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Rund 500 Jahre alte Lampen im Wittenberger Schloss entdeckt
Glasleuchen waren im Mittelalter Luxus. Nur wenige sind bis heute gefunden worden. Jetzt wurden einige Exemplare aus der Lutherzeit aus Scherben zusammengesetzt.

VON Thomas Schöne


Das Licht in den Sälen des Wittenberger Schlosses haben vor rund 500 Jahren vermutlich Glaslampen gespendet. Mehr als 100 Scherben sind Ende 2016 bei Ausgrabungen im Schlosshof entdeckt worden (Die RUNDSCHAU berichtete). In der Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums Halle wurden daraus jetzt in aufwendiger Arbeit sechs trichterförmige Gläser in wesentlichen großen Teilen zusammengesetzt.

"Damit das Glas nach der starken Korrosion im Boden nicht zerfällt, wurde jede einzelne Scherbe vor dem Zusammensetzen mit Acrylharzen gefestigt", erläuterte Restauratorin Vera Keil. "Der untere Abschluss der Gläser ist leider nicht erhalten. Die trichterförmigen Öffnungen variieren im Durchmesser zwischen fünf und sieben Zentimetern. Die maximale Höhe liegt bei elf Zentimetern." Das korrodierte Glas sieht an der Oberfläche inzwischen stark bräunlich aus. "Nur einige Stellen lassen die ursprünglich grünlich durchscheinende Farbe des mittelalterlichen Waldglases erahnen", sagte Keil. Die grüne Farbe des Waldglases wurde vom 12. bis in das 17. Jahrhundert durch ein Verfahren aus Holzasche und Quarzsand erzeugt.

Die Lampen konnten mit Wasser und Öl gefüllt werden. Das Öl lagerte sich über dem Wasser ab, darauf lag ein Schwimmdocht. Als Öl wurde das damals gerade aufkommende Rapsöl verwendet. Je nach Form des Gefäßes und Wasserhöhe, veränderte sich der ausgestrahlte Lichtkegel und führte zu unterschiedlicher Beleuchtung des Raumes. "Die Glaslampen wurden in der Hand gehalten, einzeln aufgehängt oder zu mehreren in eine durchlochte Metallscheibe gesteckt und als Leuchter verwendet", sagte Keil.

Diese Leuchter, auch als Polycandilon (griechisch für viele Lichter) bezeichnet, leuchten noch heute in der Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) und in der Basilika des Heiligen Franziskus in Assisi (Italien). Auch auf zahlreichen Abbildungen aus dem Mittelalter sind die Trichterbecherlampen zu erkennen. Der Wettiner Friedrich der Weise (1463-1525) hatte das Wittenberger Schloss um 1480 erbaut und für die damalige Zeit außergewöhnlich ausgestattet. Archäologen fanden unter anderem Reste prunkvoller Ofenkacheln und farbiger Fußbodenfliesen.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.2.2017


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Aktualisierung:
23.02.2017


 

Restauratorin Vera Keil begutachtet eine der wertvollen Glaslampen im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale. Etwa 100 Scherben waren 2016 im Wittenberger Schlosshof gefunden worden.
Foto: dpa