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 Geburtstagsparty für eine Glühbirne

Von Barbara Munker


Im kalifornischen Livermore brennt seit 1901 die langlebigste Glühbirne der Welt. Ein Fall für das Guinness Buch – und für die Geschichtsbücher.

Sie brennt und brennt und brennt – und das fast ununterbrochen seit 110 Jahren. Grund genug, um die langlebigste Glühbirne der Welt an ihrem Geburtstag hochleben zu lassen. Für die „Centennial Bulb“, die Jahrhundertbirne, die in der Feuerwache Nr. 6 im kalifornischen Livermore hängt, richtet der Ort an diesem Sonnabend eine große Birthday-Party aus. Mit Kuchen, Paraden, Ansprachen und Blasmusik.

Welche Birne hat schon eine eigene Facebookseite und wird von einer Webcam bewacht, die rund um die Uhr den Beweis für ihre leuchtende Ausdauer liefert? „Und im Gästebuch stehen Besucher aus Deutschland, China, Japan, Russland, England, von überall her“, strahlt der pensionierte Feuerwehrchef Lynn Owens (67), der 30 Jahre lang im Licht der Touristenattraktion Dienst tat.

Mundgeblasenes Stück

Als „Sprecher“ der Jahrhundertbirne weiß Owens auf alle Fragen eine Antwort, nur auf eine nicht: „Warum brennt sie länger als alle anderen? Das ist das Rätsel, das niemand lösen kann“, sagt Owens. Zig Experten hätten sich damit beschäftigt, doch keiner habe den letzen Beweis erbracht. „Niemand schaltet sie an und aus, vielleicht hält sie deshalb so lange durch“, mutmaßt der Feuerwehrmann.

Sie hängt gut fünf Meter über dem Boden der Feuerwache, der kleine Knipsschalter am Sockel der nackten Glühbirne ist außer Reichweite. Sie wurde in den 1890er Jahren von der Shelby Electrics Company in Ohio hergestellt. Der Besitzer eines Energiekonzerns in Livermore schenkte das mundgeblasene Stück der örtlichen Feuerwehr, die damals noch mit Kerosinlampen hantierte. Um nachts nicht völlig im Dunkeln zu stehen, sollte die Glühbirne ständig ein wenig Licht spenden. „Sie war als Nachtlampe gedacht, die dem Raum einen kleinen, warmen Schimmer geben sollte“, erklärt Owens.

Mit einem Kohleglühfaden und nur mickrigen vier Watt Stärke strahlt sie unermüdlich ein sanftes, bernsteingelbes Licht aus.

Ob Tag oder Nacht, niemand stellte sie ab. Berühmt wurde sie erst 1972, als ein Zeitungsreporter ihrer Langlebigkeit nachging und das Guinness Buch sie zur ältesten brennenden Birne der Welt kürte.

Der wahre Test kam allerdings schließlich 1976 beim Umzug in eine neue Feuerwache. Auf jede Menge Schaumstoff gebettet, mit Polizeischutz und Sirenengeheul wurde sie im Eiltempo an den neuen Ort gebracht und dort höchst vorsichtig an der Decke aufgehängt. „Sie war höchstens sieben bis acht Minuten aus“, erzählt Owens. Ein leichter Schlag auf den alten Knipsschalter an der Fassung und schon brannte sie weiter, seither ohne Unterbrechung. Nicht einmal Stromausfälle könnten ihr etwas anhaben, denn sie ist an ein Notstromaggregat angeschlossen.

Die Glühbirne, die 1906 bereits das große Erdbeben von San Francisco und zahlreiche Energiekrisen unbeschadet überstand, läuft nicht Gefahr, durch eine Energiesparlampe ersetzt zu werden. „Niemand darf sie mehr anfassen“, versichert Owens. Das war die wichtigste Verhaltensregel, die Captain Peter Richert, der heutige Schichtleiter, lernte, als er vor zwei Jahren auf Station 6 versetzt wurde. „Keiner will der Typ sein, unter dessen Aufsicht die Birne ihren Geist aufgibt.“ Das könne Unglück bringen, ergänzt Schichtkollege John. „Und wenn sie einmal ausbrennt“, sagt Owens, „dann wird sie Livermore nie verlassen“.

Zeichen von Altersschwäche gibt es bislang keine, noch nicht einmal ein nervöses Zittern und Flackern vor dem 110. Geburtstag. „In dieser mobilen Gesellschaft, in der alles so schnell gehen muss, ist diese kleine Birne ein Symbol für Stabilität“, schwärmt Owens und wird ganz nostalgisch. „Sie macht heute genau dasselbe, was sie schon vor 110 Jahren getan hat“.

Vom jüngst bekannt gewordenen Abschied von der herkömmlichen Glühbirne in Europa aus Sorge um den zu hohen Stromverbrauch und die bedrohte Umwelt haben die Feuerwehrmänner aus Livermore unterdessen noch nichts gehört. Wer braucht auch schon Energiesparlampen, wenn er die „Centennial Bulb“ in seinem Haus baumeln hat? 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser  vom 18.06.2011ews290411.htm


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Aktualisierung: 19.06.2011


 

Die "Centennial Bulb" brennt schon seit 110 Jahren
Foto: dpa