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Glasklar für die Lausitz

VON BEATE MÖSCHL



Glasklar auf Grün stehen die Signale für die Lausitzer Behälterglasindustrie. Im Werk Drebkau (Spree-Neiße) ist am Freitag der Schlussstein für die neue Schmelzwanne gesetzt worden. Die vom Land Brandenburg geförderte 15-Millionen-Euro-Investition sichert den Standort für mindestens weitere zehn Jahre und 140 Familien ein Auskommen. Auch im ostsächsischen Bernsdorf wird kräftig investiert.

Als strategisch wichtigste Standorte im Osten hatte die irische Ardagh-Glass-Gruppe die Werke in Drebkau (Spree-Neiße) und Neuenhagen (Märkisch-Oderland) bei der Übernahme im Jahr 2007 bezeichnet. Dass das keine heiße Luft war, beweist die Investition in Drebkau. Die war angesichts der Folgen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, die das Drebkauer Werk im vergangenen Jahr etwa ein Drittel seiner Jahresproduktion kostete, nicht unbedingt selbstverständlich. Umso willkommener ist sie, wie Werkleiter Matthias Wirth deutlich macht. Seit Oktober 2009 habe die Belegschaft während der Kurzarbeitsphase mit angepackt, um die Erneuerung ihres „Herzstücks“ vorzubereiten.

Mitarbeiter, die während der insgesamt vier Monate dauern den Kurzarbeitphase nicht beim Wannenabriss und anderen Arbeiten gebraucht wurden, hätten im Neuenhagener Werk Qualifizierungen absolviert. Auch die Lehrlinge waren während der Zeit dort, um ihre Ausbildung fortzusetzen. „Seit dem 1. Februar sind alle wieder an Deck und packen mit an“, berichtet Wirth, der gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Ardagh Glass GmbH, Reinhard Wilhelm, den Schlussstein für die neue Wanne setzte.

Rentabler produzieren

Am heutigen Samstag soll das Feuer entfacht und die Schmelzwanne langsam auf Temperatur gebracht werden. 1400 Grad Celsius sind nötig, um Quarzsand, Kalk, Soda und Pottasche zum Schmelzen zu bringen. „Ziel ist, ab dem 6. April auf allen drei Verarbeitungslinien wieder voll zu produzieren und monatlich circa 8000 Tonnen Glas zu verarbeiten“, sagt Wirth und betont: „Wir konnten eine Reihe von technischen Veränderungen vornehmen, die uns mit Inbetriebnahme der neuen Wanne zu einem der rentabelsten Werke der Gruppe machen.“ Das sei neben der hohen Flexibilität des Werkes, das 80 verschiedene Weißglas-Konservengläser und Flaschen im Sortiment hat, einer der wichtigsten Trümpfe.

Die Betriebe der Behälterglasindustrie liefern sich seit Jahren einen harten Verdrängungswettbewerb. Das Werk Drebkau steht ebenso exemplarisch dafür wie das Behälterglaswerk des als Weltmarktführer für Verpackungsglas geltenden US-Konzerns Owens-Illionis (O-I) in Bernsdorf (Landkreis Bautzen). Sie haben trotz aller Gesellschafterwechsel nach der Wende ihre Position am Markt verteidigen können – dank ihrer erfahrenen, motivierten Belegschaften, moderner Ausstattung und Umstellung auf wettbewerbsfähige Sortimente und Leichtglas.

Während Drebkau Gläser für Spreewälder Gurken, Senf, süßen Brotaufstrich und Babybrei sowie Flaschen für Grill- und Salatsoßen und Spirituosen wie den Wilthener Weinbrand produziert, steht Bernsdorf für grüne Spirituosenflaschen für Jägermeister, Becherowka, Zwack-Unicum und andere Spezialitäten. Auch hier steht die Produktion – und wie in Drebkau wird der absatzbedingte Stillstand infolge der Wirtschaftskrise genutzt, um die Schmelzwanne und sämtliche Nebenanlagen zu erneuern, wie O-I-Werkleiter Andreas Sonnenberg bestätigt. „Die Wanne soll ab Ende April wieder täglich 150 Tonnen Grünglas liefern“, sagt er. Investiert werden im kleinsten Behälterglaswerk des US-Konzerns O-I und der Lausitz rund 6,5 Millionen Euro.

Perspektive für Azubis

Zusammen sichern die beiden letzten Behälterglaswerke der Region 230 Jobs. Pro Jahr bilden sie zudem etwa ein Dutzend Lehrlinge aus. In Drebkau werden es acht bis neun sein, wie Wirth ankündigt. „Bei guter Leistung haben sie Chancen, übernommen zu werden.“

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 20.03.2010


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Aktualisierung:
21.03.2010