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Teure Weißwasseraner Geschichte
Der Vorsitzende der Denkmalkommission Karl-Heinz Melcher berichtet über Arbeit im Jahr 2016 und 2017

VON Gabi Nitsche


Weißwasser ist reich an Denkmalen und historisch bedeutsamen Gebäuden, die Zeugnis ablegen von der die Stadt einst prägenden Glasindustrie. Deren Pflege und Erhalt hat sich die Denkmalkommission verschrieben. Hinter den engagierten Mitgliedern um Karl-Heinz Melcher liegt nach dessen Einschätzung ein ereignisreiches Jahr.

"Denkmäler sind prägend für eine Stadt, geben ihr ein Gesicht. Umso sorgsamer muss man mit ihnen umgehen. Sie sind Fluch und Segen, schlucken viel Geld. In Sachsen gehen jährlich 500 verloren. Das müssen wir in Weißwasser verhindern."

Mit diesen Worte hatte sich Karl-Heinz Melcher kürzlich an Stadtverwaltung und Stadträte gewandt. Er war gebeten worden, über die Arbeit der Denkmalkommission in diesem Jahr zu berichten. Demnach trafen die sechs Mitglieder eine weitreichende Entscheidung in den vergangenen Monaten. Diese betrifft den Gedenkpfad. Auf dem Friedhof sollte eigentlich eine neue Station eingerichtet werden. Thema 17. Juni 1953.

"Es gab umfangreiche Recherchen von uns, wir haben bei der Stasi-Behörde angefragt, einen Aufruf in den Medien gestartet", berichtete Melcher. Aber das Ergebnis sei ernüchternd gewesen: "Demnach herrschte in Weißwasser an diesem Tag Ruhe. Deswegen richten wir diese Gedenkstation nicht ein."

Der kleine Seelöwe

Wichtig sei es der Kommission gewesen, die Skulptur des Seelöwens, 1953 von Dorothea von Philipsborn geschaffen, nicht länger eisigen Temperaturen und anderen Witterungseinflüssen im Winter auszusetzen. Der kleine Seelöwe hat sei eh und je seinen Platz im Garten der Kita Ulja und wurde vor sechs Jahren restauriert. Die Skulptur besser zu schützen, sei der Rat der Restauratorin, und dem wollte man folgen. Der Plan war, die Figur ins Kita-Gebäude zu holen. Doch das wollte das Kita-Team nicht, schilderte Karl-Heinz Melcher. Deswegen suchte und fand die Kommission eine Alternative. "Die Plastik ist eingehaust worden." Darum habe sich vor allem Mitglied Uwe Mühle gekümmert und Unterstützung bei der Tischlerei Udo Schacher gefunden.

Tag des offenen Denkmals

Ein großartiger Erfolg sei der Tag des offenen Denkmals im September gewesen. Karl-Heinz Melcher ist immer noch stolz auf die Zahl der interessierten Besucher von weit über 400. Knapp die Hälfte davon fanden sich in der ehemaligen Ingenieurschule für Glastechnik ein. "Ich möchte mich bedanken, dass wir dort reindurften. Das, was die Leute dann sahen, löste natürlich zwiespältige Empfindungen aus. Alle waren entsetzt über den Zustand." Ausgenommen der Bereich, der von einem Privaten erworben wurde.

Auch 2017 soll der bundesweite Tag des offenen Denkmals in Weißwasser Niederschlag finden. Nur das konkrete Thema stehe noch nicht fest.

Blick auf das Jahr 2017

Klar sind verschiedene Aufgaben, denen sich die Kommission im kommenden Jahr widmen möchte. Da sind laut Melcher zum Beispiel die Fensterbilder von der Kita Ulja. Vor der Sanierung des Gebäudes sind die original Fenster, die mit Gravuren verziert sind wie zum Beispiel Fische, Blumen und so weiter, ausgebaut worden.

Sie lagern an einem sicheren Ort, wo den Scheiben nichts passieren könne. Dafür habe sich damals Melchers Vorgänger Günter Segger eingesetzt. "Im Haus der Ulja sollen nun einzelne davon an einer Wand zu neuer Geltung kommen", blickt der Vorsitzende voraus. Über das Wie und Wo verständigen sich die Denkmalschützer mit dem Kita-Team.

Was die Sanierung der Glasmacher-Stele am Boulevard angeht, so sei der ursprüngliche Plan fallengelassen worden. Melcher & Co. sind nun mit Steffen Noack von SpiegelArt und Knut Olbrich von TopLight im Gespräch.

Gegenüber den Stadträten kündigte Karl-Heinz Melcher die dritte Informationstafel innerhalb der Reihe "Besonders historische Orte" an. Damit wird das Ziel verfolgt, dass geschichtsträchtige Orte im Stadtbild von Weißwasser für Besucher deutlich erkennbar sind. Die erste Hinweistafel wurde im Herbst 2016 am Turnerheim befestigt. Hier nahm im Jahr 1935 die Geschichte der Sportstadt Weißwasser ihren Anfang. Standort Nummer zwei ist das Rathaus mit dem Zwei-Kaiser-Denkmal. Nummer drei nun die Gelsdorfhütte. Die Info-Tafel wird hier am morgigen Donnerstag eingeweiht. Kandidat Nummer 4: der Neufert-Bau.

Voran gehe es, was die Sanierung der Holzplastiken am Boulevard angeht. Karl-Heinz Melcher berichtete von einem Termin dazu mit dem Künstler Gerd Hallaschk. Das Vorhaben werde 2017 abgeschlossen.

Lebensfreude zum Heulen

Das sechs mal zwölf Meter große Wandbild "Lebensfreude" von Georgios Wlachopulos treibt kunst- und kulturinteressierten Menschen Tränen in die Augen. Bis 2012 zierte das 1981 erstellte Wandbild den Aula-Giebel der ehemaligen 5. Mittelschule in Weißwasser-Süd. Zerlegt in 25 Einzelteile, schlecht gesichert, fristet das einstige Kunstwerk seither ein trostloses Dasein. Es fand sich bis dato kein geeigneter Ort, um es wieder zur Freude zu erwecken. Seit Jahren scheiden sich die Geister an dem Thema.

Ob es undenkbar sei, gänzlich darauf zu verzichten, fragte jetzt Stadtrat Hartmut Schirrock (Wir für Hier) den Kommissionsvorsitzenden. "Das wäre der letzte Schritt. Der Rückbau ist mit Fördergeldern erfolgt, und die Denkmalbehörde warnt davor." Doch die Teile werden nicht besser. "Wir müssen 2017 reden und eine Entscheidung treffen", forderte Karl-Heinz Melcher. Das gelte ebenso für die ehemalige Gelsdorfhütte, das Volkshaus, für große Teile der Glasfachschule, verwies er auf weitere geschichtsträchtige Gebäude.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 21.12.2016


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Aktualisierung:
22.12.2016


 

Viele Weißwasseraner interessierten sich am Tag des offenen Denkmals im September für die frühere Glasfachschule.
Foto: ckx