Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Die Frau für den Überblick
Gute Kontakte vor Ort zahlen sich aus. Eine Rückkehrerin unterstützt damit gerade ein Theaterprojekt in Weißwasser.


von ANETT BÖTTGER



Messina, die grüne Zitronenpresse des Produktdesigners Wilhelm Wagenfeld (1900-1990), hat derzeit einen Ehrenplatz im Glasmuseum von Weißwasser. Im Jahr des Bauhausjubiläums wurde das zeitlos schöne Stück zum Leitobjekt der aktuellen Sonderschau auserkoren. „Ich finde es toll, dass die Ideen Wagenfelds in einem Gegenstand gebündelt sind“, sagt Christine Lehmann. Gemeinsam mit Horst Gramß ist sie die Kuratorin der Ausstellung, die sich der Glasgestaltung in Weißwasser von Wagenfeld bis heute widmet.

Bewusst hatte die 40-Jährige eine ungewöhnliche Art der Präsentation angeregt: die gläserne Haushaltshilfe steht in ihrer Schlichtheit allein in einer Vitrine. Der Vorschlag stieß bei anderen anfangs auf Skepsis, doch die Aufmerksamkeit des Publikums war dem solitär gezeigten Stück in jedem Fall gewiss. „Man sollte den Mut haben, neue Wege zu gehen“, findet Christine Lehmann. Sie möchte Besucher durch unerwartete Perspektiven emotional berühren. Wenn sie Ausstellungen vorbereitet, stellt sie sich daher immer die Frage, wie etwas anschaulich und lebendig in Szene gesetzt werden kann.

Die gebürtige Weißwasseranerin hat in Tübingen Kultur- und Politikwissenschaften studiert. Ihre erste Stelle trat sie unmittelbar danach im Planungsstab für das 2018 eröffnete Stadtmuseum in Stuttgart an. „Das war eine tolle Startposition, weil ich dabei von der Pike auf gelernt habe, wie man ein Museum aufbaut“, beschreibt sie die Zeit des zweijährigen Volontariats. Ein Empfehlungsschreiben half wohl auch dabei, dass sie die Stelle bekam. Ein Dozent war nämlich der Meinung, sie müsse unbedingt in einem Museum arbeiten.

Nach dem Abitur war die berufliche Zielrichtung für sie zunächst nur bedingt klar. „Ich wollte irgendetwas mit Kultur studieren“, sagt die Mutter zweier Söhne. 1997 ging sie aus Weißwasser weg und hatte danach nicht wirklich mehr Kontakt in die Region, die auch andere aus ihrer Familie verlassen hatten. „Es gab keinen Anlass, in die Lausitz zu fahren“, gesteht sie. Erst mit ihrem heutigen Mann, der ebenfalls aus Weißwasser stammt, besuchte sie erstmals wieder die Gegend.

„Ich war total überwältigt von der Natur und dem Duft der Kiefernwälder“, erinnert sich Christine Lehmann. „Ich hatte nicht gedacht, dass ich noch solch eine Verbundenheit in mir habe.“ Die Menschen mit ihrer Mentalität und Sprache hätten sofort ein Gefühl der Vertrautheit ausgelöst.

Über eine Zwischenstation kam das Paar der Lausitz näher. „Wir haben uns zunächst bis nach Leipzig gewagt“, berichtet die Frau mit dem sympathischen Lächeln. Als sie in der Messestadt wohnte, hat sie dort am Zeitgeschichtlichen Forum und am Stadtmuseum in Halle gearbeitet. „Von Leipzig aus sind wir noch öfter als zuvor nach Weißwasser gefahren, bis wir beschlossen, ganz zurückzukehren.“

Wenn Christine Lehmann erzählt, spricht sie ruhig und mit sanfter Stimme. Seit August 2016 lebt sie wieder in der alten Heimat. Bald darauf bekam sie von der Stadt den Auftrag, die Entwicklungskonzeption für das Glasmuseum zu schreiben. Als Mitglied des Fördervereins engagiert sie sich auch ehrenamtlich für die Einrichtung. Zuletzt war sie zeitweise beim Projekt „Perspektiven Weißwasser“ angestellt, das bis Ende 2018 lief. Dabei ging es unter anderem um die Stärkung der Wirtschaft vor Ort und um Stadtentwicklung.

Im Moment laufen bei ihr die Fäden für das Theaterprojekt „Modellfall Weißwasser – Das Masz aller Dinge“ zusammen. Es soll Spuren des Bauhaus-Erbes in der Stadt sichtbar machen. Ein Parcours an zwei Wochenenden im Juni wird dazu sieben markante Orte verbinden. Rund vier Wochen vor dem Termin gibt es für die Projektmanagerin unglaublich viel zu bedenken, zumal sie sich auf neuem Terrain bewegt.

In Museen hatte sie immer nur mit wenigen Leuten zu tun. Für die Vorbereitung des Theaterparcours in Weißwasser ist die Rückkehrerin Schnittstelle zu allen Kontakten: als Ansprechpartnerin für die fünf Werkstattleiter aus Berlin, Mitwirkende, Behörden, Partner und Journalisten. Sie vermittelt, wenn Fragen aus dem Team kommen oder organisatorische Dinge zu klären sind.

„Es ist schon nicht einfach, immer den Überblick zu behalten“, gibt Christine Lehmann zu. Dabei wirkt sie bei allem Stress erstaunlich gelassen. „Man braucht ganz viel Enthusiasmus“, sagt die Selbstständige und geht los, um ihren fünfjährigen Sohn von der Musikschule abzuholen.

In dieser Serie erscheinen bis in den Sommer hinein Beiträge über Akteure, die beim „Modellfall Weißwasser“ mitwirken.
 

https://www.modellfall-weisswasser.de/
 

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 22.05.2019


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
23.05.2019


 

Die Zitronenpresse von Wilhelm Wagenfeld scheint auf der Hand von Christine Lehmann zu schweben. Das gläserne Stück in seiner schlichten Schönheit ist das zentrale Exponat der aktuellen Ausstellung im Glasmuseum von Weißwasser.
 Foto: J. Rehle