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Gläser verwandeln sich zu Vögeln
Neue Ausstellung in Weißwasser präsentiert filigrane Schätze

VON
Torsten Richter-Zippack



Sie tragen Fantasienamen wie "Pêle-mêle", "Carneol" oder "Lapis lazuli". Dahinter verbergen sich von geschickten Händen gestaltete Gläser und Vasen. Die Kunstwerke aus der Jugendstil-Epoche können jetzt im Weißwasseraner Glasmuseum bestaunt werden.

Wer bislang dachte, Vasen dienen lediglich zur Aufbewahrung von Blumen, wird im Glasmuseum Weißwasser eines Besseren belehrt. Dort sind nämlich die gläsernen Behälter die eigentlichen Hingucker. Und was für welche! Vor rund 100 Jahren zauberten geschickte Hände aus ganz normalem Glas Vögel, Blumen, Instrumente und viele weitere Kunstwerke. Natürlich weniger, um Blumen in den Gefäße zu stellen, sondern um etwas fürs Gemüt zu tun. So bringt es Volkmar Schorcht auf den Punkt.

Zerbrechlicher Schatz
Der Jenaer Glassammler präsentiert einen Teil seines zerbrechlichen Schatzes in Weißwasser. 247 Exponate, alle in der Zeit zwischen 1900 und 1915 entstanden, geben einen Einblick in die verspielte Welt des Jugendstils, einer Kunstepoche, die erst zur vorvorigen Jahrhundertwende entstand und durch den Ersten Weltkrieg ihr jähes Ende fand. Was sich damals die Glashütten in Schlesien, Böhmen und Bayern einfallen ließen, lässt die menschliche Fantasie spielen. "Während des Jugendstils wurde mit diesem Werkstoff ein regelrechtes Feuerwerk abgebrannt", beschreibt Volkmar Schorcht jene Zeit. Der Thüringer hat sich ganz diesen Gläsern verschrieben. Bereits seit vier Jahrzehnten trage er die verschiedensten Stücke zusammen. Manche Vase gebe es bereits für 60 bis 70 Euro, die ausgefallenen Kunstwerke seien auch mal eine vierstellige Summe wert. Die Gläser verwandelten sich nicht nur in verschiedenste Formen, sondern wurden ebenso mit gekonnten Farbstrichen verziert. Wahlweise mit Fäden, die gekämmt, gezogen oder direkt ins Glas hinein kolportiert worden waren.

Kein Wunder, dass die neue Ausstellung den Titel "Umsponnen, vernetzt und gekämmt" trägt. Und die selbst ernannte Lausitzer Glashauptstadt Weißwasser? "Hier wird seit jeher fast nur Industrieglas produziert", erklärt Volkmar Schorcht. Der Jugendstil habe in den Glashütten zwischen Spreewald und Zittauer Gebirge so gut wie keine Rolle gespielt. Die Lausitzer und insbesondere die Weißwasseraner seien eben schon immer rational denkende Menschen gewesen. Lieber ein Glas zum Trinken, zum Einwecken oder für Blumen als eines, das lediglich in der Vitrine stehe.

Besucher waren hin und weg
Die Besucher sind bereits während der Ausstellungseröffnung hin und weg. Beispielsweise Christine Schaefer aus der Glasmacherstadt. "Ich habe in den Jahren von 1968 bis 1971 im VEB Kombinat Lausitzer Glas gearbeitet und besitze selbst eine kleine Sammlung. Aber solche Kunstschätze wie hier präsentiert, habe ich noch nie gesehen. Sagenhaft, was Menschen aus Glas so zaubern können." Ihr Favorit sei eine gedrehte Vase mit kunstvoll aufgetragenem Fadennetz. "Gibt es etwas Schöneres auf der Welt?", fragt sich sicherlich nicht nur Christine Schaefer. Ebenfalls hellauf begeistert ist Anja Köhler aus Görlitz. "Bei uns im Schlesischen Museum gibt es zur Zeit ebenfalls eine Glasausstellung zu sehen. Allerdings geht es dort um die Bauhaus-Epoche, also etwas ganz anderes als den Jugendstil", erzählt die Museumsmitarbeiterin.

Nach Angaben von Volkmar Schorcht haben sich nach dem Ende der Jugendstilzeit nicht wenige Künstler erneut an den damals eingesetzten Techniken versucht. Allerdings vergeblich. Nie mehr sei eine solch hohe Qualität wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreicht worden. "Das macht die Gläser natürlich besonders wertvoll", weiß der Sammler. Auf das Weißwasseraner Museum sei er erst im Zuge der Vorbereitung seiner Ausstellung gestoßen. Was der Fachmann den Gästen besonders empfiehlt? "Klare Sache, bringen Sie einfach viel Zeit mit. Sie werden es nicht bereuen."

Die Sonderausstellung ist bis zum 8. September zu den normalen Öffnungszeiten im Glasmuseum Weißwasser zu sehen.
 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 22.06.2015


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 28.08.2015


 

Welche Kunstwerke aus Glas denn möglich sind, darf ab sofort in der neuen Sonderausstellung im Weißwasseraner Glasmuseum erlebt werden.
 Foto: T. Richter-Zippack