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Geschenke aus Brandenburg und Sachsen:
Übergroße Schwibbögen beleuchten die Lausitzer Weihnacht

Von Christian Köhler



Weil in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt in Weißwasser ausgefallen ist, steht auch der Schwibbogen nicht. 2021 soll es das Glasmacher-Motiv jedoch in Klein fürs eigene Heim geben. Auch anderswo in der Lausitz bereichern Schwibbögen den Advent.

Beim Weihnachtsmarkt in Weißwasser im vergangenen Jahr war er der Hingucker schlechthin: Der Schwibbogen der Glasmacherstadt. „Ich bin rückblickend sehr froh, dass wir den gebaut haben“, sagt Sebastian Krüger vom Soziokulturellen Zentrum Telux (SKW) in Weißwasser. Unzählige Besucher haben sich 2019 davor aufgestellt und ein Erinnerungsfoto geschossen. In diesem Jahr hat der Bogen nur kurz auf dem Telux-Gelände gestanden – Anfragen zum Aufstellen anderswo in der Stadt habe es nicht gegeben, teilt der Verein mit. Derzeit steht er im Lager. „Mich freut aber, dass das Interesse an dem Bogen so groß ist und dieser offensichtlich Freude bereitet“, so Krüger.

Schwibbogen für das Wohnzimmer der Lausitzer

Dagegen haben sich die Anfragen gehäuft, kleinere Schwibbögen für das eigene Wohnzimmerfenster zu erwerben. Diese seien nicht nur aus Weißwasser gekommen, sondern auch aus dem näheren und weiteren Umland. Die Idee dazu, kleine Schwibbögen herzustellen, sei bei den Veranstaltern des Weihnachtsmarktes schon im vergangenen Jahr gereift. „Ich denke, der Trend geht auch dahin, dass regionale Produkte wieder gefragter sind“, sagt Sebastian Krüger, „und zudem haben wir in Weißwasser eine Glas- und eine Sporttradition, womit schöne Motive eigentlich schon klar sind.“

Es bestehe bereits eine Kooperation für die Herstellung der Schwibbögen mit der in diesem Jahr auf dem Teluxgelände neueröffneten Firma „It wood be nice“. Gemeinsam nämlich sollen Schwibbögen aus Holz, Metall und auch aus Glas gefertigt werden. „Das Glas soll aus dem Weißwasseraner Spezialglaswerk genommen werden“, verrät Sebastian Krüger.

Jugendliche aus Weißwasser arbeiten in Innovationswerkstatt

Ferner ist es schon lange in Vorbereitung, dass im SKZ eine Innovationswerkstatt entstehen soll, in der sich Jugendliche in das Arbeiten mit moderner Technik einarbeiten können. Vom 3-D-Drucker bis zu Metallarbeiten soll im kommenden Jahr einiges in Kooperation dem „Constitute“-Verein aus Berlin aus Berlin und dessen „Fab-Mobil“ geboten werden. „Dort könnten auch die Schwibbögen hergestellt werden“, sagt Krüger.
Verkauft werden die Schwibbögen dann auf dem Weihnachtsmarkt 2021 – wenn er denn im kommenden Jahr stattfinden darf. „Wir wollen aber bereits weit vor Weihnachten eine eigene Internetseite erstellen, wo wir Vorbestellungen entgegennehmen“, wie Krüger mit Blick auf die hohe Nachfrage ergänzt.

Pyramide für den Weißwasseraner Markt 2021

Ein größeres Projekt schwebt den Weihnachtsmarkt-Machern in der Glasmacherstadt auch noch vor: „Nachdem unser Schwibbogen so ein großer Erfolg geworden ist, wollen wir eine große Pyramide für den Weihnachtsmarkt bauen“, verrät Sebastian Krüger. Entstehen soll die „Glasmacher-Pyramide“ im Laufe des Jahres. Auch dafür haben sich bereits Kooperationspartner gemeldet. „Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr den Markt wieder durchführen können“, sagt Sebastian Krüger. Frank Schwarzkopf vom Stadtverein, der Hauptveranstalter des Marktes ist, kann dem nur beipflichten.

Lichterbögen sind Tradition in der Lausitz

Übermannsgroße Schwibbögen, die in Lausitzer Ortschaften leuchten, gibt es auch in der Region Hoyerswerda schon seit Jahrzehnten. In den Hoyerswerdaer Ortsteilen Schwarzkollm und Knappenrode sowie in Nardt und in Laubusch werden baugleiche Exemplare von mehr als zwei Metern Höhe alljährlich im Advent aufgestellt. Alle vier Lichterbögen aus Stahl zeigen das klassische erzgebirgische Motiv „Bergmann“. Sie wurden schon zu DDR-Zeiten vor mehr als 30 Jahren in der Mechanischen Werkstatt des VEB Braunkohlenwerkes John Schehr Laubusch aus dem Stahl gebrannt und in der Schwarzkollmer Werkstatt des BMK fertiggestellt.

Nagelneu ist dagegen ein Schwibbogen aus Edelstahl, der seit wenigen Tagen am Gemeindehaus in Dörgenhausen steht. Er zeigt Motive aus dem Hoyerswerdaer Ortsteil, zum Beispiel die Bockwindmühle und eine Sorbin in Tracht. Finanziert werden konnte dieser knapp vier Meter breite Lichterbogen mit Geldern aus dem Hoyerswerdaer Bürgerhaushalt.

Tradition Schwibbogen

Die Tradition zu Weihnachten mit den Schwibbogen stammt ursprünglich aus dem Erzgebirge. Dabei gehe es nicht, so meinen Historiker, auf die Tradition zurück, der Bogen würde das Halbrund eines Stollens zeigen. Wahrscheinlicher seien christliche Motive, wie etwa die Symbolisierung des „Himmelsbogens“.

Der älteste, bislang bekannteste Schwibbogen stammt allerdings aus dem Erzgebirge und steht in Johanngeorgenstadt. Der aus Metall bestehende Bogen aus dem Jahr 1740 ist im Jahr 2003 farblich erneuert worden. Dabei entdeckte man, dass er so alt ist. Bis dato war man davon ausgegangen, dass der Bogen im Jahr 1788 gefertigt worden war.

Erst nach 1945 ist der Schwibbogen aus Holz gefertigt worden. Gerade zu DDR-Zeiten war die Nachfrage größer als das Angebot, weshalb so vielfach individuelle Bögen mit der Laubsäge hergestellt wurden. Bis heute und von Anfang an sind Schwibbögen fester Bestandteil der erzgebirgischen Holzkunst. Im Laufe der vergangenen Jahre gibt es jedoch immer mehr Abweichungen in Form und Motiven, die regional sehr verschieden sein können.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 20. Dezember 2020


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Aktualisierung: 29.12
.2020


Der Schwibbogen hat in Weißwasser den Eingang vom Weihnachtsmarkt 2019 geziert. 2021 soll er wieder aufgestellt werden.
© Foto: Ch. Köhler
So könnte beispielsweise der Schwibbogen für das eigene Wohnzimmer aussehen.
© Foto: SKZ