Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Funktionale Gläser in schlichtem Design

Von Angelika Brinkop


Die Stölzle Lausitz GmbH hat gestern in Weißwasser einen Werksverkauf eröffnet. Nach jahrelanger Abstinenz können die Weißwasseraner wieder die in ihrer Stadt produzierten Glaswaren zu Werkskonditionen erwerben. Auf einer Fläche von 230 Quadratmetern wird die gesamte Produktionspalette von Trinkgefäßen aller Art angeboten. Stölzle hat für den Umbau des Verwaltungsgebäudes 1,4 Millionen Euro investiert.

"Ich finde es toll, dass es wieder so etwas gibt. Das Angebot ist groß und hier findet man sicher eine schöne Geschenkidee", sagt Juliane Paulick aus Groß Düben. Ihr haben es besonders die Sektgläser mit den Herzchen oder die Schnapsgläser mit verschiedenen Glasfrüchten angetan.

Geschäftsführer Dietfried Binder ist froh, mit der Sanierung des Verwaltungsgebäudes und der Errichtung des Werksverkaufes einen kleinen Beitrag zur Verschönerung des Stadtbildes getan zu haben. Nach seinen Angaben wurden dafür etwa 1,4 Millionen Euro investiert.

"Ich weiß, dass das daneben befindliche Gebäude der Hütte, die Anfang der 70-er Jahre errichtet wurde, vielen Weißwasseranern ein Dorn im Auge ist", sagt er. Gegenwärtig wird es als Lager verwendet. "Wenn wir finanziell dazu in der Lage sind, werden wir ein neues Logistikzentrum dichter am Bahnhof bauen und dann das Gebäude zurückbauen", blickt Dietfried Binder in die Zukunft. Voraussetzung dafür sei eine rentable Produktion, die Gewinne erwirtschaftet.

"Bisher haben wir alles aus eigener Kraft erwirtschaftet", erklärt der Geschäftsführer. Den Investitionsbedarf für die nächsten Jahre schätzt er auf über zehn Millionen Euro. "Das muss zuerst verdient werden."

Dabei sei die Stölzle Lausitz GmbH auf einem guten Weg. 80 Prozent der Produktion wird im Ausland verkauft. Wichtige Kunden sitzen uner anderen in den USA, Italien, Spanien, England, Frankreich, Japan und China.

"Der Bedarf an Gläsern in Privathaushalten ist in den letzten Jahren spürbar zurückgegangen. Es werden immer weniger Partys zu Hause gefeiert und das macht sich auch beim Glasabsatz bemerkbar", sagt Dietfried Binder. Darum habe sich Stölzle auf die Ausstattung in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie spezialisiert. So sind Weißwasseraner Gläser beispielsweise bei den Hotelketten Mariott und Steigenberger gelistet. Auch verschiedene Winzergenossenschaften zählen zu den Kunden und haben sogar gemeinsam mit Stölzle spezielle Glasserien für Riesling-Weine entworfen.

Die Philosophie der Gläser habe sich nach Ansicht der Glasproduzenten in den letzten 20 Jahren gravierend gewandelt. "Früher musste ein Glas viel hermachen, war ein repräsentatives Produkt, bei dem designerische Aspekte im Vordergrund standen", erklärt Dietfried Binder. Heute gehe der Weg mehr in die Richtung eines formschönen und funktionalen Designs. Das Glas müsse dem Getränk dienen und es besser zur Geltung kommen lassen. "Nur wenigen Benutzern ist es bewusst, dass ein Glas die Empfindungen und den Geschmack des Getränkes beeinflussen kann", sagt Dietfried Binder. Gläser seien darum voluminöser und dünnwandiger geworden und haben eine Art "Kamin", um das Bukett besser zur Entfaltung zu bringen.

Auch wenn der Export das Hauptstandbein ist, möchte Stölzle künftig mehr im Fachhandel präsent sein. "Es dauert schon ein paar Jahre, bis sich eine neue Marke etabliert hat", erklärt Dietfried Binder.

Ziel sei es, in die Spitzenklasse hineinzuwachsen. Die Schaffung der technischen und personellen Voraussetzungen sei ein kontinuierlicher Prozess. Gegenwärtig stelle sich die Frage nach der Erweiterung oder dem Zukauf von Kapazitäten. Ein Problem sei es, ausreichend qualifizierte Fachkräfte für die Arbeit in der maschinellen Glasproduktion zu finden. In der Stölzle Lausitz GmbH arbeiten gegenwärtig 235 Mitarbeiter. "Die maschinelle Fertigung von Trinkgläsern in der Qualität, wie sie der Markt fordert, benötigt eine spezielle Qualifizierung, die bei uns peu à peu am Arbeitsplatz erfolgt", so Dietfried Binder. Er habe sogar schon eine Initiative gestartet, um Arbeitskräfte, die in den Westen abgewandert sind, wieder zurück nach Weißwasser zu holen.

 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.10.2008


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 21.10.2008


 


Foto: A. Brinkop