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Iren wollen in Drebkau investieren
Behälterglaswerk strategisch wichtig für Ardagh-Gruppe / Neue Schmelzwanne geplant

Von Beate Möschl


Spreewälder Gurken, Senf, Ketchup, Salatsoßen, süßer Brotaufstrich, Gewürze oder Babybrei – alle haben eines gemeinsam: Wollen sie ansprechend verkauft werden, müssen sie ins Glas. Im Behälterglaswerk Drebkau (Spree-Neiße) des Dubliner Konzerns Ardagh Glass gehen an der leistungsstärksten Verarbeitungslinie pro Minute je nach Größe bis zu 500 Gläser oder Flaschen für Lebensmittelhersteller in Deutschland und Europa vom Band. Das 1993 auf der grünen Wiese errichtete Werk mit 135 Beschäftigten hat Zukunft. «Die Werke Drebkau und Neuenhagen bei Berlin sind für uns die strategisch wichtigsten im Osten» , sagt Patric Edel, Unternehmenssprecher von Ardagh Glass Deutschland. Während in Drebkau hauptsächlich Konservengläser und Flaschen gefertigt werden, sind es in Neuenhagen Sekt- und Spirituosenflaschen. Beide Werke seien «sehr rentabel» . Das heißt, sie haben Zukunft in der Glasgruppe, die vor knapp einem Jahr die 13 europäischen Glaswerke des britischen Verpackungsmittelspezialisten Rexam erworben hat und damit zur Nummer drei in Europa aufgestiegen ist. «Wir haben die Werke mit der klaren strategischen Ausrichtung auf eine Kapazitätsstabilisierung erworben» , bekräftigt Edel. Deshalb werde sich in Drebkau und Neuenhagen auch nichts ändern.
Die Zukunft des Werkes in Südbrandenburg solle durch die Investition in eine neue Schmelzwanne gesichert werden, die energiesparender und umweltschonender arbeitet. Das werde angesichts drastisch steigender Energiepreise und der Klimaschutzauflagen immer wichtiger.
Die alte Schmelzwanne soll im kommenden Jahr durch ein hochmodernes Aggregat ersetzt werden – «möglichst ohne langwierigen Produktionsausfall» , wie der Drebkauer Werkleiter Matthias Wirth sagt. «Die Vorbereitungen haben begonnen.» Vermesser, Planer und Anlagenbauer hätten das Werk bereits in Augenschein genommen. «Wir planen im zweiten Quartal 2009 mit dem Baubeginn.» Dann soll die jetzige Wanne, die bereits 15 Jahre läuft, außer Betrieb gehen, so Wirth. Sie beschickt drei Verarbeitungslinien, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Etwa 1,4 Millionen Gläser und Flaschen sind die tägliche Ausbeute.
Knapp ein Viertel davon sind Leichtgewichte – die Spezialität der Drebkauer. Seit Ende der 90er-Jahre tüfteln sie an einer Glasdiät, die trotz des geringeren Materialeinsatzes Qualität und Bruchfestigkeit gewährleistet. Der Durchbruch gelang nach der Jahrtausendwende mit der Leichtglasflasche für Wilthener Weinbrand. Inzwischen haben die Drebkauer auch Gläser abgespeckt – im Schnitt um je 50 Gramm.

Ausbau der Leichtglaskompetenz
Die Kompetenz soll ausgebaut werden, kündigt Edel an, denn sie ist ein entscheidendes Pfund im Wettbewerb: «Jedes Gramm weniger bringt Vorteile für beide Seiten» , sagt er. Der Kunde spare Gebühren beim Grünen Punkt, was die Glas-Nachfrage steigern helfe. Der Hersteller wiederum könne den Rohstoff- und Energieeinsatz reduzieren, «was echte Kostenvorteile bringt» .
Werkleiter Wirth betont, dass für die Drebkauer dabei immer die Kundenzufriedenheit im Vordergrund steht. «Technologisch sind dem Prozess Grenzen gesetzt. Wir haben diese über die Jahre ausloten können und einen optimalen Stand erreicht. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Stabilisierung der Leichtglas-Produktion» , sagt er. Insgesamt belebe sich die Glasnachfrage wieder. Wirth rechnet damit, dass dieser Trend anhält: «Wir sind überzeugt, dass Glas wieder eine größere Rolle spielen wird, auch bei alkoholfreien Getränken.»
Die Nachfrage stützt die Position der Drebkauer. Die irische Ardagh-Gruppe investiert Unternehmenssprecher Edel zufolge in einem stabilisierten Marktumfeld, das bessere Aussichten verspricht als in den zurückliegenden sieben Jahren, die im Wettbewerb mit anderen Verpackungsmaterialien wie der leichten Kunststoff-Flasche von Kapazitätsabbau beim Glas bestimmt waren.
Die Drebkauer haben sich dabei behaupten können. Ihr damaliger Eigner, das nordrhein-westfälische Familienunternehmen Lüner Glas indes, wurde im Zuge der «Marktbereinigung» wie andere deutsche Mittelständler von den Großen aufgesaugt. 2003 verkaufte es seine beiden Werke in Lünen (Nordrhein-Westfalen) und Drebkau an die britische Rexam-Gruppe, die hauptsächlich Getränkedosen produziert. Vier Jahre hielten die Briten die Stellung. Dann verkauften sie ihr gesamtes europäisches Verpackungsglas-Geschäft mit 13 Standorten und rund 3300 Beschäftigten an Ardagh Glass mit Sitz in Dublin – ein reiner Verpackungsglas-Spezialist.

450-Millionen-Euro-Programm
Im Zuge der angekündigten Umstrukturierung will Ardagh Glass in Deutschland, Großbritannien und Polen einzelne Anlagen schließen. Die Kapazität solle jedoch durch Wiedereröffnung vorher geschlossener Standorte in Deutschland und Großbritannien sowie den Bau einer neuen Schmelzwanne in den Niederlanden ausgeglichen werden, erläutert Edel. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren rund 450 Millionen Euro investiert werden. «Die Rekonstruktion der Schmelzwanne in Drebkau ist fester Bestandteil des Programms» , freut sich Wirth.

Hintergrund 
Glasbranche im Wettbewerb


In Europa gilt der irische Konzern Ardagh Glass Plc mit 22 Werken, rund 7000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro als Nummer drei der Glashersteller. Nach eigenen Angaben kommt Ardagh auf einen Marktanteil von 18 Prozent. Als Marktführer gilt der US-Konzerns Owens Illinois (O-I) mit weltweit rund 30 000 Mitarbeitern in mehr als 100 Produktionsstätten und einem Jahresumsatz von etwa sieben Milliarden Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro). Zweitgrößter Wettbewerber ist die Saint-Gobain-Gruppe, die hauptsächlich Flachglas produziert.
In der Region sind nach der Schließung des Fernsehglaswerkes Samsung Corning Tschernitz im vergangenen Jahr noch sechs Glasbetriebe aktiv. Sie sichern zusammen knapp 750 Arbeitsplätze und stellen Trinkgläser, Glasrohre und -perlen, Geschenkartikel, Konservengläser sowie Flaschen her.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 19.02.2008


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 19.01.2008


 

In Hülle und Fülle:
Konservengläser auf dem Kühlband im Werk Drebkau des irischen Konzerns Ardagh Glass. Mitarbeiterin Christina Noack hat ein wachsames Auge auf die gläserne Pracht.
Foto: Michael Helbig