Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Neue Ausstellung:
Glasmuseum Weißwasser zeigt Lebenswerk von Glasgraveur
„Meine beste Bude. Heinz Schade und die Bärenhütte Weißwasser“ heißt die neue Sonderausstellung, die das Glasmuseum Weißwasser zeigt. Dabei spielt auch ein Mythos eine Rolle.

Von Regina Weiß

 


Wenn im Hause Schade in Weißwasser mit Gläsern hantiert wird, dann ist Heinz Schade gefragt. „Meine Frau fasst Glas nicht an“, lacht er. Ja wie auch, wenn sie den Glasfachmann zu Hause hat. Der ist das schließlich seit 70 Jahren. 1950 hatte er seine Lehre angefangen. Es ist jedoch nicht das einzige Jubiläum, was bei Schades ansteht: Am 23. September feiert Heinz Schade seinen 85. Geburtstag.
Das ist für das Glasmuseum Weißwasser Anlass genug, um den Jubilar mit einer Personalausstellung zu ehren. Doch weil es bereits seine dritte ist, sollte noch ein anderer Dreh gefunden werden, erläutert Christine Lehmann, Leiterin des Glasmuseums. Den fand man in Heinz Schades „bester Bude“ – der Bärenhütte.

Bärenhütte hat eine besondere Stellung in Weißwasser

Für ihn wie auch für viele andere Menschen in Weißwasser und der Region hat die Glashütte eine besondere Stellung in ihren Erinnerungen. Ob dies mit dem wundersamen, einprägsamen Namen des Betriebes zusammenhängt oder mit dem gefragten schönen Bleikristall, welches dort produziert wurde, bleibt offen. Sicher ist, dass es sich lohnt, einen Blick auf die wechselvolle Geschichte der Bärenhütte zu werfen. Dort wurden die hervorragenden Entwürfe namhafter Gestalter wie Gerhard Lindner, Friedrich Bundtzen und Georg Richter verwirklicht und durch das Können von Graveuren, Glasmalern und Schleifermeistern veredelt. Der Jubilar Heinz Schade kann dabei sicher als herausragend bezeichnet werden. So lautet es in der Einladung des Museums.
Christine Lehmann war platt, was für Schätzchen bei Heinz Schade in Kästchen verwahrt sind. Weitere Schätzchen hat Sammler und Glaskenner Siegfried Kohlschmidt beigesteuert. Ihm haben es besonders die Glasserien und Einzelstücke aus den 30er- bis 80er-Jahren aus der Bärenhütte angetan. Viele davon hat er beim Stöbern in Sozialkaufhäusern gefunden.

Bleibt Weißwasser auf den Sicherungskosten der Industriebrache Bärenhütte sitzen?

Dabei schwingt durchaus ein bisschen Wehmut mit. Wurde früher Glas – gerade auch das Bleiglas aus der Bärenhütte – wie eine dritte Währung behandelt, ist es heute nicht mehr unbedingt gefragt. „Es wird aus Bistrogläsern getrunken“, stellt Siegfried Kohlschmidt lapidar fest. Dabei sind viele Stücke, die in der Bärenhütte hergestellt wurden, von zeitloser Schönheit in ihrem Muster, in ihrem Design. Heute müsse man dafür ins Kaufhaus des Westens (KDW in Berlin) gehen.

Lebenswerk von Glasfachmann Heinz Schade

Für Heinz Schade sind die zarten oder auch wuchtig glänzenden Ausstellungsstücke viel mehr. Sie sind sein Lebenswerk. „Er ist einer der bedeutendsten Glasgestalter der alten Garde. Ein Meisterschleifer“, bringt es Siegfried Kohlschmidt zum Ausdruck. Zahlreiche Auszeichnungen könnten das zudem belegen.
Vor allem faszinierend sei, dass Heinz Schade keine Zeichnung gebraucht habe. „Es kam aus ihm heraus“, so Kohlschmidt. So sei aus einem übertragenen Gefühl Kunst geworden. Glaskunst in dem Fall. Dass dazu auch Fingerfertigkeit, Fachwissen, Enthusiasmus und Spaß am Probieren eine Rolle gespielt haben muss, versteht sich fast von selbst.
Vor allem, wenn man auf den Mythos zu sprechen kommt. Das sind die Diatretgläser in der Ausstellung. Die alten Römer kannten diese Technik. Dann verschwand sie. Alfred Görner war der erste, der sich in Weißwasser daran traute. Einen, vielleicht sogar zwei Versuche hat es von ihm gegeben. „Er war mein Lehrmeister“, sagt Heinz Schade. Er folgte dem Lehrmeister auf dem Weg, schon vor Jahrzehnten. Nur ging der erste Versuch schief. So schön Glas ist, so spröde und zerbrechlich ist es auch. „Einmal verhakt und das war’s“, erklärt Heinz Schade. Nach der Wende folgte Versuch Nummer zwei und viele andere. Er beschreibt die Intensität, mit dem er sich dem Diatretglas widmete als „positiv bekloppt“. Bis zu 350 Stunden hat er an einem Stück gesessen.
Diatretglas ist ein Mythos, sagen die Fachleute. Im alten Rom kannte man die Kunst, dann war sie verloren gegangen. Bis die Fachleute in Weißwasser sich dem Thema widmeten.

Noch heute – 70 Jahre nach dem Beginn seiner Lehre – will er sich nicht ganz zur Ruhe setzen. So mancher wird dann mit einem Glasstück aus der Fertigung von Heinz Schade beglückt.

Öffnungszeiten der Ausstellung

„Meine beste Bude. Heinz Schade und die Bärenhütte Weißwasser“ – die Wechselausstellung ist ab sofort und bis zum 3. Januar 2021 in der Schweigvilla zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind: Montag geschlossen, Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr; Sonnabend und Sonntag 13 bis 17 Uhr.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Dieser ist im Glasmuseum erhältlich.

Was ist Diatretglas? Die Bezeichnung leitet sich vom griechischen Wort diatron ab, was durchbrochen und -bohrt bedeutet und damit auf die kunstvollen Durchbrüche an den Glasgefäßen hinweist, deren Ranken, Figuren, Netzwerk sich vom eigentlichen Glaskörper abheben. Durch Hinterschleifen der Motive entsteht ein regelrecht doppelwandiges Glasgefäß, dessen Äußeres nur durch dünne Stege mit dem inneren Gefäß verbunden ist und es wie ein Korb umgibt.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.09.2020


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E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
22.09.2020


Weißwasseraner Heinz Schade zeigt auf einen Aschenbecher, der viele Jahre in der Bärenhütte gefertigt worden ist. Oben links steht die Vase Athen, sein Gesellenstück von 1953.
© Foto: R. Weiß
Diatretglas ist ein Mythos, sagen die Fachleute. Im alten Rom kannte man die Kunst, dann war sie verloren gegangen. Bis die Fachleute in Weißwasser sich dem Thema widmeten.
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Der Krug „Lausitz“ aus der Bärenhütte in Weißwasser. Er wurde in verschiedenen Varianten gefertigt. Die Exemplare stammen aus den 50er-Jahren.
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Zarenkelch und die gläserne Sonne in der Braunkohle sind Hingucker in der neuen Sonderschau im Glasmuseum.© Foto: R. Weiß