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Von Seelöwen und Glasmachern
Junge Leute erforschen im Projekt "Zeitensprünge" fast vergessene Denkmäler im Stadtbild


Von ANDREAS KIRSCHKE


Ihr Schulweg streift oft Denkmäler und Kunstwerke. „Du läufst jeden Tag daran vorbei. Doch du achtest nicht darauf“, sagen Stefanie Voigt und Michelle Scherr aus der Klasse 8 I der Bruno-Bürgel-Mittelschule. Wie Mitschüler Sebastian Treise aus der 7 I wollten sie das ändern. Seit April 2011 erforschten sie im Rahmen des Projekts „Zeitensprünge“ die Weißwasseraner Kunstwerke im Stadtbild. Die Station Junger Naturforscher und Techniker organisierte dieses Schülerprojekt. Finanziert wurde es durch das Jugend-Förderprogramm „Zeitensprünge“ der Stiftung Demokratische Jugend in Sachsen. „Was wären wir für Weißwasseraner, wenn wir nichts über unsere Kunstwerke wüssten?“ meint Sebastian im Rückblick. Mit Stefanie und Michelle sichtete er Dokumente und Fotos. Sie befragten Zeitzeugen wie Heimatforscher Werner Schubert.

Erstaunliches fanden sie heraus: Der Glasmacherbrunnen am Bahnhof entstand aus gut formbarem Muschelkalk-Beton. Der Entwurf stammte mit hoher Wahrscheinlichkeit von Bildhauer Willy Felgenträger aus Cottbus. Am 16. Juni 1922 weihten die Weißwasseraner den Brunnen ein. „Zunächst war er ein ,Erinnerungsbrunnen für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs’, initiiert vom Militärverein Weißwasser“, sagt Günter Segger, Vorsitzender der Denkmalkommission Weißwasser und Projektpate der Schüler. „Im Volksmund hieß er später ,Glasmacherbrunnen’. Denn im Ersten Weltkrieg waren vermutlich auch viele Glasmacher gefallen.“ Bis April 1974 blieb der Brunnen an Ort und Stelle erhalten.

In jenem Jahr entstand der Busbahnhof. Der Glasmacherbrunnen wurde abgerissen. „Es gab sogar eine Expertise des Hoyerswerdaer Bildhauers und Malers Jürgen von Woyski. Nach seiner Einschätzung hatte der Brunnen künstlerisch keinen Wert“, so Günter Segger.

Im Juni 1999 bildete sich eine Arbeitsgruppe „Denkmäler“ beim Förderverein Glasmuseum Weißwasser. Sie setzte sich für den Wiederaufbau des Brunnens ein. Dieser begann 2001. Dank Initiative und Unterstützung des Fördervereins Glasmuseum gelang er. Figuren aus Bronze wurden in der Kunstgießerei Lauchhammer gegossen. Die gesamte Planung der Figuren und des Brunnens oblag Diplombildhauer Volker Beier aus Leukersdorf bei Chemnitz. Den Aufbau vor Ort organisierte Jochen Exner vom Förderverein Glasmuseum. 2002 war der Brunnen fertig. Am 9. Juni 2002 ging er in Betrieb.

Der Seelöwe im Kindergarten „Ulja“ entstand 1953. Die aus Strehlitz in Schlesien stammende Bildhauerin Dorothea Luise Mathilde Auguste von Philipsborn (1894-1971) schuf ihn aus Keramik. „Hergestellt wurde die Figur in den Steinzeugwerken Krauschwitz“, so Günter Segger. „Das war nicht einfach. Die Bildhauerin musste die Figur ausformen. Die Glasur ist eine sogenannte Salzglasur.“ Der Entwurf stammte von 1953. Aufgebaut und eingeweiht wurde die Figur 1954. Nach Jahrzehnten traten Risse auf. 2004 leitete die Denkmal-Kommission erste Sanierungen ein. Dank Spezialistin Silke Rohmer aus Leipzig, einer Restauratorin für Glas und Keramik, gelang die Sanierung. Am 18. Juni 2008 war Wiedereinweihung des Seelöwen. „Inzwischen zeigten sich erneut Haarrisse in der Figur. Wir sind dabei, sie zu beheben“, so Günter Segger.

Die Reliefsäule „Energie und Gesellschaft“ an der Schwimmhallen-Kreuzung entstand 1987 durch Bildhauer Siegfried Krepp. Auftraggeber war der Kreis Weißwasser. Das Relief wurde aus Aluminium und Stahl gegossen. Es zeigt Motive der Energiewirtschaft und Werktätige. „Mutig war: Mittendrin war das Zeichen der Friedensbewegung verewigt“, so Günter Segger. „Im Laufe der Jahre war die Steele schon stark verrostet. Wir haben sie 2004 in Zusammenarbeit mit der Vattenfall-Lehrwerkstatt Boxberg saniert. Es war damals das erste Denkmal in der Stadt, das wir als ehrenamtliche Denkmalschützer saniert haben.“

Weitere Kunstwerke sichteten die Schüler am Boulevard. Dazu gehören zum Beispiel Plastiken aus Holz wie „Solidarität“, „Die Natur schlägt zurück“, „Die Hoffende“ und „Das Hochzeitspaar“. „Hier haben wir Fotos gemacht“, schildert Sebastian Treise. Auch im übrigen Stadtbild gab es immer wieder Kunstwerke zu entdecken. „Es ist gut, dass sich Schüler so intensiv mit der Geschichte ihrer Stadt befassen. Detailfotos der Kunstwerke kann die Denkmalkommission vielleicht sogar verwenden“, freut sich Günter Segger über die Ergebnisse, „denn 2012 soll ein Buch über die Denkmäler in Weißwasser erscheinen“.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser,  vom  19.01.2012


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 19
.01.2012


 

Stefanie Voigt, Michelle Scherr und Sebastian Treise aus der Bruno-Bürgel-Mittelschule gehörten zu den Teilnehmern am Schülerprojekt „Weißwasseraner Kunstschätze“. Von April bis November organisierte es die Station Junger Naturforscher und Techniker. Mit dem Projekt brachte sich die Station als einer von 30 Teilnehmern sachsenweit ein ins Jugendprogramm „Zeitensprünge“. 
Foto: A. Kirschke