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Industriedenkmal :
Wird die Gelsdorfhütte in Weißwasser zur Müllhalde?
Der älteste Industriebau von Weißwasser verfällt zusehens. Und während der Stadt die Hände gebunden sind, wird hier immer mehr Müll illegal abgelagert.

VON CHRISTIAN KÖHLER


Seit Jahren schon ist die Gelsdorfhütte an der Forster Straße Gegenstand von Bemühungen der Stadtverwaltung. Ziel ist es, so formuliert es Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), den „Schandfleck in der Stadt zu beseitigen“. Immerhin befindet sich direkt daneben das neue Bebauungsgebiet Allbau/Ziegelei, das nach jüngsten Beratungen mit der Sächsischen Staatskanzlei zu einem innovativen Wohnquartier gestaltet werden könnte.
Gebiet an der Gelsdorfhütte soll Vorzeigewohnquartier werden

„Wir sind uns noch nicht recht klar darüber, welche Medien wir in das Gebiet legen“, erklärt der Oberbürgermeister während der jüngsten Bauausschusssitzung. Immerhin sei es Ziel der Stadtverwaltung, das Gebiet energieeffizient und möglichst energieautark zu entwickeln. Ein „Vorzeigewohnquartier“ soll es werden. Das ist ein Ergebnis jener Beratungen zwischen der für Strukturentwicklung zuständigen Abteilung des Freistaates, der Stadtverwaltung und den Weißwasseraner Stadtwerken.

Strukturwandel Neuer Weg fürs Baugebiet

Um allerdings Käufer für die Grundstücke rund um den sanierten Alten Ziegeleiteich zu finden, wünscht sich nicht nur die Stadtspitze, dass das Areal der Gelsdorfhütte einen schöneren Anblick als bisher bietet. Das allerdings werde sich so einfach nicht realisieren lassen, „weil die Eigentümer auf unsere Anschreiben nicht reagieren“, erläutert Torsten Pötzsch. Zig Briefe seien im Laufe der Jahre ungeöffnet wieder an das Rathaus zurückgegangen.
Müllberge an der Gelsdorfhütte immer wieder beräumt

Anlass zu der Debatte um Weißwassers älteste Glashütte hat Hella Gramer, berufene Bürgerin im Bauausschuss, geliefert. „Ich habe einen Spaziergang in dem Gebiet gemacht und bin die Gelsdorfstraße entlang gegangen“, erzählt sie. Dabei habe sie mehrere Müllberge an den Nebengebäuden der Gelsdorfhütte entdeckt und fragt: „Können die nicht entfernt werden?“

Kaum Chance auf Kauf durch die Stadt

„Wir haben dort schon mehrfach alles beräumt“, erklärt Bauhof-Leiter Dirk Zimmer. Allerdings dauere es nur wenige Tage, bis die Müllberge wieder im gleichen Ausmaß zu sehen sind. „Darüber hinaus gehört uns das Gelände nicht“, bekräftigt auch der Oberbürgermeister. Bemühungen, des Gelände 2017 zu erwerben, verliefen im Sande, so Pötzsch.

Dabei hatte die Stadt gemeinsam mit der Umweltbehörde des Landkreises schon Bodengutachten auf den Weg gebracht. Denn: „Durch die Glasproduktion sind wir davon ausgegangen, dass das Gelände mit Altlasten verunreinigt ist“, sagt der Oberbürgermeister. Von Gesetzes wegen her sei es damit alles andere als einfach, dass die Stadt das Gebiet kaufen könne – wegen der Altlasten.

Hohe Altschulden lasten auf Gelsdorfhütten-Gelände

Schon 2017 hatte jedoch Professor Holger Schmidt von der TU Kaiserslautern darauf hingewiesen, dass die EU ein Förderprogramm für Brachflächen aufgelegt hat, von dem die Stadt partizipieren könnte. Fraglich allerdings, ob die nötigen Eigenmittel von der Stadt aufgebraucht werden könnten. Torsten Pötzsch sagt, „dass die Kosten für die Beräumung auf rund 500 000 Euro geschätzt werden.“

Und nicht nur das: Neben sichtbarem und unsichtbarem Müll im Erdreich haben sich auf dem Gelände Altschulden in zweistelliger Millionenhöhe angehäuft. „Und selbst wenn die Stadt das Gelände kaufen könnte, müsste noch eine weitere Gesellschaft zustimmen, die aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse auch gewisse Rechte hat“, erklärt Torsten Pötzsch.

Landkreis kann Weißwasser bei Gelsdorfhütte nicht helfen

Schon vor Jahren hatte die Stadt mit dem Landkreis darüber verhandelt, ob dieser nicht einen größeren Teil des Areals erwerben könnte. Hintergrund davon ist die Schaffung neuer Parkplätze für das Berufliche Schulzentrum (BSZ) an der Jahnstraße. Bereits während der Bauarbeiten an der Jahnstraße hatte es größere Probleme gegeben, Autos überhaupt abstellen zu können.

Im August des vergangenen Jahres hatte der Kreis Fördermittel für einen Ersatzneubau am BSZ in Höhe von 3,1 Millionen Euro erhalten. Die Mittel allerdings fließen in eine neue Ausbildungshalle, die nichts mit dem Areal der Gelsdorfhütte zu tun hat.

„Die Gemengelage ist sehr kompliziert“, unterstreicht Torsten Pötzsch. Die Stadt werde aus Kapazitätsgründen vorerst keine Beräumung auf dem Gelände vornehmen, hieß es.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 20.01.2020


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Aktualisierung: 29.02.2020


Die Gelsdorfhütte in Weißwasser ist nur noch ein Ruine. Der Stadt sind bei der Sanierung oder für Aufräumarbeiten die Hände gebunden.
© Foto: Ch. Köhler
 
 
 
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