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Die Kunst des Spiegels wird 25
Spiegel Art Noack in Weißwasser feiert Geburtstag. Die Geschäfte gehen gut. Einige sind streng geheim.

Von Thomas Staudt



Die Spiegel für das Grüne Gewölbe in Dresden sind ein Meisterstück. Wenn es noch eines Beweises für die Leistungsfähigkeit der kleinen Weißwasseraner Firma Spiegel Art Noack bedurft hätte, hätten sie ihn geliefert. Mittlerweile gibt es den Spezialglashersteller seit 25 Jahren. Am Sonnabend feiert der Betrieb sein 25-jähriges Bestehen. Schon heute geht es mit den Mitarbeitern nach Dresden. Ein Besuch des Grünen Gewölbes steht an. Für Geschäftsführer Steffen Noack ein Wiedersehen nach zehn Jahren. Vorzeigeprojekte und große Namen sind das Kapital, mit dem eine Firma bei potenziellen Kunden punkten kann.

Dennoch denken Steffen Noack und sein Sohn Christian lieber an die Zukunft. Langfristig. Vor zwei Jahren erwarben sie ein Grundstück in unmittelbarer Nähe, in Wurfweite, sozusagen. An der Berliner Straße steht das „gelbe Elend“, ein langgezogener Bau, auf dessen Fassade seit ein paar Woche ein Riesenplakat für die Firma und für die Lausitzer Füchse wirbt. Spiegel Art gehört zu den Sponsoren des Clubs. Der hintere Teil des Grundstücks grenzt an die Krumme Straße und ist unbebaut. Langfristig soll dort eine Erweiterung der Produktion Gestalt annehmen. „Wir haben dafür aber noch keine konkreten Pläne“, schraubt Noack die Erwartungen herunter. Zukunftsmusik, bei der Maß und Ziel den Takt angeben.

Erst vor einem Dreivierteljahr rüstete der kleine Betrieb seinen Maschinenpark mit zwei Kantenschleifmaschinen aus Italien zum Wert von mehreren Kleinwagen auf. Millimetergenauigkeit ist für den hoch spezialisierten Betrieb das A und O. Kantengeschliffene Spiegel für Hotels und Privatyachten erfordern höchste Präzision. Derzeit entstehen künstlich gealterte Spiegel für einen Schiffsneubau, der in allen Details auf alt getrimmt wird. Der Auftraggeber? Jemand, der sich das leisten kann, sagt Christian Noack. Alles andere unterliegt strengster Verschwiegenheit. „Wir werden häufig schon mit dem Eingang einer Anfrage zu strengstem Stillschweigen verpflichtet.“ Klappern gehört zum Handwerk. Aber manchmal ist Reden eben nur Silber, Schweigen dagegen Gold. Über ein anders Projekt spricht Christian Noack gern: Zu Jahresanfang fertigte der Betrieb Riesenspiegel für ein Luxusmodegeschäft in Paris. Heute probieren Kunden Mode vor den 200 Kilogramm schweren Stücken. Aber auch in die Schweiz und nach Hongkong hat der Betrieb in den letzten Monaten schon geliefert.

Andere Aufträge gehen an Hotels, Spiegel für Nachttische oder Trennwände für Duschkabinen. Kürzlich arbeitete Spiegel-Art für die „Bleiche“, ein Spa & Ressort in Burg im Spreewald. Die Geschäftskunden machen aber nur rund die Hälfte der Produktion aus. Die andere füllen Privatkunden, die Treppengeländer bestellen, Türverglasungen. Glastüren und natürlich individuell angefertigte Spiegel und oder Duschkabinen. Wie das Fünfsterne Hotel im Spreewald sitzen sie überwiegend in der weiteren und näheren Umgebung, vor allem zwischen Dresden und Cottbus.

Individualität ist das Stichwort, mit dem vor 25 Jahren alles begann. Als die Produkte des Weißwasseraner Spiegel- und Farbglaswerks – einen kleinen Teil der Gebäude nutzt Spiegel Art noch heute – nach der Wende immer weniger Absatz fanden, begann Steffen Noack sie auf Flohmärkten zwischen Dresden und Hoyerswerda zu verticken. „Die Kunden wollten individuelle Lösungen“, so Steffen Noack. Die Geburtsstunde seiner Geschäftsidee. Anfangs bewältigte er das Auftragsvolumen mit einem Mitarbeiter. Heute sind es zehn. Mit den Jahren hat sich der Betrieb entwickelt. Neue Maschinen kamen hinzu, neue Auftraggeber, neue Produkte. Ab 2009 absolvierte Sohn Christian seine Meisterausbildung. Sein Meisterstück, ein komfortabler Badausschnitt, wurde auf der größten Glasfachmesse der Welt, der Glasstec in Düsseldorf, präsentiert. 2015 firmierte Spiegel Art zu einer Kommanditgesellschaft um. Heute lautet die korrekte Firmenbezeichnung GmbH & Co. KG.

Die Firma ist mit den Jahren umtriebiger, vielschichtiger geworden. Nur morgen ruht die Produktion. Dann geht es nach Dresden. Im Grünen Gewölbe können sich die Mitarbeiter im Erfolg ihrer Arbeit spiegeln, bevor weiter zu einer Dampferfahrt und einer gemütlichen Kaffeerunde geht.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 19.05.2017


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Aktualisierung:
22.05.2017


 

Wer ist hier wer? Steffen (mitte) und Christian Noack in einem ihrer Spiegel. Die große Platte bildet das Ausgangsprodukt für die Spezialanfertigungen von Spiegel Art Noack.
© J. Rehle