Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Die Gubenerin Bärbel Salewski schuf eine Büste der Künstlerin Dorothea von Philipsborn

Von Thoralf Schirmer


Weißwasser Wer die Sonderausstellung zum 115. Geburtstag der schlesischen Bildhauerin Dorothea von Philipsborn im Glasmuseum Weißwasser besucht, begegnet ihr bereits im Foyer der Museumsvilla. Eine Büste aus Ton trägt ihr Antlitz, das Gesicht der schon älteren Künstlerin mit streng zusammengestecktem Haar, das Warmherzigkeit, Freundlichkeit und waches Interesse zeigt. Geschaffen hat es Bärbel Salewski aus Guben, eine ehemalige Schülerin von Dorothea von Philipsborn.
Als Bärbel Salewski (damals hieß sie noch Rothe) 1959 der Künstlerin zum ersten Mal begegnete, war sie 15 Jahre alt gewesen. Dorothea von Philipsborn, nach 1945 vom elterlichen Gut in Strehlitz vertrieben, hatte in Weißwasser neu Fuß gefasst und lebte, bescheiden und zurückgezogen, in einem Häuschen in der Rothenburger Straße. Wie ein „Märchenhaus“ hat es Bärbel Salewski noch in Erinnerung: „Es war weiß getüncht mit blauen und rosafarbenen Clematis berankt, und davor lauter Rosen.“

Das Haus Nummer 11 gibt es heute noch in der Rothenburger Straße, doch baulich erinnert es kaum noch an das Philipsborn-Häuschen von damals. Nur die prachtvollen Rosenbüsche, der Rosengarten am Westgiebel und der alte schmiedeeiserne Zaun haben die Zeit überdauert.

Mit all ihrem Mut war die junge Bärbel Rothe ins Atelier von Dorothea von Philipsborn gegangen. Die Künstlerin lud sie ein, sich selbst im Modellieren zu versuchen und befand den so entstandenen Kopf eines „Traummannes“ der 15-Jährigen für gut genug, um ihr fortan Unterricht zu geben – in Anatomie und Bildhauerei.

„Eine schöne Frau“

So wie sie sie aus jenen Tagen in Erinnerung hatte, hat Bärbel Salewski Dorothea von Philipsborn wieder vor sich gesehen, als sie nun die Büste für die Ausstellung formte, lediglich mit Hilfe zweier Fotos. „Für mich hatte sie immer ein mütterliches Aussehen“, sagt die 65-Jährige. „Damals habe ich gar nicht bemerkt, dass sie eigentlich eine schöne Frau war. Das ist mir erst jetzt bei der Arbeit bewusst geworden.“ Auch ihre Art zu unterrichten ist der ehemaligen Philipsborn-Schülerin als etwas Besonderes in Erinnerung geblieben: „Sie hatte eine ruhige Art, hat nicht gleich eingegriffen, sondern einen erst mal in Ruhe arbeiten lassen. Sie hat einem nie das Gefühl gegeben, man hätte etwas falsch gemacht."

Nicht ohne Zögern habe sie sich an die Tonplastik ihrer einstigen Lehrerin gewagt, gesteht Bärbel Salewski. Sie habe lange überlegt, nachdem Gerhard Schicht, der Initiator der Ausstellung in Weißwasser, sie darum gebeten hatte. Die Zeit solcher plastischer Arbeiten lag für sie schon weit zurück, obwohl sie doch in ihrer Jugend mit all dem Rüstzeug, das sie von Dorothea von Philipsborn erhalten hatte, selbst Bildhauerei hatte studieren wollen. In Weißwasser hatte sie darum auch zunächst den Beruf eines Steinmetzen erlernt.

Aber zum Studium sollte es nicht kommen, obwohl ihre Arbeiten, die sie der Hochschule bei der Bewerbung vorwies, durchaus beeindruckten, von manchen sogar als schon „fast zu fertig“ bezeichnet wurden. Erst später war Bärbel Salewski bewusst geworden, warum man sie immer noch hinhielt. Der Grund war ebenso banal wie typisch für das paranoide DDR-System: Wegen Verbindungen nach Westdeutschland wurde sie beargwöhnt, und um Druck auf ihren Verlobten auszuüben, machte man ihren Studienplatz von seinem Entgegenkommen dem System gegenüber abhängig.

Statt sich erpressen zu lassen oder sich gar von ihrem Verlobten loszusagen, begrub Bärbel Salewski ihren Traum. Sie wurde Horterzieherin und Kunsterzieherin, hatte später auch ein kleines Atelier und betreute eine künstlerische Arbeitsgemeinschaft.

„Die Arbeit an der Porträtbüste von Dorothea von Philipsborn ist für mich wieder ein Anfang. Ich habe wieder Lust bekommen, da weiter zu machen und Plastiken zu formen“, sagt Bärbel Salewski. „Ich bin Gerhard Schicht sehr dankbar, dass er mich für diese Ausstellung angesprochen und nicht locker gelassen hat.“

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 18.06.2009


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
19.06.2009


 

Warmherzige Gesichtszüge trotz formaler Strenge: Bärbel Salewski aus Guben hat für die Ausstellung in Weißwasser eine Porträtbüste von Dorothea von Philipsborn angefertigt
Foto: Th. Schirmer