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Von Krauschwitz in den Iran
Ekkehart Krahl beliefert mit seiner Firma für Modell- und Formenbau weltweit Kunden. Dabei ist deren Gründung eher aus der Not geboren.

Von Alexander Buchmann


„Es war jugendlicher Leichtsinn.“ So beschriebt Ekkehart Krahl seinen Entschluss zur Selbstständigkeit Anfang der 90er Jahre. Bereut hat er den Schritt nicht – im Gegenteil. 24 Jahre später hat seine Firma für Modell- und Formenbau in Krauschwitz 21 Mitarbeiter und Kunden in aller Welt. Letzteren präsentiert er sich in dieser Woche auf der Messe glasstec in Düsseldorf.

Die Messe sei eine gute Gelegenheit, um Kunden aus Frankreich, Polen und dem Iran zu treffen und mal wieder zu reden, sagt Ekkehart Krahl. So geht es dem 46-Jährigen vor allem um das Pflegen und Knüpfen von Kontakten und das Informieren über aktuelle Entwicklungen. Daneben ist aber auch das Erhöhen der Exportquote ein Ziel. Anfangs habe man nur für Kunden in Deutschland gearbeitet, aber mittlerweile werde der einheitliche Wirtschaftsraum der EU genutzt. „Der große Markt ist eine Erleichterung“, sagt Ekkehart Krahl. Und speziell für die Exporte nach Osteuropa sei die EU ein Vorteil. Denn das lange Warten der Lkws beim Zoll an der Grenze ist damit weggefallen.

Das Erschließen neuer Absatzmärkte und Geschäftsfelder ist ein Grund, warum es die Firma noch gibt. Denn so sind die Krauschwitzer Modell- und Formenbauer nicht vom wirtschaftlichen Erfolg eines einzelnen Unternehmens beziehungsweise einer Branche abhängig. „Man darf nicht nur an einem großen Unternehmen hängen, denn wenn das ins Trudeln kommt, hat man Probleme“, erklärt Ekkehart Krahl. Und die Krauschwitzer sind ja auch nicht die einzige Firma in der Region, die in dieser Branche arbeitet. Nach Angaben der Handwerkskammern in Dresden und Cottbus gibt es im Landkreis Görlitz noch fünf andere Modellbaubetriebe und im Landkreis Spree-Neiße einen weiteren. Neben Formen für die Glasindustrie, mit denen diese maschinell Gläser herstellen kann, werden in Krauschwitz deshalb auch Formen für Produkte aus Gummi gefertigt und Modelle für Gießereien oder auch Prototypen – zum Beispiel für Versuche in der Strömungstechnik – gebaut. Mal als Einzelstück, mal als Kleinserie.

So hat es in den fast 25 Jahren der Firmengeschichte zwar immer wieder Schwankungen gegeben, aber keine Existenzgefährdung. Das nötige Know-how zur Führung eines Unternehmens musste Ekkehart Krahl aber auch erst erlernen. Denn den Weg in die Selbstständigkeit ist er nach der Wende eher aus der Not heraus gegangen. 1989 hat Ekkehart Krahl ausgelernt und dann bei den Oberlausitzer Glaswerken in Weißwasser gearbeitet. Als diese geschlossen wurden, standen er und einige Kollegen mit gerade einmal 21 Jahren quasi auf der Straße. Die Lösung hieß Selbstständigkeit. Alle seien froh gewesen, dass es weitergegangen ist und hätten sich auch voll für den Erfolg der Firma eingesetzt. Nach dem Start auf dem Gelände der Glaswerke in Weißwasser zum Jahresbeginn 1992 ist Ekkehart Krahl dann zum Ende des gleichen Jahres mit seiner Firma nach Krauschwitz auf das Areal von Kreisel umgezogen. Denn die Treuhand, die die Unternehmensteile der Glaswerke und deren Besitz versucht hat, zu Geld zu machen, habe die Halle nicht verkaufen wollen. Seit 1993 hat Ekkehart Krahl auch den Meisterbrief. „Hätte ich den nicht gemacht, hätte ich es nicht gepackt“, schätzt der gelernte Formen- und Modellbauer ein.

Eine Herausforderung der Zukunft ist das Finden von Nachwuchs. Es gebe zur Zeit einen Hang zum Studieren, sagt er.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 20.09.2016


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Aktualisierung:
26.09.2016


 

Formwerkzeuge zur Glasherstellung produziert Ekkehart Krahl in seiner Firma in Krauschwitz.
Foto: J. Rehle