Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

 Cristalica soll Döbern zum Glänzen bringen

Von Beate Möschl


Drei Dinge bringen das Glaswerk Döbern derzeit ins Gespräch: Die großzügige Umgestaltung der Außenanlagen, gekrönt vom neuen Namenszug Cristalica, Investitionen in eine neue Schmelzwanne, aber auch Kurzarbeit. Die steht nicht im Widerspruch zu den im Jahr 2009 nach der Übernahme verkündeten Plänen. Das erfuhr die RUNDSCHAU auf Nachfrage.

Der Cottbuser Unternehmer Lutz Stache stellt als geschäftsführender Gesellschafter für das Glaswerk Döbern die Weichen. „Nach der Übernahme sind durch die Geschäftsleitung die notwendigen Entscheidungen getroffen worden, um für das Glaswerk Döbern einen Markt zu finden, wo man sich nicht wie in der Vergangenheit nur ein, zwei oder fünf Jahre bewegt und dann die Fabrik schließen muss“, macht er deutlich und betont: „Berücksichtigt werden musste, dass in Europa und weit darüber hinaus der Großteil der Glasfabriken in dem Marktsegment vom gleichen Schicksal wie das Glaswerk Döbern betroffen waren, was heißt, dass sie mehrmals in Konkurs gegangen sind.“ Als prominentes Beispiel führt Stache den tschechischen Bleikristall-Spezialisten Bohemia an.

Um das Konzept für das Glaswerk Döbern so zu erstellen, dass es auch eine Zukunft hat, sei im vergangenen Jahr eine ganze Anzahl von Projekten ins Leben gerufen worden. Parallel dazu seien „natürlich auch Kundenwünsche, insbesondere im Rahmen der Veredlung von Glas, angenommen und umgesetzt“ worden. Das laufe auch trotz der eingeleiteten Umbaumaßnahmen weiter, so der Cottbuser Unternehmer, der als Vorstandsvorsitzender von AHG Industry auch international einen Namen hat.

Seit Februar/März dieses Jahres werde alle Kraft in das Marktsegment investiert, das sich als zukunftsträchtig herauskristallisiert hat, erläutert Stache weiter. „Der Name Cristalica soll den innovativen Charakter eines modernen Unternehmens widerspiegeln. Unter dem Unternehmensnamen werden sich verschiedene Marken vereinen“, kündigt er an. Eine dieser Marken sei „German Crystal“. Sie verkörpere Bleikristalltradition und hochwertige Produkte und „soll einen stärkeren Absatz im Ausland finden, als in Deutschland oder der Region selbst“.

Weitere Marken werden sich Stache zufolge zum einen auf die Gastronomie fokussieren, zum anderen auf die Personalisierung von Merchandise-Artikeln. Für die neuen Marken gelte: „Der Kunde ist König. Deswegen macht es Sinn, für unterschiedliche Bereiche verschiedene Marken aufzustellen. Dabei kann man die Interessen der verschiedenen Kundengruppen für Gastronomie, Merchandising, aber auch im Rohstoffhandel punktgenau berücksichtigen.“

Den Angaben zufolge arbeiten im Projekt Cristalica 87 Mitarbeiter an den Standorten Döbern, Cottbus, Berlin und Oradea in Rumänien. „Davon sind 18 in Kurzarbeit, weil die gesamte Produktion in Döbern umgebaut, das heißt modernisiert oder geändert, wird“, bestätigt Stache und betont: „Die Investitionen sind mitten in der Realisierung und werden bis Mitte 2012 abgeschlossen sein.“ In Döbern werden demnach eines der modernsten Warenwirtschaftssysteme eingeführt und Produktion und Veredlung automatisiert. Die Fertigstellung der neuen energieökonomischen Drei-Tonnen- Glaswanne gehe voran und deutlich sichtbar nach außen auch der Bau des Parkplatzes mit neuer Umzäunung, so Stache. Der Unternehmer lässt keinen Zweifel: „Döbern wird weiterhin ein Produktionsstandort mit einem hohen Grad an Personalisierung bleiben.“ Umsatz- und Gewinnziele nennt er nicht, bekräftigt aber das Ziel, mittels einer spezialisierten Produktion „am Markt zu gewinnen.“

Zum Thema:

Zum ThemaDas als Cristalica GmbH firmierende Glaswerk Döbern ist der letzte Bleikristallhersteller in Ostdeutschland. Seit der Wende gab es an dem Standort sechs Gesellschafterwechsel. Der Cottbuser Unternehmer Lutz Stache überzeugte Ende 2009 mit einem neuartigen Konzept. So konnte er mit Unterstützung einer Bürgerinitiative die geplante Versteigerung verhindern. Die neue Ausrichtung setzt auf Klasse statt Masse mit individuellen hochwertigen Produkten, die neben Deutschland in Westeuropa, Amerika und Asien sowie im Mittleren und Nahen Osten vertrieben werden. Darunter Vasen, Wein-, Sekt- und Whiskygläser und Fan-Artikel.



Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser  vom 19.07.2011ews290411.htm


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 21.07.2011


 

Der Bau der neuen Schmelzwanne für Bleikristall ist im Gange. Anfang 2012 soll die Bleikristall-Produktion wieder Stück für Stück in Betrieb gehen. 
Foto: Cristalica