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Der Flaschensammler von Niesky
Joachim Mischok hat hunderte historische Pullen zusammengetragen. Sie erzählen von der reichen Brauereilandschaft an der Neiße.

VON FRANK-UWE MICHEL
 


Joachim Mischok sammelt historische Bierflaschen von Brauereien, die längst nicht mehr existieren. So hat er ein Stück Heimatgeschichte zusammengetragen.
Wo andere das gute Service stehen haben, schönen Glasschmuck oder auch Bücher, hat Joachim Mischok seine Flaschensammlung platziert. Seine Frau, lacht der 60-jährige Nieskyer, habe sich dran gewöhnt, dass das Wohnzimmer der Familie eben ein bisschen anders aussieht.

Mischok ist außergewöhnlichen Flaschen auf der Spur. Solchen, bei denen noch die Herkunft im Glas eingearbeitet ist und nicht - wie heute - als schnöder Aufkleber Inhalt und Hersteller verrät. Es war Mitte der 1980er-Jahre, als der Nieskyer im Kraftwerk Boxberg seine Brötchen verdiente. "Damals hat mir ein Kollege mal so eine Flasche zugesteckt. Anfangs wusste ich nicht viel damit anzufangen. Heute lässt mich diese Sammelleidenschaft nicht mehr los."

Schnell erkannte Joachim Mischok, dass es in früheren Zeiten in Ostsachsen eine schier unübersehbare Brauereilandschaft gab, von der heute nur noch einige wenige Betriebe übriggeblieben sind. "Im 19., auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte fast jedes Dorf seine eigene Brauerei." Und das Bier, das dort oft nur in kleinen Mengen hergestellt wurde, musste in Flaschen gefüllt werden, um es zu verkaufen. Die damals weitverbreitete Tonflasche wurde aus Hygienegründen verboten, Flaschen aus Glas ersetzten sie. "Das war um 1870 herum", erzählt der Nieskyer, der aus dieser Zeit natürlich einiges zu bieten hat.

In den Vitrinen und Schränken stehen sie alle - Bierflaschen aus der gesamten Region. "Ich muss mich natürlich beschränken, sonst wird das zu viel. Deshalb ist das Territorium des heutigen Landkreises Görlitz mein Sammelgebiet." Ob aus See, Weigersdorf, Niesky oder Kollm, Joachim Mischok hat sie alle irgendwie aufgespürt. Sein ganzer Keller steht voll davon. Er ist glücklich über jeden Zuwachs. Der muss nur eine Bedingung erfüllen: Das Glas der Flaschen muss mit geprägter Schrift versehen sein. Inzwischen sind es rund 700 historische Pullen unterschiedlicher Größe, die der Nieskyer überall in seiner Wohnung untergebracht hat. Und die seinem Wissenszuwachs dienen: "Mit jedem neuen Stück lerne ich ein bisschen Brauereigeschichte dazu."

Um noch mehr zu bekommen, hat sich Mischok eine Strategie zurechtgelegt. "Wenn ich über Trödelmärkte gehe, verschaffe ich mir zuerst einen Überblick, ob überhaupt etwas zu holen ist. Wenn ich das weiß, fange ich mit der Detailarbeit an. Dann gilt es herauszufinden, ob ich noch etwas Unbekanntes bekommen kann." Auch bei ebay ist er längst Stammkunde und schon oft fündig geworden. Oder es gibt Freunde und Bekannte, die ihm Tipps geben oder Adressen vermitteln von Leuten, bei denen achtlos noch manch historische Flasche im Keller liegt. "Anfang der 1990er-Jahre haben mich manchmal Dachdecker angerufen. Als nach der Wende viele Dächer erneuert wurden, fanden sich in den Böden viele dieser gläsernen Schätze."

Joachim Mischoks wahrscheinlich ältestes Sammelstück hat jedoch nichts mit Bier zu tun, vielmehr mit Wasser ohne Alkohol. "Das ist eine Flasche für Mineralwasser nach Dr. Struve." Der Dresdner Arzt und Apotheker schuf damit eine wissenschaftlich exakte Nachbildung des natürlichen Mineralwassers. Bis 1969 wurde es noch als Soda- oder Tafelwasser verkauft. Auch Kuriositäten befinden sich im Besitz des 60-Jährigen - zum Beispiel die Flasche des Görlitzer Zahnarztes Ziegel, der darin etwa um 1910 Mundwasser an seine Patienten verkaufte.

Ist das Glas zerbrochen, bleibt oft noch der Verschluss, nachdem auch der Metallbügel über die Jahre weggerostet ist. Joachim Mischok hat mehrere Koffer, in denen er Flaschenverschlüsse aus Porzellan zusammengetragen hat. So ist es kaum verwunderlich, dass er seine Kenntnisse und Schätze in einem Buch verewigt hat. In Kooperation mit dem Görlitzer Autor Martin Herda ist die "Vielfältigkeit aus Glas - Historische Flaschen aus der Firmengeschichte von Görlitz" erschienen.

Obwohl ihm in diesem Bereich niemand etwas vormachen kann - ein paar Wünsche hat Joachim Mischok dennoch: "Flaschen und Porzellanverschlüsse der Brauereien aus Jänkendorf, Diehsa und Nieder Seifersdorf habe ich noch nicht. Es wäre schön, wenn sich da in einem Dachboden oder Keller noch etwas fände."

Wer Joachim Mischok bei der Vergrößerung seiner Sammlung helfen kann, meldet sich unter folgender E-Mail-Adresse: jomisch60@yahoo.de

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 20. Oktober 2020


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Aktualisierung:
21.10.2020


In seinem Keller sieht es wie in einem Flaschenhandel aus. Allerdings haben Joachim Mischoks Sammlerstücke schon über hundert Jahre auf dem Buckel.
© Fotos A. Schulze
Das Besondere an Joachim Mischoks Flaschen: Ihr Glas verfügt über eine geprägte Schrift. Die lässt erkennen, wer den Inhalt hergestellt hat.
Ist das Glas kaputt und auch der Metallbügel weggerostet, bleibt oft noch der Pozellanverschluss übrig. Auch davon hat Joachim Mischok viele Exemplare zusammengetragen.
 
 
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