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Pläne der Glasmanufaktur liegen weiter auf Eis
Tschernitzer Solarglas-Hersteller GMB spürt Auswirkungen der angekündigten Kürzungen


Von CATRIN WÜRZ


Die von der Bundesregierung angekündigten neuen Kürzungen in der Solarförderung legen sich wie ein Schatten über die Branche der Solarindustrie. Die Turbulenzen spüren inzwischen auch Zulieferbetriebe wie zum Beispiel die Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz. Noch läuft in dem Betrieb mit 250 Beschäftigten die Produktion zwar ungedrosselt, doch eine seit drei Jahren geplante Erweiterung des Betriebes liegt weiter auf Eis.


"Die Unruhe auf dem Solartechnik-Markt ist groß. Kaum ein Unternehmen kann langfristig planen, weil ständig neue politische Entscheidungen und kurzfristige Kürzungsankündigungen für Hektik sorgen. Doch das Problem ist in Deutschland hausgemacht", sagt GMB-Geschäftsführer Volker Henzel enttäuscht. Das Tschernitzer Unternehmen, das seit 2008 fein strukturiertes Flachglas für die Herstellung von Solarmodulen produziert, muss derzeit das Auf und Ab in der Branche nach den politischen ad-hoc-Entscheidungen mit verkraften. "Die Bestellungen unserer Kunden kommen unregelmäßig. Von Kontinuität kann keine Rede sein", so der Geschäftsführer.

Zudem müsse sich die deutsche Solarbranche außer mit der ständigen Debatte um die Kürzung der Solarförderung auch noch mit der Billigkonkurrenz aus Fernost auseinandersetzen. "In Asien werden die Module unter weitaus weniger ökologischen Bedingungen und mit anderem Lohnniveau produziert – und sie bekommen dennoch die gleiche Förderung in Deutschland", weist Henzel auf eine seiner Meinung nach große Ungerechtigkeit hin. Für Zuschussförderung und Einspeisungsvergütung beim Solarstrom sollte es eindeutige und vor allem langfristige und verlässliche Regelungen geben. Angesichts unklarer Zukunftsaussichten ist es jetzt wohl eher nicht der geeignete Moment, um die Erweiterungspläne der Glasmanufaktur Brandenburg zu realisieren. Schon seit drei Jahren war ein Neubau im Tschernitzer Werk ins Auge gefasst worden, der jetzt zunächst weiter in die Ferne rückt. Eine zweite Schmelz wanne soll neu errichtet werden. Damit könnte dann doppelt so viel innovatives Glas für die Herstellung von Solarmodulen produziert werden wie bisher. "Im vergangenen Jahr waren das insgesamt rund 7,5 Millionen Quadratmeter Solarglasflächen", erklärt der Geschäftsführer. Das Zukunftsprojekt, das zusätzliche 200 bis 250 neue Arbeitsplätze für das Glaswerk bringen könnte, sei jedoch auf keinen Fall völlig abgeschrieben. Die Genehmigungsverfahren und Projektplanungen sind angeschoben. "Im besten Fall könnten wir in 14 bis 16 Monaten die zweite Wanne hochgezogen haben und mit der Produktion beginnen", ist sich der Werkleiter Volker Henzel sicher. Pluspunkt des Tschernitzer Standortes: Weil das Unternehmen GMB ausschließlich Produkte für die Solarindustrie herstellt und keine andere Glasfertigung ausführt, ist eine durchgängig hohe Reinheit der Produkte möglich. Eine spezielle Oberflächenstruktur und ein sehr niedriger Eisenoxid-Anteil im hochspezialisierten Weißglas sorgen für eine ausgezeichnete Lichtdurchlässigkeit. "Unsere Produkte kommen auf eine Transmission von fast 92 Prozent", so Volker Henzel.

Das Tschernitzer Glas wird derzeit vorwiegend an Solarfabriken in Deutschland und Europa geliefert. Viele dieser Fabriken sind in Ostdeutschland entstanden – in Frankfurt/Oder, Prenzlau und Bernau. Kein Wunder: Neben dem Voralpenraum und dem Schwarzwald ist die Lausitz die sonnenreichste Gegend in Deutschland.
Catrin Würz

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom  22.03.2012


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Aktualisierung:
23.03.2012


 

Flachglas für Solarmodule entsteht in Tschernitz. GMB-Geschäftsführer Volker Henzel zeigt die Paletten für die Auslieferung. Foto: C. Würz