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Viele lobende Worte und ein seltener Weinrömer
Glasmuseum Weißwasser feiert mit Festveranstaltung sein 20-jähriges Bestehen

VON Ingolf Tschätsch
 


Weißwasser und die Geschichte seiner Glasindustrie stand Freitag und Sonnabend gleich zweimal hintereinander im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zuerst war es die Ehrenbürgerschaft der Großen Kreisstadt, die dem weltweit bedeutenden Industriedesigner Prof. Wilhelm Wagenfeld verliehen wurde. Seine Tochter Dr. Meike Noll-Wagenfeld hatte diese Würdigung entgegengenommen. Am Sonnabend dann war es das Glasmuseum, das sein 20-jähriges Bestehen feierte.

Die Schar der Ehrengäste ist groß: Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk (SPD), Joachim Mühle, Kultursekretär des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien, Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), Dr. Meike Noll-Wagenfeld, die Tochter des großen Industriegestalters, die am Tag zuvor die Ehrenbürgerschaft für ihren Vater entgegengenommen hatte, Landrat a. D. Erich Schulze, Dieter Lößner, ehemaliger Oberbürgermeister von Weißwasser, Eberhard Behr, früherer Bürgermeister. Dazu ehemalige Glasarbeiter und einstige Vertreter dieses Industriezweiges, deren Anfang bis auf das Jahr 1872 zurückgeht und die Stadt in der Welt bekannt gemacht hatte. Sie alle vereint an diesem Nachmittag in der Stadtbibliothek ein Jubiläum – 20 Jahre Glasmuseum.

Der große Wert dieser Einrichtung wird von allen Rednern gewürdigt. Thomas Jurk weist auf die kulturelle Identität hin, die Weißwasser mit der Glasindustrie und seinem Museum verbinde. Museumsleiterin Elvira Rauch erklärt: "2015 wurde die manuelle Glasfertigung durch die deutsche Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Dies zeigt schon die Bedeutung des Glasmuseums und die Richtigkeit seiner Existenz auch für die Stadt Weißwasser. " Die Einrichtung sei als Fachmuseum anerkannt und in die Route der Industriekultur Sachsens aufgenommen worden. Das Museum habe überregionale Bedeutung erlangt und es sei das einzige seiner Art in den neuen Bundesländern, so Elvira Rauch weiter.

In seiner Laudatio geht Hans-Dieter Marschner, der zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Glasmuseum gehört, auf die Anfänge ein. Von einem kleinen Häuflein von 26 Enthusiasten ist die Rede, die am 8. Juni 1993 jenen Verein gründeten. Als Vorsitzender wurde damals Wolfgang Hoyer gewählt. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang auch der Name Jochen Exner, der sich schon in den 80er-Jahren mit Richard Glowka vergeblich bemüht hatte, ein Glasmuseum zu schaffen. Nach der Wende gehörte Exner wiederum zu den Impulsgebern und Dränglern für solch eine Einrichtung, wie Marschner berichtet. Für den Durchbruch habe schließlich die Stadtverordnetenversammlung mit ihrem Beschluss am 25. November 1992 gesorgt, in der Gelsdorfvilla ein solches Museum aufzubauen. "Dem damaligen Bürgermeister Dieter Lößner war klar, dass er sich damit weit aus dem Fenster lehnt. Nur unter Einbeziehung fachkundiger Bürger war der Beschluss auch inhaltlich durchzusetzen. Daher lud Lößner im März 1993 über 40 Bürger namentlich zu einem Informationsgespräch ein", berichtet Hans-Dieter Marschner. Am 3. Juni 1996 im Rahmen der Festwoche 444 Jahre Weißwasser konnte der Förderverein der Stadt offiziell das funktionsfähige Glasmuseum mit seinem ersten Leiter Jochen Exner übergeben. Bis dahin hatten die Vereinsmitglieder schätzungsweise 40 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet.

Torsten Pötzsch nutzt die Gelegenheit, um Jochen Exner, Wolfgang Hoyer und Hans-Dieter Marschner mit der Ehrenamts-Urkunde auszuzeichnen. Als Überraschungsgeschenk übergibt er dem Förderverein mit seinem Vorsitzenden Horst Fasold einen seltenen Weinrömer von 1936, den Prof. Wagenfeld entworfen hat. Das besondere Exponat stellte der Stuttgarter Kunsthistoriker Christoph Wowarra den Weißwasseranern zur Verfügung. Zuvor hatte Wowarra einen viel beachteten Vortrag über das Schaffen von Wagenfeld gehalten. Torsten Pötzsch kann sich in der Feierstunde leider kritische Worte an "seine" Stadträte nicht verkneifen. Er beklagt, dass nur wenige von ihnen schon am Freitag bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft und auch bei der heutigen Veranstaltung der Einladung gefolgt seien.

Wie soll es mit dem Glasmuseum weitergehen, wie sieht seine Zukunft aus? Auch diese Frage steht im Raum. "Wollen wir hoffen, dass das Glasmuseum nicht nur weitere 20 Jahre existiert, sondern mindestens so lange, wie es die Stadt Weißwasser gibt", lautet die Antwort von Hans-Dieter Marschner. Horst Fasold spricht gegenüber der RUNDSCHAU von Konzepten, die es dazu noch zu erarbeiten gilt. Er favorisiert eine Synthese von Industrie und Kultur. "Wir sind für alle Angebote offen", fügt Elvira Rauch hinzu. Beide betonen, dass es beispielsweise noch erhebliches Potenzial gibt, was die Zahl der einheimischen Besucher betrifft. Mindestens 80 bis 90 Prozent kämen aus dem Ausland. "Zuletzt waren Schweden, Niederländer und Schweizer da", so Elvira Rauch. Selbst so mancher frühere Glasarbeiter habe bisher noch nicht den Weg ins Glasmuseum gefunden, stellen beide fest.
Viele lobende Worte und ein seltener Weinrömer

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 18.04.2016


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
18.04.2016


 

OB Torsten Pötzsch (r.) zeichnet Hans-Dieter Marschner, Jochen Exner und Wolfgang Hoyer (v. l.) mit der Ehrenamts-Urkunde aus.
Foto: I. Tschätsch
Fördervereinsvorsitzender Horst Fasold und Museumschefin Elvira Rauch mit dem Weinrömer von 1936 von Prof. Wagenfeld.
Foto: I. Tschätsch