Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Magie im Glasmuseum Weißwasser
Das Haus ist Magnet und Bildungszentrum in Weißwasser. Und präsentiert ab Juni die nächste spannende Sonderausstellung.

Von Tilo Berger



Die Katze war mal eine ganz normale Glasflasche. Die bekam einen Mantel aus ein paar Lagen Zeitungspapier, obendrauf einen papiernen Kopf und ringsum Farbe. Eine andere Flasche zeigt sich im Gewand von Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden. Wassergläser wurden filigran mit Blumenranken bemalt. Cognacschwenker erhielten einen feinen Schliff.

Zu sehen ist all das und vieles mehr in einer neuen Sonderausstellung, die am 1. Juni im Glasmuseum Weißwasser öffnet. Die Schönheiten auf, aus und mit Glas stammen nicht etwa aus der Hand von erfahrenen Facharbeitern, auch wenn sich dieser Eindruck aufdrängt. Sondern es sind Werke von Schülern des Landau-Gymnasiums Weißwasser. „Wir freuen uns, dass wir mit dem Gymnasium so gut zusammenarbeiten“, sagt Elvira Rauch, die Leiterin des Museums. Exponate von Schülern ab der fünften Klasse wurden für die Ausstellung zusammengetragen. „In der Kunstlehrerin Gudrun Feuerriegel haben wir dort eine Partnerin, die wirklich Feuer und Flamme ist“, lobt Elvira Rauch das Gymnasium.

Das Museum hat für Schüler von Mittelschule und Gymnasium eine ganze Palette von Angeboten parat. Dazu gehören die Einführung in die Glasproduktion, Glasschleifen und -malen sowie viel Wissenswertes über die Geschichte dieses Industriezweiges.

Die Museumsleiterin hat nicht mitgezählt, wie oft und wie viele Schüler jedes Jahr den Weg zur Forster Straße 12 nehmen. Die Angebote werden immer besser angenommen. Die Mädchen und Jungen, die sich hier selbst künstlerisch betätigen oder lernen, gehören nicht mit zu den zahlenden Besuchern, deren Zahl die Museumsleiterin genau kennt: Im vergangenen Jahr verkauften die Einlasskräfte 3 365 Eintrittskarten, etwa doppelt so viele wie im ersten Jahr nach der Eröffnung 1996. Im April vor 20 Jahren wurde das Museum eröffnet. „Die Einwohnerzahl von Weißwasser hat sich in dieser Zeit halbiert, unsere Besucherzahl aber verdoppelt“, freut sich Elvira Rauch. „Das zeigt auch, dass unser Museum zu einem festen Bestandteil im Stadtleben geworden ist.“

Und zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftsfaktor, denn gerade Busreisegruppen von außerhalb machen in Weißwasser nicht nur am Glasmuseum Station. „Neulich hatten wir eine Reisegruppe mit 49 Personen hier. Die haben sich erst das Museum angesehen und sind dann ins Turmcafé eingekehrt“, berichtet Elvira Rauch. „Es kommt auch oft vor, dass wir gefragt werden, wo man denn in Weißwasser Mittagessen oder Kaffee trinken kann. Da geben die Leute dann in unserer Stadt mehr Geld aus als nur für den Eintritt ins Museum.“

Im Moment erweist sich die Sonderausstellung über Leben und Werk des namhaften Designers Wilhelm Wagenfeld als Publikumsmagnet. Diese Schau läuft noch bis zum 15. November, die Ausstellung mit Exponaten aus dem Landau-Gymnasium endet am 3. Oktober. Gut vier Monate lang zeigt das Museum also gleich zwei Sonderausstellungen parallel, neben der normalen Schau, die immer zu bestaunen ist.

Vier Mal in jedem Jahr bietet die Einrichtung Sonderausstellungen an, denn das Museum soll nichts Starres, Fertiges sein, sondern sich ständig weiter entwickeln. Besonders die Eröffnungen locken immer zahlreiche Gäste. „Da reicht dann unser Foyer nicht aus“, berichtet die Leiterin und zugleich einzige fest angestellte Mitarbeiterin des Museums. Im Moment bekommt sie Unterstützung von zwei Ein-Euro-Jobbern. „Sie sind sehr fleißig und nehmen mir viel Arbeit ab“, ist Elvira Rauch des Lobes voll.

Und kommt sofort auf den Förderverein für das Glasmuseum zu sprechen. Denn ohne den Verein ließe sich das ganze Geschehen in der schmucken Villa unweit des Bahnhofes nicht stemmen. So übernehmen Mitglieder des Fördervereins beispielsweise die Wochenend-Dienste im Museum. Sie verkaufen nicht nur Eintrittskarten, sondern wissen auch manches über die ausgestellten Exponate sowie über die Geschichte der Glasindustrie. Was nicht verwundert, denn die meisten der rund 85 Vereinsmitglieder haben mal selbst in der Branche gearbeitet.

Auch der Vereinsvorsitzende Horst Fasold kommt aus der Glasindustrie und weiß viel aus der Geschichte dieser Branche und ihre Bedeutung für die Lausitz zu berichten. Zum Beispiel, dass Weißwasser den Eishockeysport ursprünglich Glasarbeitern verdankt. Im Dezember 1932 gründeten die „Jungs von der Osramstraße“ im Keglerheim den Verein „Eishockey Weißwasser“. Was daraus wurde, ist bekannt. „Dieser Zusammenhang zwischen Glas und Eishockey ist vielen gar nicht so geläufig“, weiß Horst Fasold.

Für die Zukunft sieht der Fördervereinschef das Museum gut gerüstet, auch wenn es jüngst im Stadtrat von Weißwasser immer mal wieder eine Rolle spielte, wenn es ums Sparen ging. „Darüber haben wir erst aus der Zeitung erfahren“, ärgert sich Elvira Rauch. Inzwischen dürften sich die Wogen aber wieder geglättet haben, hofft Horst Fasold. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Stadträte hinter uns stehen.“ Seine Überzeugung gewinnt er auch aus dem „großen Bahnhof“, den es anlässlich des 20. Museum-Geburtstages gab. „Man feiert doch nicht erst 20 Jahre, um die Einrichtung dann zu schließen“, sagt Horst Fasold.

Zumal das Museum längst über die Lausitz hinaus bekannt geworden ist. Es gilt als einziges seiner Art in den ostdeutschen Bundesländern und wurde in die Route der Industriekultur Sachsens aufgenommen. 2015 hat die deutsche Unesco-Kommission die manuelle Glasfertigung als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Wer mehr darüber erfahren will, dem bietet das Museum beispielsweise Führungen an. Eine davon spannt unter der Überschrift „Vom kleinen Heidedorf zum weltgrößten Glasindustriestandort“ den Bogen sehr weit in die Vergangenheit.

Nicht Vergangenheit, sondern nächste Zukunft ist die Museumsnacht an diesem Sonnabend. Die beginnt um 18 Uhr und endet in der Regel erst gegen Mitternacht. So lange haben Besucher Gelegenheit, die Schau einmal bei besonderen Lichtverhältnissen in Augenschein zu nehmen.

Und als besonderes Extra präsentiert das Museum eine Vitrine mit leuchtendem Glas – mit Uranglas und fluoreszierenden Neuheiten. Das dürfte zu etwas romantischen Farbenspielen führen. Der Eintritt zur Museumsnacht ist frei. „Das Kommen lohnt sich auf jeden Fall“, weckt Elvira Rauch Neugier.
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 21.05.2016


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Aktualisierung:
21.05.2016


 

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