Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Glaswerk Drebkau braucht neue Gasleitung fürs Überleben
Das Glaswerk in Drebkau muss künftig mit einer Schmelzwanne auf Erdgasbasis produzieren. Das Problem: Die nötige Leitung muss über zahlreiche Flurstücke verlegt werden.

Von Harriet Stürmer


Weil das Glaswerk in Drebkau (Spree-Neiße) noch mit umweltschädlichem Schweröl produziert, droht über kurz oder lang die Schließung. Um wettbewerbs- und zukunftsfähig zu bleiben, muss der Betrieb in absehbarer Zeit auf eine neue Glasschmelzwanne umstellen, die statt mit Schweröl mit deutlich klimafreundlicherem Erdgas betrieben wird. Allerdings braucht es dafür eine unterirdische Trasse. Deren Genehmigung liegt zwar vor, und auch das Planungsverfahren verläuft im Zeitplan – aber es gibt dennoch ein Problem. Denn es braucht auch das Einverständnis Dutzender Eigentümer, durch deren Flurstücke die 11,5 Kilometer lange Gashochdruckleitung verlaufen soll.
Die Betroffenen haben dieser Tage Post von der Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB) bekommen. In dem Schreiben bittet der Verteilnetzbetreiber um deren Unterschrift unter einen Grundstücksbenutzungsvertrag und das Okay für die Eintragung einer beschränkten persönlichen Dienstbarkeit im jeweiligen Grundbuch. 81 Eigentümer von insgesamt 170 Flurstücken sind betroffen.

Landrat appelliert an die Grundstücksbesitzer in Drebkau

Um der Bitte nach Einverständnis Nachdruck zu verleihen, hat sich inzwischen Landrat Harald Altekrüger (CDU) eingeschaltet. Er richtet einen dringenden Appell an die Flurstückbesitzer: „Geben Sie Ihre Zustimmung.“ Altekrüger verweist insbesondere auf den Erhalt von Arbeitsplätzen. „Vor dem Hintergrund des Strukturwandels ist der Erhalt jedes Industriearbeitsplatzes in unserem Landkreis wichtig.“ Mit ihrem Einverständnis würden die Eigentümer soziale Verantwortung und Solidarität mit den Arbeitnehmern des Werks beweisen, betont der Landrat. Auch Drebkaus Bürgermeister Paul Köhne (CDU) sicherte zu, die NBB bei der Einholung der Einverständniserklärungen zu unterstützen. Im Drebkauer Werk, einem von acht Standorten der Ardagh-Gruppe in Deutschland, arbeiten rund 150 Menschen.

Die Entschädigungsangebote sind branchenüblich

Bei der NBB zeigt man sich indes zuversichtlich, von allen Grundstückseigentümern die Zustimmung zur Leitungsverlegung und zum Leitungsbetrieb zu bekommen. „Es kommt öfter vor und ist übliches Prozedere, dass bei der Planung und Investition von Erdgasleitungen – insbesondere von dieser Länge – verschiedene Grundstückseigentümer ihre Zustimmung geben müssen“, sagt NBB-Sprecher Andreas Wendt. Im Drebkauer Fall handle es sich bei den betroffenen Flurstücken nicht um bebautes Gebiet, sondern vorrangig um Ackerflächen oder anderweitig landwirtschaftlich genutzte Grundstücke. Man führe derzeit viele zielführende Verhandlungen, berichtet der Sprecher weiter. Natürlich sei dies sehr mühsam, räumt er zugleich ein. Zur Frage, von wie vielen Eigentümern bereits Zustimmungserklärungen vorliegen, will sich Wendt derzeit nicht äußern. Und zur Frage nach den angebotenen Entschädigungshöhen sagt er nur, dass man sich dabei im branchenüblichen Rahmen bewege. Die Kosten des Netzanschlusses trägt übrigens der Kunde, also Ardagh. Bei den Kosten des örtlichen Verteilnetzes wird er mit einem Zuschuss beteiligt.

Basis für zukünftige Erneuerungsinvestitionen

Ardagh ist einer der weltweit führenden Hersteller von Glas- und Metallverpackungen. Im Drebkauer Werk werden Flaschen für Bier, Spirituosen und nicht-alkoholische Getränke produziert. Das Volumen liegt bei 1,1 Millionen Behältern am Tag.

Die derzeit verwendete Glasschmelzwanne ist die einzige in den deutschen Glaswerken der Ardagh-Gruppe, die noch mit Schweröl statt mit dem deutlich CO2-ärmeren Energieträger Erdgas betrieben wird. Auch weil Schweröl auf der ganzen Welt nicht einfach zu beschaffen ist, ist die geplante Gashochdruckleitung Basis für zukünftige Erneuerungsinvestitionen. Mit einer ergasbetriebenen Schmelzwanne würde gleichzeitig auch der Lkw-Verkehr auf der B169 deutlich zurückgehen, denn das Erdgas muss nicht wie aktuell das Schweröl mit etwa 400 Lkw im Jahr angeliefert werden.

Die von der Bundesregierung für den Ausstieg aus der Braun- und Steinkohle eingesetzte Kohlekommission erachtet die Glasindustrie in der Lausitz als einen ergänzenden und zukunftsfähigen Wirtschaftszweig im Rahmen des Strukturwandels.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 19.08.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
19.08.2020


Im Drebkauer Werk der Ardagh-Gruppe werden Flaschen für Bier, Spirituosen und nicht-alkoholische Getränke produziert.
© Foto: M. Helbig