabrik im Industriepark Schwarze Pumpe. Die Geschäftsführerin der Spremberger Firma „Terpe Bau“, Corina Reifenstein, berichtete bereits in der vergangenen Woche bei einem Besuch von Handwerkskammer-Mitarbeitern auf einer ihrer Baustellen: Immer wieder stelle sie fest, dass es jungen Menschen an den nötigen Grundkenntnissen fehlt, dass sie unpünktlich sind, unzuverlässig und bei kleinen Schwierigkeiten schon frustriert aufgeben.

Offenbar hat es sich nicht bewährt, ganze Schulklassen durch die regionalen Ausbildungsmessen zu lotsen. Dies gibt der Spremberger Stadtverordnete Raik Nowka zu bedenken, der am Mittwoch ebenfalls in der Tschernitzer Glasmanufaktur zu Gast war. „Auf diesen Messen beschäftigen sich die Schüler mit allen Dingen, aber nicht mit dem eigentlichen Thema“, sagt Raik Nowka. „Viel effektiver ist es wahrscheinlich, die Familien direkt anzusprechen.“

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Spremberg, vom 17.07.2014


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 23.07.2014


 

Die Glasmanufaktur in Tschernitz konnte auch wegen der Anti-Dumping-Zölle der EU-Kommission wieder auf das schmerzhafte Instrument der Kurzarbeit verzichten.
Foto: Glasmanufaktur