Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Alles neu im Neufert-Bau!?
Das ehemalige Zentrallager der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser erhält ein neues Dach. Nicht nur die Notsicherung fordert heraus.

VON SABINE LABRIG
 


Noch kürzlich sah man Bauarbeiter, wie sie eimerweise Dreck, Schutt und selbst drei Meter hohe Birken vom Dach über ein Fallrohr am seit einer Woche stehenden Fassadengerüst entsorgten. Kein Wunder. Vom Dach existieren nur Rudimente. Das Gebälk ist neu. Doch die Aufräumarbeiten waren wichtig für die Notsicherung des Neufert- Baus in Weißwasser.

"Normentempel" besteht aus 490 gleichen Quadern

Architekt und Bauhaus-Schüler Ernst Neufert entwarf ihn mit größter Perfektion, bevor er ab 1936 als Zentrallager der Glaswerke genutzt wurde, zu DDR-Zeiten zum Obst- und Gemüselager wurde und nach der Wende dem Verfall preisgegeben war. Damit der Bauhaus-Zeuge, im Stil eines Stahlfachwerk-Gebäudes und aus exakt 490 gleichförmigen Quadern bestehend, der Nachwelt erhalten bleibt, kommt nun ein Dach drauf. Somit wird der „Normen-Tempel“, – so der Beiname, weil Neufert hier seine eigenen und noch heute gültigen Bauentwurfslehren umsetzte – gesichert. „Es wird ein Dachprovisorium aus Blech. Doch es hält 30 Jahre“, erläutert Architekt Roland Ladusch, der damit Erfahrungen durch die Alte Brauerei in Bad Muskau hat.

Wie wichtig ein Dach als erster Sanierungsschritt ist, zeigt sich beim Rundgang durchs Gebäude. Überall tropft es, stehen tiefe Wasserpfützen, wächst Moos auf Böden und an Pfeilern. „Es gab durch das Wasser schon einen Kurzschluss während der Räumungsarbeiten, die auch in den nächsten Wochen weitergehen“, weiß Ladusch. Dennoch ist er, wie alle Miststreiter, stolz auf das Erreichte. Spätestens Anfang November werden auch Einwohner und Besucher von Weißwasser merken, dass was am Neufert-Bau passiert. Dann rückt der Kran an, der zugeschnittene Blechteile aufs Dach legt, damit Dachdecker anschließend das neue Dach verschließen, Regenrinnen und Fallrohre anbringen können. „Spätesten im Herbst nächsten Jahres soll das Dach drauf sein. Wünschenswert wäre auch, das Treppenhaus und den Aufzugsschacht einzubeziehen. Doch das hängt vom Geld ab“, äußert Roland Ladusch.

Dacherneuerung birgt Gefahren

„Dach- und Fassadensicherung hören sich harmloser an, als sie sind“, hakt Professor Holger Schmidt ein. „Die Dacharbeiten sind gefährlich. Fehlende Verankerungen, Wände und abgerutschte Eckstützen drücken zudem die Außenwände nach vorn, sodass eine Hilfskonstruktion errichtet werden musste, weil das Anbringen von Ösen und Hülsen am Mauerwerk nicht sicher war zur Stabilisierung“, erläutert der Vorsitzende des 2014 gegründeten Neufert-Bau-Fördervereins, der sich für den Erhalt des denkmalgeschützte Industriedenkmals einsetzt und es perspektivisch beleben will.

Während Letzteres noch Zukunftsmusik ist, ist die angelaufene Sanierung des Bauhaus-Zeitzeugen, der schon jetzt Interessenten anlockt, sichtbar. Möglich wurde es, weil der Verein inzwischen Eigentümer ist und ein Erbbaurechtsvertrag ihm Nutzungsrecht auf 99 Jahre sichert. Damit wurden bauliche Umgestaltungen und die Beantragung von Fördermittel möglich. Allein für die aktuelle Notsicherung stehen 160.000 Euro bereit: von der Landesdenkmalpflege des Freistaates, der Wüstenrot-Stiftung und dem Verein, der emsig Spenden sammelt und um Mitglieder wirbt.

Alte Farbe ist wieder klar

Mittlerweile wisse man aufgrund von Baugutachten und Materialproben auch, verrät Holger Schmidt, wie das Stahlgerüst aussah. „Es war graugrün. In Verbindung mit den roten Fassadensteinen bot der Bau trotz Funktionalität und Schlichtheit einen edlen Anblick. Da es unser großes Ziel ist, das Gebäude wie einst herzurichten, waren die Analysen sehr wichtig.“ Und, so Schmidt weiter, es seien schon einige Fassadensteine erneuert worden. Man sehe es nicht, weil sie „vorsichtig entnommen, abgeklopft und wieder eingebaut“ worden seien. „Es war denkmalpflegerische Kleinarbeit.“ Die wird auch weiterhin nötig sein am Neufert-Bau, bedenkt man die vielen genormten Fenster, Räume, Treppen, Geschosse mit nur 2,20 Meter Höhe und die sich nach außen wölbende Fassade. Laut Holger Schmidt soll sich der Fassade im zweiten Bauabschnitt ab 2021 gewidmet werden. „Es wird die technisch schwierigste Geschichte“, meint Architekt Roland Ladusch. Zuvor müsse das Gebäude aber weiter entkernt, entmüllt, beräumt und alles sortieret werden, weil es sonst nicht zur Entsorgung angenommen werde.

„Auch wenn es geteilte Meinungen in Weißwasser zur Sanierung und geplanten Nutzung des Neufert-Baus gibt, können wir in Weißwasser stolz sein, vom berühmten Architekten ein Objekt im Bauhaus-Stil zu haben“, bekennt Roland Ladusch.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 19. Oktober 2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
19.10.2020


Ein Blick vom Gerüst auf das Dach des Neufert-Baus zeigt, dass es kein Dach mehr gibt, weshalb Regenwasser dauerhaft eindringen kann und selbst Bäume im Schutt wuchsen. Mittlerweile ist bereits das Gebälk erneuert, auf welches in wenigen Wochen ein hal
© Foto J. Rehle
 
 
 
 
 
I