Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Laudatio  anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung zu Ehren des 80. Geburtstages des Glasdesigners Horst Gramß

von Hans Schaefer


Lieber Freund, Fachkollege und Kampfgefährte!

Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren!

Seit Bestehen des Glasmuseums Weißwasser gehören Personalausstellungen zum Grund- bestand des Ausstellungsprogramms. Im Industriezweig Glas spielte seit alters her das Glasdesign eine wichtige Rolle und die Freude ist dann besonders groß, wenn es sich dabei um eine noch lebende Künstlerpersönlichkeit handelt. Schön, dass dies auch für Horst Gramß und seine Ausstellung zutrifft. Umso größer unsere Überraschung, schlagen wir das als Standard-Werk gedachte Buch auf von

Günter Höhne
Das große Lexikon DDR-Design
KOMET-Verlag GmbH Köln, 2007, S. 126

Wir lesen: „Gramß, Horst, geboren in Lauscha, Glasgestalter, verstorben….“

Nun ich glaube, hier hat wohl Großmutter recht, die mit verklärter Miene deklarierte, dass jeder, der zu Unrecht als verstorben vermeldet wurde, nunmehr gerade sehr alt würde, mindestens 100 Jahre! Also, lieber Horst, wir leben von nun an in Hoffnung!

Unser Jubilar stammt aus Lauscha, dem Zentrum der Thüringer Glaskunst. Im Anschluss an die Grundschule besuchte er die Fachgrundschule für angewandte Kunst Lauscha. Diese schloss er als Kunstglasbläser ab. Dieser Beruf ist etwas anderes als der bei uns in Weißwasser anzutreffende Glasmacher. Der Glasmacher arbeitet seine Erzeugnisse aus dem „Ersten Feuer“, d. h., im Anschluss an die Schmelze. Der Glasbläser arbeitet aus dem „Zweiten Feuer“, er verarbeitet Halbfabrikate wie Rohre und Stäbe durch Wiedererwärmen vor der Lampe, einer sehr heißen Flamme, ähnlich einem Schweißbrenner.

Für Horst Gramß schloss sich nun von 1954 bis 1957 ein Studium an der Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg an, das er als Gestalter abschloss. Noch im Abschlussjahr geht er als Gestalter nach Weißwasser, wo er bis 1990 in verschiedenen Glaswerken bzw. Institutionen tätig wird. Sein Exodus aus Lauscha und seine Ankunft in Weißwasser – das war ein Akt voller Mut, Ausdruck eines ausgeprägten Selbstbewusstseins! Ein Vollblut-Thüringer in der Lausitz – könnte ein Musical-Titel sein, analog ein „Ein Amerikaner in Paris“! Zu Beginn seiner Laufbahn in der rauen Wirklichkeit der volkseigenen Glasindustrie war Horst Gramß nicht auf Rosen gebettet. Altgediente Leute hielten so manchen Stuhl besetzt, hielten von dort aus kluge Reden und vergaben an Jüngere allenfalls „Külbelmacher-Arbeiten“. Insbesondere zählten dazu: Anfertigung von Formen, Zeichnungen, Formenschnitten für die Hütte, TKO-Arbeiten (Technische Kontrollorganisation), Schliffzeichnungen usw. Aus dieser Schule kam auch der Vorgänger von Horst Gramß, Arthur Lutzens. Er war 37 Jahre älter als unser Horst und ständig bestrebt, gegenüber den namhaften Designern mit erklärten Wohlverhalten zu imponieren und gegenüber Neulingen autoritär aufzutreten. Indessen gelingt es Horst Gramß nach und nach, eigene Arbeitsfelder in der Glasgestaltung zu erobern. Es spricht für seine künstlerische Redlichkeit, dass er nie daran dachte, ein zweiter Wagenfeld zu werden, sondern vielmehr ein erster Gramß, der mit sicherem Gespür für die neuen Realitäten auch neue Entwürfe auf den Tisch legte. Er bewies gleichermaßen Sinn für Notwendiges und Machbares. Teilweise musste ganz von unten begonnen werden, z. B.
TGL 37132 – Geschirr und Ziergegenstände aus Glas; Erzeugnisse, Begriffe; Gläser für Bier, Wein, Sekt, Likör. Unnötig zu betonen, dass die Betrachter gefesselt hin sahen, laut schnieften und sagten „Dies und Das möchte ich auch haben!“ Bitte, diese Aufzählung soll nur Appetit machen, alles weitere in der Ausstellung.

1992 trat Horst Gramß in den Vorruhestand, ein Jahr später in den Förderverein Glasmuseum Weißwasser e. V. ein. Seit 2009 leitet im Förderverein die Arbeitsgruppe Bewertung.

Der Förderverein dankt Dir, lieber Horst, an dieser Stelle für die geleistete Arbeit und wünscht Dir weiterhin beste Gesundheit und wir freuen uns auf neue gemeinsame Erfolge im fünften Fünftel deines Lebens. Lassen Sie mich schließen mit einer anekdotenhaften Begegnung mit Horst Gramß:

Wir eröffneten hier im Museum die Weihnachtsausstellung 2008 mit Lauschaer Christbaumschmuck. Ich schildere Begegnungen mit Thüringen, Thüringern und Lauscha, Begegnungen, bei welchen ich immer ein neugieriger und, wie ich mir schmeichle, ein guter völkischer Beobachter war. Horst Gramß klopfte mir nachher auf die Schulter und sagte:

„Mööönsch Hans, genauso, wie du es geschildert hast, so ist das wirklich in LAUSCHA!“


Weißwasser, Februar 2016
 


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Aktualisierung:
21.02.2016