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Horst Gramß präsentiert sein Lebenswerk
Neue Ausstellung lockt bis 19. März ins Weißwasseraner Glasmuseum

Von Torsten Richter-Zippack


Horst Gramß begeht heute seinen 80. Geburtstag. Das Jubiläum ist für das Glasmuseum Weißwasser Anlass für eine Ausstellung, die Freitag eröffnet wurde. In der einzigartigen Schau werden die schönsten Werke des gebürtigen Thüringers gezeigt.

Um es gleich vorwegzunehmen: Horst Gramß lebt! Denn im 2007 erschienenen Buch "Das große Lexikon DDR-Design" findet der Weißwasseraner Glasdesigner zwar Erwähnung, allerdings mit dem Zusatz "verstorben". Am heutigen Montag sind genau 80 Jahre ins Land gegangen, dass Gramß im thüringischen Glasmacherort Lauscha das Licht der Welt erblickte. Im Jahr 1957 begann Horst Gramß als frisch gebackener Absolvent der Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg sein Berufsleben in der ostdeutschen Glashauptstadt. Rund 30 Jahre war er dort in den Oberlausitzer Glaswerken (OLG) als Entwickler neuer Produkte tätig.

Einen kleinen Einblick in sein unermüdliches, jahrzehntelanges Schaffen ermöglicht die am Wochenende eröffnete Personalausstellung. Dort gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Gläser, Vasen, Schalen, diverse Figuren, natürlich alles aus Glas, versprühen in den Vitrinen einen besonderen Reiz. Hinzu kommen verschiedene Entwürfe des Designers, ebenso Diplome von der Leipziger Messe, auf der die OLG Stammgast waren. Das Prozedere beschreibt Horst Gramß so: "Am Anfang steht immer eine Idee. Dann folgt die Skizze, anschließend eine hölzerne Hohlform. Nun ist das Einblasen des Musters an der Reihe. Jetzt folgt die spannendste Phase. Nämlich die Begutachtung vonseiten der Absatzabteilung. Dort wird entschieden, ob sich der Entwurf verkaufen lässt oder eben nicht." Und Gramß habe jede Menge Produkte entworfen, die im In- und Ausland reißenden Absatz fanden. 95 Prozent der bei den OLG hergestellten Erzeugnisse wurden ohnehin in die ganze Welt veräußert, darunter zu einem nicht unerheblichen Teil ins NSW, das "nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet", wie es im DDR-Deutsch so schön hieß. Weißwasseraner Glas fand sogar in den USA und in Australien begeisterte Abnehmer. Dennoch wurden auch die eigenen Leute nicht vergessen. Beispielsweise die Schüler. Für die Heranwachsenden entwarf Horst Gramß Gläser mit Verkehrszeichen zur Erziehung im Straßenverkehr. Die "Schilder", so erinnert sich der Experte, seien mittels Siebdruck aufs Glas gebracht worden. Die entsprechenden Ergebnisse gehören natürlich ebenso zur neuen Ausstellung.

Übrigens, darauf legt Gramß besonderen Wert, habe er sämtliche Exponate selbst ausgesucht. Ein oder mehrere Lieblingsstücke besitze er allerdings nicht.

Die Liebe zum Glas hat Gramß von der Pieke auf gelernt. Nach seinem Besuch der Lauschaer Fachgrundschule für angewandte Kunst ging Gramß zum Studium an die Magdeburger Fachschule. "Anschließend gab es für uns Absolventen drei Möglichkeiten: Entweder Lauscha, Bärenburg oder Weißwasser." Letztlich habe Weißwasser die Nase vorn gehabt, das er bereits aus der Praktikumszeit kannte. Hier lernte er auch seine Frau kennen.

Seit der Wende engagiert sich der Wahllausitzer im Förderverein des Glasmuseums. Die Leiterin des Glasmuseums Elvira Rauch bezeichnet Horst Gramß als "unser Schwungrädel". Der frühere Dozent der Weißwasseraner Glasfachschule, Hans Schaefer, bezeichnete den Jubilar in seiner Laudatio so: "Der Horst wollte kein zweiter Wagenfeld werden, sondern ein erster Gramß. Er bewies stets den Sinn fürs Notwendige und Machbare."

Zum Thema:
Zur Ausstellung bis zum 19. März sind zwei neue Broschüren erschienen: "Der Glasdesigner Horst Gramß" und "Die Menschen von hier haben Glas geformt und das Glas die Menschen". Beide Werke sind jeweils für eine Spende ab fünf Euro aufwärts im Glasmuseum zu haben. trt1

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 22.02.2016


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
22.02.2016


 

Horst Gramß (2.v.r.) zeigt Gästen seine kreierten Glasprodukte.
Foto: T. Richter-Zippack