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Stadt Weißwasser erinnert sich ihrer Kulturschätze
Denkmal-Kommission ist seit zehn Jahren aktiv und sieht noch viel Handlungsbedarf / Zahlreiche Unterstützer gewonnen

VON DANIEL PREIKSCHAT


Glasmacher-Lehrling, Schillerbank, Gedenkpfad oder Sport-Relief – eine Vielzahl von Denkmälern gehört heute zum Inventar der Stadt Weißwasser. Dahinter steht das Engagement einer Gruppe Ehrenamtlicher, die sich auch nach zehn Jahren Arbeit noch viel vorgenommen hat.

Denkmalschützer in ganz Sachsen wissen spätestens seit dem 8. Juni, dass die Sportstadt Weißwasser auch kulturell einiges zu bieten hat. An diesem Tag nämlich durfte Uwe Mühle 120 Zuhörern berichten, was die Denkmal-Kommission Weißwasser in den vergangenen Jahren geleistet hat. Eingeladen zu der Fachtagung ins Blockhaus am Dresdner Elbufer hatte das Landesamt für Denkmalpflege. Am Dienstag hielt Uwe Mühle den Vortrag im Rathaus von Weißwasser vor nicht ganz halb so viel Zuhörern ein zweites Mal. Aus gutem Grund. Denn genau vor zehn Jahren, so Mühle, hatte sich die damals gerade erst gegründete Denkmal-Kommission von Weißwasser das erste Mal getroffen. "Von da an", so der Weißwasseraner, "war kein Denkmal in der Stadt mehr vor uns sicher."

Neben Mühle war Günter Segger, damals ebenfalls Stadtrat, eine treibende Kraft. Er sei es gewesen, der der damaligen Oberbürgermeisterin Helma Orosz die Idee vortrug, eine Kommission zu gründen. Er solle einfach anfangen und sich engagierte Mitstreiter suchen, lautete damals die schlichte Antwort. Segger und Mühle ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie gewannen Anne Petrick, Wolfgang Hoyer, Gudrun Stein und Andrea Mey für die Idee. Später machten auch Thomas Heinrich, Jeanette Sporbert und Karl-Heinz Melcher mit.

Parallel dazu wurden alle Denkmäler in der Stadt zunächst überhaupt einmal erfasst, wie sich Uwe Mühle erinnerte. Sie danach saniert zu bekommen und mitunter auch einen neuen Standort für sie zu finden, war dann noch mal eine ganz andere Frage. Sehr wichtig dabei war die Suche nach Unterstützern, erzählte Mühle. Wieder war es Günter Segger, der Brücken zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und zur Reservistenkameradschaft in Braunschweig schlug. Besonders der Weg zu einem Gedenkpfad, der Denkmäler für die gefallenen Soldaten aus beiden Weltkriegen, Ehrenhain der Kämpfer der revolutionären Arbeiterbewegung, jüdischen Friedhof und Sowjetisches Ehrenmal miteinander verbindet, war so leichter zu gehen.

Unbürokratische Hilfe

Mühle erinnerte weiter daran, dass Lehrlinge des Kraftwerks Boxberg der Stadt Weißwasser beim Sanieren der Stele der Energie halfen, die im April 2004 eingeweiht wurde. Des jüdischen Friedhofs nahm sich der Verein Zukunft gestalten mit Ortshistoriker Werner Schubert an. Und die kostspielige Wiederherstellung des Glasmacherlehrlings, der heute vor dem Berufsschulzentrum steht, wäre ohne die unbürokratische Hilfe von Landkreis-Dezernent Werner Genau kaum so schnell möglich gewesen. Unternehmen wie Telux und Garreis leisteten überdies immer wieder materielle oder finanzielle Hilfe.

Angriffen ausgesetzt

Mühle, Segger und ihre Mitstreiter sehen aber auch noch viel Arbeit vor sich. Zum einen, weil Denkmäler im öffentlichen Raum Angriffen ausgesetzt seien. Unter anderem musste eine Lehne der Schiller-Bank erneuert werden. Auf dem Friedhof wurde eine Tafel mit den Namen Gefallener herausgebrochen. Ein Sorgenkind sei die Stele der Glasmacher am Boulevard-Brunnen. Immer wieder würden sich dort Verweilende an ihr vergreifen.

Zum anderen gebe es durchaus noch Denkmäler in der Stadt, denen man sich noch gar nicht zuwenden konnte, weiß Mühle. So seien die Eingangspfeiler zum alten Friedhof in der Jahnstraße dringend reparaturbedürftig. Der Nachbau des Tores sei schon beschlossene Sache. Man suche dafür aber noch historische Fotos.

Ganz wichtig für die Denkmalschützer ist auch die Öffentlichkeitsarbeit. Derzeit entstehe ein Buch, in dem alle Denkmäler nördlich der Bahnlinie erfasst werden und das in diesem Jahr herauskommen soll. Ein zweiter Band mit den Denkmälern südlich der Bahnlinie sei geplant. Ebenfalls in Vorbereitung seien Führungen am Tag des Denkmals im September. Dieses Jahr drehe es sich dabei um das Thema Holz. Man müsse nur den Boulevard entlanggehen, um zu erkennen, dass Weißwasser in dieser Richtung viel Interessantes zu bieten hat.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.06.2012


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Aktualisierung:
21.06.2012


 

Günter Segger, Vorsitzender der Denkmal-Kommission, bedankt sich bei Planerin Anne Petrick für ihr ehrenamtliches Engagement.
Foto: D. Preikschat
Der Glasmacherlehrling und der Gedenkpfad mit der Grabplatte Joseph Tudykas gehören zu den wichtigsten Denkmälern der Stadt
Bei Führungen am Tag des Denkmals im September werden voraussichtlich auch die Holz-Skulpturen am Boulevard berücksichtigt.
Neues Vorhaben der Denkmal-Kommission: Der Eingang zum alten Friedhof an der Jahnstraße soll saniert werden.