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„Unsere Tanten“ aus Trebendorf
Auf Philipsborn-Ausstellung folgen ein Brief und bislang ungezeigte Kunstwerke

VON THORALF SCHIRMER


Mit viel Recherche-Aufwand und Akribie hat Gerhard Schicht, einst Kreissekretär des Kulturbundes in Weißwasser, über Jahre Material über Leben und Werk der schlesischen Bildhauerin Dorothea von Philipsborn zusammengetragen. Mit viel Engagement hatte er auch in diesem Jahr die Ausstellung zum 115. Geburtstag der Künstlerin vorbereitet (die „RUNDSCHAU“ berichtete). Und auch wenn er gemeinsam mit dem Glasmuseum dafür noch einige bislang noch unbekannte Philipsborn-Werke aus privatem und vieles aus Museumsbesitz auftreiben konnte, gibt es immer noch unentdeckte Schätze, wie ein Brief beweist, den Schicht dieser Tage erhielt.
 
Zu den Besuchern der Jubiläums-Retrospektive für Dorothea von Philipsborn hatten auch Christa und Rainer Paulo aus Lengerich im Münsterland gehört. Sie hatten von Verwandten aus Trebendorf von der Ausstellung gehört und sie daraufhin, wie sie schreiben, mit besonderer Freude besucht.

Gerhard Schicht schickten sie nun Fotos von vier Kleinplastiken von Dorothea von Philipsborn („Geschwister“, „Badende“, -„Kleines Mädchen“ und „Wanderbursche“) , die sich im privaten Besitz der Paulos befinden und die zwischen 1948 und dem Ende der 1950-er Jahre entstanden sind. Das war die Zeit, welche die Bildhauerin, die es infolge von Krieg und Vertreibung aus Schlesien gemeinsam mit ihren Gefährtinnen in die Lausitz verschlagen hatte, in Trebendorf verbrachte.

„Diese Plastiken und einige Bilder von Frau Eva-Maria Volck werden mich immer an ,unsere Tanten' erinnern, wie wir Frau von Philipsborn und die anderen Damen, die in unserem Hause eine Bleibe gefunden hatten, nennen durften“, schreibt Rainer Paulo in dem Brief an Gerhard Schicht. „Während Frau von Philipsborn mit Ernst und Würde ihrer künstlerischen Arbeit nachging, hatte insbesondere Frau Volck (Tante Lili) immer Aufmerksamkeit und Zeit für uns Kinder, was wir in unserer immer turbulenten Land- und Gastwirtschaft meist entbehren mussten. Sie erzählte uns interessante Geschichten von früheren Reisen und besonders anschaulich Märchen und Sagen. Sie spielte und bastelte mit uns. Gern denke ich auch an die gemeinsamen Kirchgänge zusammen mit allen Tanten in die Schleifer Kirche zurück.

Obwohl ein Bild ihres schlesisches Gutes mit dem Zopten im Hintergrund einen bevorzugten Platz in ihrer bescheidenen Wohnung hatte, kann ich mich nicht erinnern, dass die Damen jemals mit besonderem Schmerz oder Wehen von ihrer verlassenen Heimat oder dem verlorenen Besitz erzählt hätten. Sie hatten ihr Schicksal angenommen und arrangierten sich mit ihm in einer Weise, wie es wohl die Dorfbevölkerung von Trebendorf den vier zarten Damen nicht zugetraut hatte. Der Ton untereinander war von gegenseitigem Respekt gekennzeichnet.

Wir Kinder haben den Umzug ,unserer Tanten' nach Weißwasser sehr bedauert und sie später in ihrem neuen Zuhause gern besucht. Auch nach dem Weggang unserer Familie aus Trebendorf „in den Westen“ im Jahr 1958 habe ich mit ihnen in brieflichen Kontakt gestanden und dadurch noch einige Jahre an ihrem Leben teilhaben dürfen.“

Was die Ausstellung betrifft, so bescheinigen die Paulos Gerhard Schicht, es sei ganz deutlich zu spüren gewesen, dass „Sie für die Organisation und Vorbereitung viel Liebe und Zeit aufgewendet haben. Wir danken Ihnen hierfür ganz besonders, zumal Sie damit für mich so manche schöne Erinnerung wieder aufgefrischt haben.“ 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser vom 17.09.2009


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 17.09.2009


 

„Kleines Mädchen“ – eine Gipsplastik von Dorothea von Philipsborn, entstanden um 1950.
Foto: Rainer Paulo