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Mehr Glas, mehr Stölzle
Der Weißwasseraner Glashersteller baut eine neue Halle, neue Schmelzwannen und strukturiert um.

Von Thomas Staudt


Der Tischglashersteller Stölzle Lausitz fängt ganz unten an und will doch hoch hinaus. Bei den Um- und Neubauarbeiten auf dem Firmengelände im Zentrum von Weißwasser ist einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte das Unternehmenslogo, das am Fuß oder auf dem Boden der Gläser zeigt, aus welcher Produktion das jeweilige Glas stammt. „Wir wollen künftig mehr Gläser blanko auf Lager legen, um flexibler auf den Markt reagieren zu können“, erläutert Klaus Völkner, Stölzle-Vertriebsleiter für Deutschland.

Die Kunden bestellen die Gläser nach Bedarf mit oder ohne Logo, mit oder ohne Beschriftung. Ein großer Lagerbestand mit Dekoration schränkt das Unternehmen unnötigerweise ein. Bei der Umstellung geht es auch um das nationale und internationale Standing der Marke „Stölzle Lausitz“. Das Unternehmen verkauft überwiegend an Geschäftskunden, steigerte in den letzten Jahren aber parallel den Absatz im Privatkundenbereich. So sind „Gläser made in Weißwasser“ nicht nur beim Waltroper Edelversandhändler manufactum zu haben, sondern seit Jahresbeginn auch über den Onlinehandel des Versandhauses Otto. Der deutsche Markt bildet aber nur einen Bruchteil der Verkaufsaktivitäten ab. Darüber hinaus beliefert Stölzle den europäischen Markt sowie die Märkte in Übersee und Asien.

Die Umstrukturierung ist mit entscheidenden baulichen Veränderungen verbunden. Bis zum Sommer soll eine neue Halle die Lagerkapazitäten steigern. Eine neue Dekorationsabteilung wurde bereits im vergangenen Jahr in Betrieb genommen. Die Halle aus den 1960er Jahren gehört zum Altbestand und liegt direkt an der Berliner Straße. Für die neue Funktion wurde sie komplett umgebaut, einschließlich eines Lichtbands, das die Arbeitsplätze mit Tageslicht flutet.

Wo noch vor zwei Jahren Dunkelheit über dem Staub und Dreck der Entkernungsarbeiten lag, sitzt nun Sigrid Marko an einem blitzsauberen und hellen Arbeitsplatz. Sie prüft jedes einzelne Glas, bevor sie es in die Maschine stellt. Eine Handbewegung später sitzt das Stölzle-Logo auf dem Fuß des Glases. Alles geschieht mittels Sandstrahlverfahren. Nicht weit davon entfernt ist Sabine Umlauft mit Handsiebdruck beschäftigt. Das Verfahren bringt die Logos von Bierbrauern oder Sektkellereien auf die Wand des Glases. Verwischte oder schiefsitzende Drucke sortiert sie umgehend aus. Nur die korrekt gedruckten halten ihrem kritischen Auge stand.
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Die großen Umbauten werden flankiert von weiteren Änderungen oder Erneuerungsarbeiten: Die Produktionshalle wurde verlängert. So gelangen die Gläser ohne Umweg in die Verpackungsabteilung am Ende der Produktionslinie. Bisher machten die Gläser einen U-Turn, weil die Halle für eine Anordnung der Verpackung in gerader Linie zu klein war. Im Frühjahr erhielt die Glasfabrik einen moderneren Filter. In den letzten Wochen wurde eine der beiden Schmelzwannen neu gebaut. Die andere ist 2017 an der Reihe.

Als Interim nutzt Stölzle eine provisorische Halle in Zeltbauweise. Sie liegt hinter dem eigentlichen Firmengelände an der Berliner Straße. Ein Projekt, das die freie Fläche in eine Streuobstwiese verwandeln wollte, wurde zugunsten der weiteren Unternehmensentwicklung vom Stadtrat abgewählt. Um vor der Fertigstellung des neuen Lagers zusätzliche Lagerkapazitäten zu schaffen, nutzt Stölzle außerdem die ehemalige Rationalisierungsmittelhalle zwischen der Bahnlinie und den Geschäften des Einkaufszentrums Saschowawiese. Von den alten Fabrikhallen wird nach dem Umbau nicht mehr viel übrig sein. Zum Altbestand gehören neben der Halle aus den 60ern das Kommissionierlager samt Verladerampe sowie das Verwaltungsgebäude.

Stölzle Lausitz ist Nachfolger der Vereinigten Lausitzer Glaswerke und gehört als eigenständige Gesellschaft zur Stölzle Glasgruppe mit Sitz in Österreich. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Trinkgläser. Die Angebotspalette reicht vom Schnapsglas bis zur Sektflöte. Den größten Anteil an der Produktion machen Stielgläser aus. Sie nehmen 70 Prozent der gesamten Produktion ein.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 21.06.2016


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Aktualisierung:
22.06.2016


 

Sigrid Marko bringt an der Sandstrahlmaschine das Firmenlogo auf die Gläser. Sie führt noch dieselbe Tätigkeit aus wie noch vor einem Jahr. Nur sitzt sie heute an einem neuen, wesentlich helleren Arbeitsplatz. Die Änderung ist Teil eines Umbaus innerhalb des Unternehmens.
Foto: A. Schulze