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Zu gut für die Marktwirtschaft
Trotz hoher Haltbarkeit sind Superfest-Gläser aus Bad Muskau mit der DDR verschwunden. Der MDR drehte darüber am Donnerstag im Glasmuseum Weißwasser.

Von Alexander Buchmann


In einigen ostdeutschen Gasthöfen sind sie noch zu finden, die stapelbaren Superfest-Gläser aus DDR-Produktion. Und auch in so manchem Haushalt wird das eine oder andere Exemplar der scheinbar unkaputtbaren Gläser überlebt haben. Erfunden wurden diese in Bad Muskau. Der MDR widmet den Gläsern nun einen Beitrag in der Sendung „MDR um 4“ und hat dafür am Donnerstag im Weißwasseraner Glasmuseum gedreht. Mit dabei war auch einer der Erfinder des Verfestigungsverfahrens. „Die Lebensdauer unserer Gläser ist 15-mal so hoch wie bei normalen Gläsern“, erklärt Dieter Patzig. Im VEB Wissenschaftlich-Technischer Betrieb Wirtschaftsglas Bad Muskau (WTW Bad Muskau) hat er die sogenannten CV-Gläser miterfunden. Die Abkürzung „CV“ steht dabei für chemisch verfestigt. Die so behandelten Gläser sind unempfindlicher gegen Brüche. Das zeigen auch Videos auf der Internetplattform Youtube, wo die Stapelgläser auch Stürze auf Laminatboden unbeschadet überstehen. Neben dieser Haltbarkeit haben die DDR-Gläser laut Dieter Patzig noch einen zweiten Vorteil, die Hitzebeständigkeit. Genutzt haben diese Vorteile den Superfest-Gläsern am Ende nichts. Nach rund zehn Jahren ist die Bad Muskauer Erfindung 1991 vom Markt verschwunden.

Ein möglicher Grund dafür könnte gerade deren Langlebigkeit gewesen sein, vermutet Dieter Patzig. Dieser Aspekt interessiert auch das Filmteam, wie ein Mitglied während des Besuchs im Glasmuseum erzählt. Die Philosophie, dass die Gläser auf Haltbarkeit ausgelegt sind, habe sich nach der Wende umgekehrt, weil Glas, das nicht kaputt geht, nicht gebraucht werde. Schließlich wollen die Hersteller immer neue Gläser verkaufen.

Dabei gibt es noch heute Produkte aus verfestigtem Glas, wie Dietrich Mauerhoff, der die Superfest-Produktion im VEB Sachsenglas Schwepnitz aufgebaut hat, erklärt. In der Gastronomie, und hier speziell im Imbiss-Bereich, bestehen die weißen Teller und Tassen oftmals aus verfestigtem Glas. Dieses von Arcopal in Frankreich produzierte Glas werde nicht wie die ostdeutsche Variante mittels eines Ionenaustausch-Verfahrens fester gemacht, sondern durch thermische Verfestigung. Auch die Tritan-Weingläser von Schott Zwiesel seien fester als einfache Trinkgläser.

Das von Dieter Patzig mitentwickelte Verfahren zur Glasverfestigung wird indes seit dem Ende der Produktion in Schwepnitz nicht mehr verwendet. Umso erstaunter sind die beiden damals Beteiligten und die Mitarbeiter des Glasmuseums über das Interesse an der Erfindung, in die beide viel Arbeit gesteckt haben. „Der Ionenaustausch ist in Berlin entwickelt worden, aber von uns ist das Verfahren, um diesen wirtschaftlich durchführen zu können“, erzählt Dieter Patzig. Dabei werden kleinere gegen größere Ionen ausgetauscht. Diese benötigen nach dem Abkühlen des Glases mehr Platz und sorgen so für eine Spannung im Glas, die dieses unempfindlicher mache, wie Dieter Patzig erklärt.

Die Arbeit daran hat in Bad Muskau im Jahr 1975 begonnen. Nach Versuchen im Labor habe man zunächst kleintechnische und danach großtechnische Versuchsanlagen aufgebaut. 1977 ist von Dieter Patzig und drei weiteren Personen das Patent für das Verfahren angemeldet worden. Das so verfestigte Glas ist auf den Namen „Ceverit“ getauft worden. Das „Ce“ stand dabei für chemisch, das „ver“ für verfestigt und das „it“ sollte den silikalisch-mineralischen Charakter symbolisieren. 1979 ist die Produktionsanlage in Schwepnitz gebaut worden. Dafür habe er die Halle organisiert und an der Glashütte aufbauen lassen, erzählt Dietrich Mauerhoff. Die Produktion der Gläser konnte im April 1980 beginnen.

In den folgenden zehn Jahren seien dann schätzungsweise 110 Millionen Gläser in allen Größen vom Schnapsglas bis zum Bierglas mit einem halben Liter Fassungsvermögen produziert worden. Mit dem Produktionsbeginn ist der Name allerdings von Ceverit in superfest geändert worden. Den genauen Grund dafür können Dieter Patzig und Dietrich Mauerhoff nicht nennen. Eine Erklärung sei jedoch, dass das Wort „cerverit“ eine Konjugationsform des latinischen Wortes „cevere“ ist, das übersetzt „Beim Beischlaf mit dem Hintern wackeln“ heiße, erklärt Reiner Keller vom Förderverein Glasmuseum Weißwasser.

Am 1. Juli 1990 sind die beiden Maschinen zur Produktion der Stapelgläser in Schwepnitz stillgelegt und danach die bis dahin hergestellten Gläser verfestigt worden. Wann genau das letzte Superfest-Glas das Werk verlassen hat, lasse sich deshalb nicht sagen, so Dietrich Mauerhoff.

Der MDR-Beitrag soll am 24. Januar gesendet werden.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 20.1.2017


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
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Aktualisierung:
20.01.2017


 

Im Glasmuseum Weißwasser erklären Dieter Patzig (vorn) und Dietrich Mauerhoff dem Filmteam die Vorzüge der Superfest-Gläser.
Foto: J. Rehle